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15.02.2006

08:00 Uhr

Vogelgrippe

Quarantäne über Rügen verhängt

Die für den Menschen lebensbedrohliche Variante der Vogelgrippe hat Deutschland erreicht. Zwei auf der Ostsee-Insel Rügen verendete Schwäne wurden am Dienstagabend in einem Schnelltest positiv befunden; die Ergebnisse sind mittlerweile bestätigt. Auch in anderen europäischen Staaten ist das Virus aufgetaucht.

Einer der toten Schwäne von der Insel Rügen. Er wurde nahe der Wittower Fähre gefunden, die auf die Insel Hiddensee verkehrt. Foto: dpa

Einer der toten Schwäne von der Insel Rügen. Er wurde nahe der Wittower Fähre gefunden, die auf die Insel Hiddensee verkehrt. Foto: dpa

BERLIN/BERGEN. Die unverzüglich unterrichtete Landesregierung in Schwerin habe umgehend eine drei Kilometer breite Schutzzone und eine zehn Kilometer breite Überwachungszone um den Fundort der toten Tiere eingerichtet, teilte das Landwirtschaftsministerium am Dienstagabend mit. Das bedeute, dass Betriebe mit Geflügel untersucht würden und nur eingeschränkt Geflügel transportiert werden dürfe. Urlauber hatten die vier verendeten Schwäne bereits am vergangenen Freitag an einer Fähre zwischen den Inseln Rügen und Hiddensee gefunden.

An der Infizierung der Schwäne mit dem auch für Menschen gefährlichen H5N1-Virus besteht nach Angaben des Leiters des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth, kein Zweifel mehr. Das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit habe in der Nacht zu Mittwoch weitere Tests durchgeführt. „Es ist leider so, die Schwäne sind mit H5N1 aus Asien infiziert“, sagte Kurth am Mittwochmorgen im ZDF. Daher müsse das für Donnerstag erwartete Ergebnis aus einem von der Bundesregierung beauftragten EU-Labor in Großbritannien für eine Diagnose nicht abgewartet werden. „Wir haben persönlich als Experten keinen Zweifel mehr“, sagte der Institutschef.

Für die Menschen ergebe sich allerdings keine grundsätzlich neue Bedrohungssituation, beruhigte Kurth. Experten hätten bereits damit gerechnet, dass mit dem Vogelzug im Frühjahr das Virus auch in Westeuropa ankommen werde. Überraschend sei jedoch, dass dies nun so früh geschehen sei. Kurth riet dazu, totes Geflügel nicht anzufassen. Es bestehe aber überhaupt kein Grund zur Zurückhaltung beim Verzehr von Geflügel.

Damit ist erstmals in der Bundesrepublik der Vogelgrippetyp H5N1 aufgetreten, der beim Menschen eine lebensgefährliche Krankheit auslösen kann. Bislang ist das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Experten fürchten, dass genau dies passieren könnte. Dann könnte eine weltweite Epidemie mit Millionen Toten die Folge sein. Auch im Nachbarland Österreich wurde am Dienstagabend erstmals die für Menschen gefährliche Vogelgrippevariante bei Schwänen nachgewiesen.

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