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23.10.2013

11:11 Uhr

Vorstoß von Karnevalsbund

Jecken könnten bald Weltkulturerbe sein

Helau und Alaaf als UNESCO-Attraktion: Wenn es nach dem Karnevalsbund geht, soll das Volksfest schon bald ein immaterielles Weltkulturerbe sein. Die Chancen schätzt der Verband als gut ein.

Der Kölner Dom ist es schon, die Jecken könnten es noch werden: Weltkulturerbe. dapd

Der Kölner Dom ist es schon, die Jecken könnten es noch werden: Weltkulturerbe.

MainzOb Karneval, Fassenacht oder Fasching: Das bunte Narren-Treiben in der „fünften Jahreszeit“ soll in Deutschland zum immateriellen Weltkulturerbe werden. Mehrere Regionalverbände des Bundes Deutscher Karneval (BDK) wollen bis Ende November entsprechende Bewerbungen bei ihren jeweiligen Landesministerien einreichen, sagte der BDK-Vizepräsident Peter Krawietz. „Die Fastnacht hat tiefe historische Wurzeln, die Regionen in Deutschland prägen, und deren Bräuche schützenswert sind.“ Die „Rhein-Zeitung“ (Koblenz) hatte am Mittwoch über die Pläne der Narren berichtet.

Für die Hochburgen Mainz, Frankfurt und Wiesbaden wird Krawietz als Präsident der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval (IGMK) den Antrag an das Mainzer Bildungsministerium schicken. Ähnliche Bewerbungen sollten in Nordrhein-Westfalen und in Bayern eingereicht werden. „Wir denken, wir haben gute Chancen, weil es kaum eine vergleichbare Gemeinschaft gibt, die so viele Menschen einbindet“, sagte der IGMK-Präsident. Der BDK habe 5000 Mitgliedsvereine, hinter denen mehrere Millionen Menschen stünden.

Karneval werde in Deutschland seit dem Hochmittelalter gefeiert, sagte Krawietz. Es gebe Bräuche, die sich bis heute erhalten hätten: das Maskentragen, das Narrengericht, die Umzüge und die Festmähler. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gebe es die organisierte Fastnacht. Dazu gehöre der Straßenkarneval mit dem Rosenmontagszug als Höhepunkt ebenso wie der Sitzungskarneval mit Elferrat & Co.

Käme der Karneval auf die Liste der Weltkulturorganisation Unesco, wäre dies „eine hohe Anerkennung, Würdigung und Auszeichnung“, sagte der Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins (MCV), Tobi Werner. Nicht nur des Brauchtums insgesamt, sondern auch der Menschen, die alle Fest-Aktivitäten organisierten.

Die Fassenacht sei in Mainz „ein wichtiges Kulturgut“. Mit ihrer politisch-literarischen Ausrichtung habe sie sich über die Stadtgrenzen hinweg einen Namen gemacht. „Den Boten des Bundestages kennt man von der Ostsee bis zur Isar“, sagte Werner, dessen Verein den Mainzer Rosenmontagszug veranstaltet.

Nach Einschätzung von Krawietz ist die Fastnacht als anerkanntes Weltkulturerbe leichter zu schützen. In letzter Zeit gebe es gewisse „Gefahren“, die den Karneval bedrohten: die Tendenz der Kommerzialisierung des Festes und der Versuch, „ihre zeitliche Dimension zu sprengen“. „Fastnacht darf nicht im Sommer gefeiert werden können“, sagte er.

Möglich sei eine Bewerbung, weil Deutschland im Juli 2013 dem Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen, also ideellen Kulturerbes beigetreten sei. Zuvor konnte dieser besondere Status nur Kulturlandschaften oder Bauwerken zugesprochen werden.

Pro Bundesland können jeweils zwei Bewerbungen für die deutsche Vorschlagsliste benannt werden, die dann an die Unesco weitergereicht wird. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei, sei unklar.

Von

dpa

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