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08.04.2006

16:36 Uhr

Vogelgrippe in Sachsen

Alle Hühner und Gänse werden getötet

Rund um den von der Vogelgrippe betroffenen Gänsezuchtbetrieb in Wermsdorf bei Leipzig hat am Samstag die Tötung der übrigen Geflügelbestände begonnen.

HB GRIMMA/WERMSDORF. Innerhalb der Drei- Kilometer-Sperrzone werden auf Anordnung des Krisenstabes sämtliche Hühner, Gänse und Puten eingefangen und in einen benachbarten Schlachthof gebracht, sagte die Sprecherin des Landratsamtes in Grimma, Margit Gey. Dazu zögen zwei Teams mit Tierärzten und Behördenvertretern von Hof zu Hof. Nach offiziellen Angaben handelt es sich um rund 14 000 Tiere, die etwa 90 meist privaten Geflügelhaltern gehören. Es sei jedoch anzunehmen, dass nicht jeder, der ein einzelnes Huhn besitze, dies auch bei den Behörden angemeldet habe, sagte Gey. Bis spätestens Sonntagabend werde die Aktion abgeschlossen sein.

Um den Menschen über den Verlust ihrer Tiere hinwegzuhelfen, sind auch zwei Psychologen im Einsatz, die die Tierärzte auf ihrer Tour begleiten. „Besonders hart trifft es vor allem die Taubenzüchter“, sagte Regine Krause-Döring, die als Amtsärztin auch für den psychologischen Dienst in der Sperrzone verantwortlich ist. Nach Angaben des Landratsamtes hatte eine Tierhalterin noch am Freitagabend versucht, mit einem Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz die Tötung ihres Geflügels zu verhindern. Das Verwaltungsgericht Leipzig habe diesen Antrag jedoch mit dem Verweis auf den Vorrang des Seuchenschutzes abgelehnt.

Nach Ansicht von Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) kann die Vogelgrippe noch jahrelang in Deutschland grassieren. „Es kann niemand ausschließen, dass es in den nächsten Jahren weitere Fälle wie in Wermsdorf gibt“, sagte Seehofer der „Sächsischen Zeitung“ (Samstag). Es bestehe aber weiterhin keine akute Gefahr für die Menschen. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, hält Forderungen nach Impfungen gegen Vogelgrippe derzeit für fahrlässig. Zunächst müsse sichergestellt sein, dass geimpfte Tiere von infizierten Tieren zu unterscheiden sind, sagte Seehofer der „Rheinischen Post“ (Samstag). Das sei bisher nicht der Fall.

Die letzten Tiere der Wermsdorfer Gänsezucht Eskildsen, in der die Vogelgrippe ausgebrochen war, wurden in der Nacht zum Samstag getötet. Die Aktion hatte sich verzögert, weil eine mobile Tötungsanlage nicht richtig funktioniert hatte. „Wir haben jetzt endlich Zeit, das alles zu verarbeiten“, sagte Geschäftsführer Lorenz Eskildsen. Am Montag werde die Geschäftsleitung dann damit beginnen, über die Zukunft des Betriebes nachzudenken. „Alle hier sind fest entschlossen weiterzumachen“, sagte Eskildsen. Wie das Vogelgrippe-Virus in den Putenstall gelangen konnte, war auch am Samstag noch unklar. Epidemiologen halten eine Übertragung durch Wildvögel ebenso für möglich wie eine Einschleppung durch Menschen. In der Nähe gefundene tote Wildvögel waren nicht an der Vogelgrippe verendet.

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