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23.11.2014

11:39 Uhr

Vogelgrippe bei Wildvogel

Nutzgeflügel muss in Ställen bleiben

Die Vogelgrippe wird zur immer ernsteren Bedrohung: Nachdem der H5N8-Virus nun auch bei Wildvögeln nachgewiesen wurde, muss in Mecklenburg-Vorpommern das Nutzgeflügel in den Ställen bleiben. Die Gefahr steigt auch im Rest Deutschlands.

Hühner und Co. müssen in den Ställen bleiben. dpa

Hühner und Co. müssen in den Ställen bleiben.

Nach dem Nachweis des Vogelgrippe-Virus' H5N8 bei einer Wildente in Mecklenburg-Vorpommern hat Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) die Unterbringung von Nutzgeflügel in Ställen angeordnet. "Wir sehen uns gezwungen, ein landesweites Aufstallungsgebot zu verfügen" erklärte Backhaus am Samstag. Das Bundeslandwirtschaftsministerium empfahl für ganz Deutschland zu zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen.

Mit dem Nachweis des Virus' H5N8 bei einer Krickente wurde der Erreger laut Backhaus erstmals in Europa außerhalb von Nutztieren festgestellt. Die Wildente war im Landkreis Vorpommern-Rügen im Rahmen des Wildvogelmonitorings geschossen worden.

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Die Abschussstelle liegt deutlich außerhalb des Risikogebietes, das 50 km rund um den Betrieb in Heinrichswalde liegt, wo bereits zuvor Vogelgrippe festgestellt worden war. In den vergangenen Wochen hatte es mehrere Fälle von Vogelgrippe bei Zuchtgeflügel auch in Großbritannien sowie vor allem in den Niederlanden gegeben. Dabei war wiederholt vermutet worden, die Erkrankung könnte auch durch Wildvögel übertragen werden.

Backhaus zufolge verdichtet sich nun dieser Verdacht: Es "handelt sich zumindest bei den Fällen in den Niederlanden und bei uns nach bisherigem Kenntnisstand um die exakt gleiche Virusvariante", erklärte der Minister.

Infos zur Vogelgrippe H7N9

Was ist H7N9?

Das Virus H7N9 ist nach der Kombination zweier Eiweiße - Hämagglutinin und Neuraminidase - auf seiner Oberfläche benannt. Es geht in Geflügelfarmen um, gilt aber als „gering pathogenes“ Virus, das Vögel in der Regel nicht krank macht. Dies kann dazu führen, dass es sich unbemerkt verbreitet, was es deutlich erschwert, seinen Ursprung zu finden.

Wie gefährlich ist das Virus für den Menschen?

Seit Februar haben sich in China mehrere Dutzend Menschen infiziert. Zu den Symptomen gehören Fieber und Atemprobleme bis hin zu schweren Atemwegserkrankungen. Wie die Ansteckung genau verläuft, ist noch unklar. Viele Betroffene dürften sich bei infiziertem Geflügel angesteckt haben. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch galt lange als unwahrscheinlich, wird jetzt aber nicht mehr ausgeschlossen.

Welche Veränderungen des Virus beobachten Wissenschaftler?

Auch wenn es noch nicht sicher ist, scheint das Virus auf eine Weise mutiert zu sein, die es ihm einfacher macht, sich an Säugetiere anzupassen. Wissenschaftler versuchen derzeit, den aktuellen Wirt des Virus zu ermitteln. Eine Möglichkeit sind Schweine, weil sie einige grundlegende biologische Ähnlichkeiten mit Menschen aufweisen und als eine Art „Mischgefäß“ fungieren könnten, wenn sie mit verschiedenen Grippeviren-Typen gleichzeitig infiziert sind.

Gibt es eine Impfung?

Eine Impfung gegen H7N9 existiert nicht, allerdings arbeiten die Weltgesundheitsorganisation WHO und ihre Partner bereits daran, mögliche Viren zu isolieren und zu identifizieren, die künftig falls nötig für Impfungen genutzt werden könnten. Die Herstellung eines Impfstoffs würde allerdings Monate dauern.

Wie unterscheidet sich diese Vogelgrippe vom gefürchteten H5N1-Virus?

Anders als das H7N9-Virus war H5N1 meist tödlich bei Vögeln, was es leichter machte, Ausbrüche der Vogelgrippe zu identifizieren und ihnen entgegenzuwirken. H5N1 bleibt eine Vogelgrippe und hat nicht die Abzweigung zu weiteren Spezies wie Schweinen genommen. Die meisten Ansteckungen bei Menschen gingen entsprechend auf den Kontakt mit infizierten Vögeln zurück.

Der Erreger H5N1 infizierte seit 2003 weltweit mehr als 600 Menschen. 371 Patienten von ihnen starben. Experten fürchten allerdings, dass das H5N1-Virus in eine Form mutieren könnte, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird und damit möglicherweise eine Pandemie auslöst.

Sollte man Geflügelfleisch derzeit meiden?

Solange Geflügelprodukte vernünftig gekocht werden, gilt ihr Verzehr als ungefährlich.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) berief nach Angaben seines Ministeriums für Montag eine Sitzung des erweiterten nationalen Krisenteams an. Zudem telefonierte er mit seiner niederländischen Kollegin Sharon Dijksmaa, um das weitere Vorgehen abzusprechen. "Wir wollen gemeinsam alles daran setzen, dass wir baldmöglichst zurückverfolgen können, wo der Virus herkommt, wenn er auftaucht", erklärte der Minister.

Schmidt appellierte überdies an alle Geflügelhalter zu hoher Aufmerksamkeit. Unklare Krankheits- oder Todesfälle müssten schnellstmöglich untersucht und bei Verdachtsfällen dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Das Bundeslandwirtschaftsministerium empfahl auch, Nutzgeflügel sicherheitshalber in ganz Deutschland in Ställen unterzubringen und Hygienemaßnahmen zum Schutz vor Infektionen zu verstärken.

Von

afp

/ Berlin

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