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20.04.2006

05:47 Uhr

Von Kanada bis Australien

Die reisende Queen

Zu den ehemaligen britischen Kolonien hat Elizabeth II. ein besonderes Verhältnis. Denn sie bereiste Länder, in denen selbst zu Kolonialzeiten kein britischer Monarch je war. Und so veränderte sich auch ihr Leben während einer Reise durch Afrika grundlegend, als sie vom Tod ihres Vaters und somit von ihrer Thronnachfolge erfuhr.

Elizabeth II. an ihrem 21. Geburtstag in Süd-Afrika Foto: AP

Elizabeth II. an ihrem 21. Geburtstag in Süd-Afrika Foto: AP

HB FRANKFURT. Von Kanada bis Kenia, von Antigua bis Australien sind die bonbonfarbenen Hüte der Queen wohl bekannt. Als Oberhaupt des Commonwealth, des Bundes ehemaliger britischer Kolonien, hat Elizabeth II. allen 53 angeschlossenen Ländern rund um den Globus ihre Aufwartung gemacht. Einige dürfen die britische Königin nahezu regelmäßig als Gast begrüßen, in 16 von ihnen ist sie noch immer das Staatsoberhaupt.

Hunderttausende Kilometer hat die Queen auf ihren Reisen durch das Commonwealth schon zurückgelegt. Sie setzte ihren Fuß auf Boden, den vor ihr selbst zu Kolonialzeiten noch kein britischer Monarch betreten hatte. Allein bei ihrer Antrittstour 1953 nach Kanada, auf die Bermudas, in die Karibik, über Australien und Neuseeland nach Afrika bewältigte sie rund 70.000 Kilometer. Das besondere Verhältnis Elizabeth II. zum einstigen Empire mag auch davon geprägt sein, dass ihr Schicksal in Afrika eine entscheidende Wendung nahm: In Kenia erreichte die erst 25 Jahre alte Prinzessin am 6. Februar 1952 die Nachricht vom Tod ihres Vaters Georg VI. und kehrte in die Heimat bereits als neue Königin zurück.

Sowohl ihr Silbernes als auch ihr Goldenes Jubiläum als Queen feierte sie dann nicht nur gebührend mit den Briten daheim, sondern auch wieder auf Reisen durch das Commonwealth. Nicht immer ging dies ohne Missverständnisse und Trubel über die Bühne. Australien, wo die britische Königin wie auch in Kanada oder Neuseeland Monarchin ist, hat dabei immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. 1992 scherte sich Ministerpräsident Paul Keating nicht um die Etikette, als er bei einem Interview seine Hand auf den unteren Teil des königlichen Rückens legte. Die Schelte der Londoner Gazetten drang deutlich bis in die Südsee. Die Queen aber habe ihm lediglich geraten: „Nehmen Sie diese Blätter gar nicht wahr“, berichtete Keating später.

Radiomoderator gab sich für kanadischen Ministerpräsidenten aus

Trotz vereinzelter Protestaktionen und anhaltender Debatten um die Abschaffung der Monarchie, etwa in Australien, wird Elizabeth fast überall mit Jubel empfangen. Auch den Regierungschefs ist meist viel an einem guten Verhältnis zur britischen Krone gelegen. So entschuldigte sich der damalige Ministerpräsident von Fidschi, Sitiveni Rabuka, 1997 mit einem Walzahn offiziell für einen von ihm angeführten Militärputsch zehn Jahre zuvor. Die Queen nahm das Symbol für Verzeihung und Sühne an.

Ein offenes, ungezwungenes Gespräch mit der Königin führen zu können, haben viele Politiker gelobt. Auch der Radiomoderator Pierre Brassard dürfte das bestätigen. Mit ihm parlierte die Queen 1995 ganze 20 Minuten lang am Telefon, weil sie ihn für den kanadischen Ministerpräsidenten hielt. Brassard hatte in London angerufen und sich als Jean Chrétien ausgegeben. Zwar vergewisserte sich der Buckingham-Palast, ob Chrétien die Queen tatsächlich sprechen wolle. Als ein Regierungsvertreter in Ottawa dann erklärte, Chrétien wolle die Königin möglicherweise über das anstehende Quebec-Referendum informieren, ließ der Protokollchef den Anruf durchstellen. Erst später flog der Schwindel auf. Ein Sprecher des königlichen Palastes nannte den Vorfall bedauernswert und ärgerlich, weil die wertvolle Zeit der Monarchin verschwendet worden sei. Wie die Königin reagierte, wurde nicht verraten.

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