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30.03.2013

10:53 Uhr

Vorösterliche Fußwaschung

Papst wäscht erstmals Frauen die Füße

Der Papst predigt davon, an den Rand der Gesellschaft hinauszugehen – und hält sich auch selbst an diese Worte. Franziskus verlegte die vorösterliche Fußwaschung in ein Gefängnis. Doch das war nicht das einzige Novum.

Papst Franziskus geht bei der vorösterlichen Fußwaschung neue Wege. dpa

Papst Franziskus geht bei der vorösterlichen Fußwaschung neue Wege.

Rom/BerlinMesse im Petersdom, Fußwaschung im Jugendgefängnis, Kreuzweg am Kolosseum in Rom: Papst Franziskus hat an den Tagen vor Ostern mit deutlichen Worten und berührenden Gesten Akzente gesetzt. In der Messe am Gründonnerstag forderte er die Priester und seine Kirche dazu auf, aus sich heraus und in die „Randgebiete“ zu gehen. Am Abend wusch der vor zwei Wochen gewählte Papst einem Dutzend junger Gefängnisinsassen kniend die Füße – darunter erstmals zwei Frauen. Die großen Kirchen in Deutschland mahnten unterdessen mehr Barmherzigkeit mit den Armen an und forderten ein Umdenken in der Finanz- und Wachstumspolitik.

Franziskus hatte die vorösterliche Fußwaschung an einen ungewöhnlichen Ort gelegt. Das neue Oberhaupt der katholischen Weltkirche wählte das römische Jugendgefängnis Casal del Marmo aus, um dort am Gründonnerstag mit etwa 50 Insassen die Abendmahlmesse in der Gefängniskapelle zu feiern. Der Papst umarmte alle jungen Leute und forderte sie auf, sich niemals die Hoffnung rauben zu lassen.

Zwölf Insassen verschiedener Nationalitäten und Religionen waren ausgewählt worden, von dem argentinischen Papst die Füße gewaschen zu bekommen – nach dem Vorbild des demütigen Dienstes Jesu an seinen Jüngern vor dem letzten Abendmahl. Aus dem Gefängnis gab es keine TV-Übertragung, um die Privatsphäre der jungen Menschen zu schützen.

„Einer muss dem anderen helfen, das lehrt uns Jesus und das ist das, was ich tue, es ist meine Pflicht“, sagte Franziskus den jungen Leuten. Es komme bei ihm von Herzen, er liebe es. Die Fußwaschung sei ein Symbol und ein Zeichen, sie bedeute, „dass ich zu Deinen Diensten bin.“ Wer höhergestellt sei, der müsse im Dienst der anderen stehen. Jugendliche untermalten die Messe mit Gitarrenklängen und Gesängen.

Erwartungen an den neuen Papst

Karl Lehmann

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann erwartet vom neuen Papst „eine nüchterne, aber begeisternde Vision vom Weg der Kirche in die Zukunft“. Er rechnete jedoch nicht mit einer schnellen Nachfolgeentscheidung im Konklave. „Ich bin kein Hellseher, aber so rasch wie 2005 wird es vielleicht doch nicht gehen“, sagte Lehmann der „Allgemeinen Zeitung“ (Mainz). Die Herkunft des künftigen Papstes war für den Mainzer Kardinal, der selbst am Konklave teilnahm, nicht vorrangig.

Robert Zollitsch

„Wir brauchen einen Papst, der die Kirche in die Zukunft führt. Der nach vorne schaut und der die Gottesfrage klar stellt“, sagte Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, im Interview des Fernsehsenders Phoenix. „Und der zugleich organisatorisch dafür sorgt, dass die Kurie wirklich der Apparat ist, der ihn in seinem Dienst voll und ganz unterstützt.“

Philippe Barbarin

Kardinal Philippe Barbarin, der Erzbischof von Lyon und Mitglied des Kardinalskollegiums sagte dem Fernsehsender Euronews: „Ich hoffe, dass sein Nachfolger ein Heiliger ist und dann, dass er intelligent ist. Er sollte beständig sein, denn er ist der Nachfolger Petri, um den das ganze Gebäude errichtet wurde. Das Bauwerk muss stehen und deshalb ist es besser einen Stein zu haben, der solide ist.”

David Berger

David Berger, katholischer Theologe Autor des romkritischen Buches „Der Heilige Schein“ sagte der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Mit Benedikts Rücktritt geht ein Pontifikat von Pleiten, Pech und Pannen zu Ende. Er hinterlässt eine Kirche voll gigantischer Probleme, die er deutlich verschärft hat. In den letzten Jahren entwickelte sich die ehemalige Volkskirche zu einer Art fundamentalistischer Großsekte. Dem wird sich der Mann nach Benedikt entschieden entgegenstemmen müssen. An die Stelle einer konfrontativen Sicht auf Kirche und Gesellschaft, Glaube und Wissenschaft, Tradition und Moderne sollte der mutige Dialog treten. Wenn der neue Papst das wagt, wird er gegen vehementeste Widerstände der Traditionalisten zu kämpfen haben, die unter Benedikt zum Machtfaktor geworden sind.“

Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. hat sich an seinem letzten Arbeitstag von allen in Rom anwesenden Kardinälen verabschiedet und seinem Nachfolger „Gehorsam“ versprochen. „Unter Euch ist auch der kommende Papst, dem ich meine bedingungslose Hochachtung und meinen Gehorsam verspreche“, sagte das scheidende Kirchenoberhaupt am Donnerstag bei dem Abschiedstreffen mit den Purpurträgern. Seinem Nachfolger will er geheime „Vatileaks“-Informationen persönlich übergeben, über deren Inhalt in den vergangenen Tagen viel spekuliert wurde. Um Erpressung, Sex- und Machtgier im Gottesstaat gehe es laut der italienische Zeitung „La Repubblica“ in dem Dossier. Benedikt will es dem neuen Papst anvertrauen, in der Hoffnung, dass dieser „stark, jung und heilig“ genug sei, um dann die notwendigen Schritte zu unternehmen.

Unter den zwölf jungen Häftlingen, denen Franziskus die Füße wusch und kniend küsste, waren auch eine italienische Katholikin und eine serbische Muslimin. Erstmals leistete ein Papst diesen Dienst der Liebe und Demut damit auch an Frauen. Die jungen Gefangenen hatten für den Papst Geschenke vorbereitet, ein hölzernes Kruzifix und eine selbst geschreinerte Betbank. Franziskus brachte ihnen Ostereier und den traditionellen italienischen Osterkuchen „Colomba“ (Taube) mit.

Jorge Mario Bergoglio hatte bereits als Erzbischof von Buenos Aires solche Messen in Gefängnissen oder unter Kranken gefeiert. Das Jugendgefängnis Casal del Marmo hatten auch seine beiden Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. besucht, aber den jungen Menschen nicht die Füße gewaschen. Die Abendmahlmesse wurde traditionell bisher in der römischen Lateranbasilika gefeiert.

Fahrplan für den neuen Papst

Nach der Wahl

Direkt nach der Wahl ist Franziskus in die Suite im Gästehaus Santa Marta im Vatikan eingezogen. In den kommenden Wochen wird die traditionelle Papstwohnung im Apostolischen Palast über dem Petersplatz nach seinen Wünschen eingerichtet.

Audienz für die Kardinäle

Am zweiten Tag nach der Wahl empfängt der Papst um 11 Uhr alle Kardinäle in seiner Residenz, dem Apostolischen Palast, zu einer Audienz.

Treffen mit Korrespondenten

Am Samstag, 16. März, um 11 Uhr trifft der Papst die Vatikan-Korrespondenten und die Sprecher des Vatikans.

Erstes Angelus-Gebet

Am Sonntag, 17. März, spricht Papst Franziskus um 12 Uhr sein erstes Angelus-Gebet mit den Pilgern auf dem Petersplatz.

Feierliche Amtseinführung

Für Dienstag, 19. März, ist die feierliche Amtseinführung von Franziskus geplant. In einer Messe um 9.30 Uhr erhält der Nachfolger von Benedikt XVI. die Insignien der päpstlichen Macht, unter anderem das Pallium (eine Art Stola) und den Fischerring.

Erste Generalaudienz

Für Mittwoch, 20. März, ist die erste Generalaudienz des neuen Pontifex vorgesehen.

Palmsonntag

Am Palmsonntag, 24. März, steht eine große Messe auf dem Programm, an der traditionell auch der Papst teilnimmt. Danach spricht Franziskus erneut das Angelus-Gebet.

Ostern

Ende März nimmt er an Ostern an der Karfreitagsprozession in Rom und der Feier der Osternacht am Samstag teil. Am Ostersonntag stehen für den neuen Papst Franziskus die Messe auf dem Petersplatz und der traditionelle Segen „Urbi et orbi“ auf dem Programm.

Erste große Reise

Die erste große Auslandsreise des neuen Papstes könnte ihn im Juli zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro in Brasilien führen.

Franziskus hatte in der Messe vor 1600 Priestern und Ordensleuten seine Kirche dazu aufgefordert, an den Rand der Gesellschaft hinauszugehen, wo Leiden und Blutvergießen herrschten. Dort gebe es auch Blindheit, die sich danach sehne zu sehen, und „Gefangene zu vieler schlechter Herren“, sagte der Papst in der Messe zur Weihe der Salböle. Ähnlich hatte er sich am Mittwoch in seiner ersten Generalaudienz geäußert.

„Wer nicht aus sich herausgeht, wird, statt Mittler zu sein, allmählich ein Zwischenhändler, ein Verwalter“, wiederholte er in der Messe den Aufruf an die Priester, sich zu öffnen. „Es ist eben gerade nicht in den Selbsterfahrungen oder den wiederholten Introspektionen, dass wir dem Herrn begegnen“, führte er aus. Vielmehr müssten die Priester dorthin gehen, wo andere auf das Evangelium warteten.

Kommentare (15)

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adman

30.03.2013, 12:01 Uhr

Alle Achtung! Ich ziehe meinen Hit vor diesem Papst.

Luzi

30.03.2013, 12:04 Uhr

Gehirnwäsche für`s tumbe Volk....
Lasst uns reden über Geldwäsche, Korruption, sexuellen Missbrauch, die blutige Vergangenheit der Kirche, die wahre Enstehung der menschenmanipulierenden Religionen und vieles, vieles mehr.....
Und trotzdem haben sie weiterhin die Masse der gehirngewaschenen Menschen die sie anbetet....... unglaublich !!!

adman

30.03.2013, 12:06 Uhr

Sorry: Alle Achtung! Ich ziehe meinen Hut vor diesem Papst.

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