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01.12.2011

08:45 Uhr

Waffenfreunde in den USA

Weihnachtsgrüße aus dem Maschinengewehr

VonNils Rüdel

Ein Schießklub in Arizona bietet eine besondere Weihnachtsattraktion: Kinder posieren mit Santa Claus – neben großkalibrigen Kriegswaffen. Nicht weit entfernt hatte ein Amokläufer Monate zuvor ein Blutbad angerichtet.

„Santa and Machine Guns“: Diese jungen Frauen sind von der Aktion sichtlich begeistert. dapd

„Santa and Machine Guns“: Diese jungen Frauen sind von der Aktion sichtlich begeistert.

WashingtonEs gibt kein Entkommen. Wenn es weihnachtet in Amerika, sind sie plötzlich überall. In Einkaufszentren, Kaufhäusern, auf Marktplätzen. Sitzen für ein paar Dollar die Stunde auf einem Sessel, der falsche Bart juckt und haart. Stoßen unregelmäßig „Ho-ho-ho“ hervor und lügen Kinder an, die sich im Minutentakt auf ihren Schoß setzen. Seid schön brav, dann bringe ich euch, was ihr euch wünscht. Mami knipst ein Foto, während schlechte Elfen-Darsteller gestresst die drängelnde Schlange in Schach halten. Jedes Jahr das gleiche.

Höchste Zeit, die Nummer aufzupeppen. Dachte sich ein Schießverein in der Provinz von Arizona, und verlieh dem Ritual ein bisschen mehr Kawumm: Im Scottsdale Gun Club können Freunde, Familien und Kinder neuerdings gemeinsam mit dem Weihnachtsmann posieren, nebst Weihnachtsbaum, Geschenken, Schneeflocken – und ein paar großkalibrigen Maschinengewehren.

Die Aktion heißt „Santa and Machine Guns“, am vergangenen Wochenende kamen 500 Leute. Der Clou: Für fünf Dollar (Mitglieder) oder zehn Dollar (Nichtmitglieder) hält ein Fotograf den unvergesslichen Moment fest, und fertig ist die individuelle Postkarte für Oma. Weihnachtsgrüße aus dem Maschinengewehr – wer würde sich nicht darüber freuen.

Und welch eine Abwechslung für den gemütlichen Dicken in Rot: Die Kleinen wünschen sich diesmal keinen Hamster, sondern die Halbautomatik, die sie gerade in ihren Händen halten. Oder das Prachtstück, die 80.000 Dollar teure Garwood Minigun, die die Ausmaße eines Siebenjährigen hat und mit bis zu 6000 Schuss pro Minute losorgelt. Sie würde Santas Gespann binnen Sekunden in Rentiermus verwandeln. Mami und Papi können die Kriegswaffen übrigens gleich nebenan in der größten Indoor-Schießhalle Amerikas mal ausprobieren.

Der Verein, der auch Waffen verkauft, ist begeistert von seiner weihnachtlichen Aktion. „Unsere Kunden suchten nach einem spaßigen und sicheren Weg, ihre Weihnachtsstimmung und ihre Leidenschaft für Feuerwaffen auszudrücken“, sagte Klubchef Ron Kennedy der Nachrichtenagentur AP. Der Vater eines 11-jährigen Jungen und eines 14-jährigen Mädchens findet, es gehe um persönliche Rechte. „Wenn du die Weihnachtszeit mit Santa und deiner Lieblingswaffe verbringen willst, warum sollte ich das verhindern?“

Kommentare (1)

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karl

01.12.2011, 11:25 Uhr

Nun ja, eine an sich gute Idee wurde wieder einmal nicht zu Ende gedacht: Santa_Claus_@_Weapons 2.0 wäre dann - à la Moorhuhn - das fröhliche virtuelle Weihnachtsmannerschießen...

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