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18.06.2017

15:03 Uhr

Waldbrände in Portugal

Einige Dörfer von den Flammen eingekesselt

VonSandra Louven

Nordöstlich von Lissabon wüten die schlimmsten Waldbrände seit Jahrzehnten. Mehr als 50 Menschen sind dabei gestorben, mindestens ebenso viele wurden verletzt. Bundesaußenminister Gabriel bietet Portugal Hilfe an.

Heftiger Waldbrand

60 Tote: Viele Menschen starben auf der Flucht

Heftiger Waldbrand: 60 Tote: Viele Menschen starben auf der Flucht

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LissabonMindestens 58 Menschen sind beim schlimmsten Waldbrand seit Jahrzehnten in Portugal gestorben, die Zahl der Toten steigt aber fast im Stundentakt. Weitere 59 sind verletzt, darunter auch mehrere Feuerwehrmänner. Der Brand war am Samstagnachmittag in Pedrógão Grande, rund 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon im Zentrum des Landes ausgebrochen.

Die portugiesische Polizei geht davon aus, dass ein Blitz in einem extrem trockenen Baum eingeschlagen und damit das Feuer entfacht hat. Starke Winde hätten dann dafür gesorgt, dass sich die Flammen „unerklärlich schnell“ verbreitet haben, sagte Jorge Gomes, Staatssekretär im portugiesischen Innenministerium. In Portugal herrscht ebenso wie in Spanien seit Tagen eine extreme Hitze mit Temperaturen um 40 Grad.

Viele der Opfer sind in ihren Autos von dem Feuer eingekesselt worden. Noch ist unklar, wie es dazu kommen konnte. „Es ist schwer zu sagen, ob sie vor den Flammen flüchteten oder ob sie von dem Feuer überrascht worden sind“, so Gomes. Ganze Dörfer sind von den Flammen umkreist, die ersten Häuser bereits verbrannt. Auf Bildern ist der Himmel über dem Wald schwarz, auf einer Straße zwischen völlig verkohlten Bäumen ist eine notdürftig zugedeckte Leiche zu sehen. Psychologen kümmern sich vor Ort um die Überlebenden, viele von ihnen haben Angehörige in dem Feuer verloren.

Die Feuerwehr wurde den Flammen bislang noch nicht Herr. Portugal hat die EU um Hilfe gebeten und erhält Unterstützung aus der europäischen Nothilfekoordinierung. Auch die Nachbarländer Spanien und Frankreich haben Hilfe zugesagt. Zwei spanische Löschflugzeuge sind bereits in Portugal im Einsatz. Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel bat Portugal ebenfalls Hilfe an. „Hier zeichnet sich die schlimmste Brandkatastrophe Portugals seit Jahrzehnten ab“, sagte der SPD-Politiker am Sonntag. „Ich habe gleich heute Morgen dem portugiesischen Premierminister António Costa unser tiefes Mitgefühl und Beileid ausgesprochen und ihm deutsche Hilfe und Unterstützung angeboten, wenn dies benötigt wird“, sagte Gabriel. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron bekundete seine Solidarität mit Portugal. „Gedanken für die Opfer“, schrieb Macron am Sonntag auf Twitter. „Frankreich stellt Portugal seine Hilfe zur Verfügung.“ Insgesamt sind 700 Feuerwehrleute und 200 Löschfahrzeuge im Einsatz, um die Verwüstung zu stoppen.

„Wir stehen vor der schlimmsten Tragödie menschlicher Opfer in der letzter Zeit aufgrund eines solchen Unglücks“, sagte der portugiesische Premier António Costa, der ebenso wie Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa am Samstagnacht zur Unglücksstelle gereist war. Costa versprach, Maßnahmen zu ergreifen, damit sich so etwas nicht wiederholen kann. In der Region kommt es im Sommer immer wieder zu Waldbränden, keiner war bislang jedoch vergleichbar mit dem aktuellen. Die Gegend war gestern auch nicht die einzige mit Bränden: Laut Costa gab es am Samstag insgesamt 156 Brände im ganzen Land, davon seien elf noch aktiv. Keines aber hat zu so einer Tragödie geführt wie das in Pedrógão Grande.

Die portugiesische Zeitung Publico schrieb in einem Kommentar, in den kommenden Tagen müsse die Regierung zahlreiche Fragen beantworten. Etwa die, wieso es bei der gefährlichen Wetterlage nicht möglich war, die Gefahr vorher zu sehen und sich entsprechend vorzubereiten oder weshalb entlegene Dörfer nicht evakuiert und die gefährlichen Straßen abgesperrt worden seien. Jenseits von den aktuellen Fragen sieht sie einen Grund für den verheerenden Brand in der zunehmenden Klimaerwärmung mit extremen Wetterlagen, angesichts der bisherige Schutzmaßnahmen nicht ausreichten.

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