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21.08.2012

12:22 Uhr

Waffenbesitz

„Pulver Kurt“ für 3,5 Jahre hinter Gitter

Ein Waffennarr muss in den Bau: Ein als „Pulver Kurt“ bekannter Rheinland-Pfälzer ist zu über drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Rentner unterhielt eine der größten Waffensammlungen Deutschland – illegal.

Auszüge aus der Waffen- und Sprengstoffsammlung von „Pulver Kurt“. dpa

Auszüge aus der Waffen- und Sprengstoffsammlung von „Pulver Kurt“.

Bad KreuznachWeil er eine der größten illegalen Waffen- und Sprengstoffsammlungen in Deutschland hortete, ist ein 64-Jähriger aus der Pfalz zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Bad Kreuznach sprach den Rentner am Dienstag unter anderem wegen Verstößen gegen das Waffen- und das Sprengstoffgesetz schuldig. „Er kannte die Rechtsvorschriften ganz genau, und trotzdem hat er sich über sie hinweggesetzt“, sagte der Vorsitzende Richter Bruno Kremer in der Urteilsbegründung über den 64-Jährigen, der den Richterspruch scheinbar gefasst aufnahm.

In der Wohnung des Rentners und in einer angemieteten Scheune hatte die Polizei im vergangenen Jahr mindestens 100 Kilogramm Sprengstoff, mehrere Maschinengewehre und andere Waffen entdeckt. Die Räumung der Depots hatte für großes Aufsehen gesorgt. Unter anderem hatte ein ganzes Dorf zeitweise evakuiert werden müssen.

„Das war eine hochgefährliche Situation hier“, sagte der Vorsitzende Richter Kremer. Es sei ein großer Glücksfall gewesen, dass nichts Schlimmeres passiert sei. Durch seine Mitgliedschaft im Schützenverein und im Reservistenverband habe der Angeklagte gewusst, dass er einen Großteil seiner Waffen illegal besitze. Im Laufe des Verfahrens habe er seine Taten zwar gestanden, sie aber immer wieder beschönigt. „Die ganz große Schuldeinsicht konnten wir bei dem Angeklagten nicht feststellen“, betonte der Richter.

Das Urteil sei „nicht vollkommen indiskutabel oder inakzeptabel“, sagte Verteidiger Ulrich Stange. Er wolle sich nun mit seinem Mandanten beraten, ob sie die Entscheidung anfechten, betonte aber: „Die Chancen in einer Revision sind üblicherweise nicht die glänzendsten.“ Stange hatte auf eine zweijährige Bewährungsstrafe plädiert, die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre Haft gefordert. Wann sein Mandant die Strafe antreten muss, ist laut Stange noch unklar. Es sei dann auch die Frage, ob man versuche, eine Freigangssituation zu erreichen.

Bei der Urteilsverkündung wirkte der Angeklagte gefasst. Mit gefalteten Händen und gesenktem Kopf saß er neben seinem Anwalt auf der Anklagebank. Am vergangenen Mittwoch war der 64-Jährige kurz vor der Urteilsverkündung mit Kreislaufproblemen in ein Krankenhaus gebracht worden. „Das hat nie zu meiner Lebensplanung gehört, dass ich mal ins Gefängnis muss“, hatte der Rentner gesagt.

Nach den Worten seines Anwalts beginnt „Pulver-Kurt“, seine Begeisterung für Waffen inzwischen zu hinterfragen. Er habe „schlagartig kein Interesse mehr an Schützenverein und dergleichen“, sagte Stange nach der Verhandlung.

Von

dpa

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