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31.05.2014

15:27 Uhr

Vorsitzender der Bischofskonferenz

Marx wettert gegen Millionengehälter von Managern

Zum Ende der Katholikentages wird es noch mal politisch: Der Münchner Kardinal Marx kritisiert Millionengehälter bei Managern und spricht von „Verirrung“. Die Börse sei keine Auskunft, wie gut es der Wirtschaft geht.

Münchens Kardinal Reinhard Marx (links) und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei der Podiumsdiskussion während des Katholikentages. dpa

Münchens Kardinal Reinhard Marx (links) und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei der Podiumsdiskussion während des Katholikentages.

RegensburgDer Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hat Millionengehälter von Managern kritisiert und eine Neubewertung verlangt. „Das kann doch niemand mehr verstehen“, sagte der Münchner Kardinal am Samstag bei einem Podiumsgespräch mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf dem Katholikentag in Regensburg.

Die Frage sei, was honoriert werde. Es sei falsch, nur die Kapitalinteressen der Börse zu bedienen. „Das ist doch eine Verirrung“, sagte Marx. „Die Börse ist doch keine Auskunft darüber, wie gut es der Wirtschaft geht.“ Auch andere Managerleistungen müssten belohnt werden, etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Marx begrüßte die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes. „Es ist eine Notwendigkeit, wo keine Tarifparteien da sind.“ Er betonte aber: „Lieber wäre mir, die Tarifparteien wären einbezogen und es wäre branchenspezifischer.“ Zudem sei darauf zu achten, welche Folgen der Mindestlohn habe, um eventuell nachzusteuern: „Der Mindestlohn darf keine Arbeitsplätze kosten.“

Erstmals bei einem Katholikentag begaben sich am Samstag Pilger auf eine Wallfahrt. Sie führte zur Madonna nach Neukirchen am Heiligen Blut nahe der tschechischen Grenze. Dorthin kamen 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs insgesamt 2500 Gläubige aus beiden Ländern und feierten einen zweisprachigen Gottesdienst. Ziel sei es, eine Brücke zwischen Bayern und Böhmen zu schlagen, so die Veranstalter.

Wir finanziert sich die katholische Kirche in Deutschland?

Kirchensteuer

Den größten Teil ihrer laufenden Kosten deckt die katholische Kirche aus ihren Kirchensteuereinnahmen. 2012 waren das fast 5,2 Milliarden Euro.

Staatsleistungen

Sie betreffen nur die Bundesländer und Kommunen und gehen häufig auf die Säkularisation (Verstaatlichung des Kirchenbesitzes) Anfang des 19. Jahrhundert zurück. Gezahlt wird mit Bezug auf Artikel 140 des Grundgesetzes zum Beispiel für den Personal- und Sachbedarf der Kirchen. Hinzu kommen Ausgaben für den Bauunterhalt kirchlich genutzter Gebäude. Nach Angaben der Linken im Bundestag zahlen die Länder jährlich fast eine halbe Milliarde Euro an die Kirchen. Die Partei hat 2012 einen Gesetzentwurf zur Ablösung dieser Staatsleistungen vorgelegt. Dazu ist ein Bundesgesetz nötig.

Bundeszuschüsse

Die Kirchen erhalten für Aufgaben im caritativen Bereich wie andere Träger auch Bundesmittel, zum Beispiel für kirchliche Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen. So betrug der Bundeszuschuss für die Caritas 2012 rund 51,9 Millionen Euro. Die katholische Kirche gab dafür 8,6 Millionen Euro aus. Zuschüsse des Bundes fließen auch für Militärseelsorge, Kirchentage und Denkmalschutz. Eine Gesamtsumme wird nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nicht ermittelt.

Kirchliches Vermögen

Dabei geht es zum Beispiel um Immobilienbesitz und Miet- und Pachteinnahmen sowie Überschüsse aus kircheneigenen Betrieben oder Beteiligungen. Jedes Bistum hat sein eigenes Vermögen, Je nach Situation machen diese Einnahmen nach Expertenschätzungen fünf bis zehn Prozent des Gesamthaushalts eines Bistums aus.

Spenden und Kollekten

Sie machen nach Einschätzung von Experten fünf Prozent der kirchlichen Einnahmen aus. Die katholische Kirche beziffert diese Einnahmen für das Jahr 2009 auf rund 250 Millionen Euro.

Wie steht es um die Transparenz in den kirchlichen Haushalten?

Wesentliche Entscheidungen zur Verwendung der Kirchensteuer obliegen speziellen Kirchengremien in den Bistümern. Der Kirchensteuerhaushalt wird in der Regel öffentlich dokumentiert. In Bistümern gibt es neben dem regulären Haushalt noch einen „Bischöflichen Stuhl“. Der Begriff bezeichnet das Vermögen, das mit dem Bischofsamt verbunden ist. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler gibt es für diese Summen keine Auskunftspflicht, so lange keine öffentlichen Gelder damit verbunden sind. Kritiker nennen den „Bischöflichen Stuhl“ deshalb einen Schattenhaushalt. Nach dem Finanzskandal um den Neubau des Bischofssitzes in Limburg haben die Bistümer Essen und Speyer angekündigt, diese Zahlen offenzulegen.

Was ist bei der Finanzkontrolle im Bistum Limburg schiefgegangen?

Dazu gibt es bisher fast nur Vermutungen. 2008, vor dem Amtsantritt des umstrittenen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, soll der „Bischöfliche Stuhl“ über rund 100 Millionen Euro verfügt haben. 2011 soll Tebartz-van Elst dem Domkapitel die Zuständigkeit für diesen Haushalt entzogen und stattdessen einem Vermögensverwaltungsrat übertragen haben. Die Frage ist, ob er dieses Gremium bei den Kosten für den neuen Bischofssitz, die zuletzt auf 31 Millionen Euro anwuchsen, getäuscht hat.

Sind ähnliche kirchliche Finanzskandale bekannt?

Der Bund der Steuerzahler hat 1999 kritisiert, dass der katholische Militärbischof Johannes Dyba mit seinem Amt unbedingt von Bonn nach Berlin ziehen wollte - die Sanierung der Berliner Dependance habe umgerechnet rund 10 Millionen Euro gekostet. Skandale um Kirchenvermögen werden auch durch Gerichtsurteile bekannt. So wurden im September 2010 ein früherer Kirchenmitarbeiter im Bistum Limburg wegen der Veruntreuung von 2,7 Millionen Euro zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Nach finanziellen Verfehlungen zog sich 2011 der Orden der Pauliner aus dem Hochschwarzwald zurück. Ein Ordensbruder, der als Pfarrer eine Gemeinde betreute, hatte 247 000 Euro Spenden- und Kirchengelder veruntreut und dafür ohne Erlaubnis neue Messgewänder und Abendmahlskelche gekauft. Er ließ auch Kunstgegenstände restaurieren.

Beim großen Laientreffen in der Domstadt hatten Besucher am vierten Tag zum letzten Mal die Möglichkeit, Diskussionsrunden, Workshops oder Konzerte zu besuchen. In der historischen Altstadt drängten sich Zehntausende Gläubige, und im Unterschied zu den ersten Tagen zeigte sich der Wettergott gnädig und spendierte viel Sonnenschein und Wärme.

Am Sonntag geht der Katholikentag mit einem Open-Air-Gottesdienst in einem Stadion zu Ende. Für das Glaubensfest hatten sich 31.000 Dauerteilnehmer angemeldet, zudem rechneten die Veranstalter pro Tag mit bis zu 10.000 weiteren Gästen.

Von

dpa

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