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27.10.2016

18:21 Uhr

Walfang

Kommission will Japan stärker kontrollieren

Vondpa

Der Walfang ist weltweit umstritten. Wenn Wissenschaftlichkeit vorliegt, ist die Jagd erlaubt. Das hat sich Japan bisher eigenständig attestiert und steht deshalb in der Kritik. Jetzt wollen Experten genauer nachschauen.

Japan hat sich die Wissenschaftlichkeit seines Fangprogramms bisher selbst bestätigt. Das soll sich jetzt ändern. dpa

Baird-Schnabelwal

Japan hat sich die Wissenschaftlichkeit seines Fangprogramms bisher selbst bestätigt. Das soll sich jetzt ändern.

PortorozDie Internationale Walfang-Kommission (IWC) führt ein neues Prüfverfahren für den sogenannten Wissenschaftswalfang ein, den Japan betreibt. Die zugrundeliegende Resolution wurde auf der Vollversammlung der Organisation am Donnerstag im slowenischen Portoroz mit 34 Pro- und 17 Gegenstimmen sowie 10 Enthaltungen beschlossen. Demnach wird künftig eine neue Arbeitsgruppe alle als wissenschaftlich deklarierten Walfangprogramme in Zusammenarbeit mit dem IWC-Wissenschaftsausschuss überprüfen und bewerten. Der jeweilige Antragsteller, in diesem Fall Japan, darf an der Arbeitsgruppe nur als Beobachter teilnehmen. Die Arbeitsgruppe erstellt einen Bericht, den die IWC endgültig bewertet.

Das Walfang-Moratorium gilt seit 1986. Ausgenommen davon ist unter anderen der Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken, der bereits Bestandteil der IWC-Konvention von 1946 ist. Unter Berufung darauf setzte Japan den Walfang auch nach dem Moratorium fort. Der sogenannte Wissenschaftswalfang wurde international hart kritisiert. Auch der Internationale Gerichtshof (IGH) befand 2014, dass der japanische Walfang nicht mit den Bestimmungen der IWC-Konvention im Einklang steht. Japan fing dennoch erneut unter dem Deckmantel der Wissenschaft Wale.

Umweltschützer begrüßten die am Donnerstag gebilligte Resolution. „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung im Bemühen, Japan daran zu hindern, sich selbst die Genehmigung für den wissenschaftlichen Walfang zu geben“, sagte Andreas Dinkelmeyer, der Sprecher des Internationalen Tierschutz-Fonds (Ifaw), in Portoroz. „Die japanische Regierung wird nun nicht länger ohne fundierte Nachweise behaupten können, dass ihr Walfangprogramm wissenschaftlichen Zwecken dient“, meinte Greenpeace-Sprecherin Gesche Jürgens.

Zuvor hatten auf der IWC-Tagung mehrere Länder Japan scharf kritisiert. Der ostasiatische Inselstaat habe im Zuge seiner Waljagd keine relevanten wissenschaftliche Ergebnisse vorgelegt, erklärte der Vertreter Australiens. Kritisch äußerten sich auch die Repräsentanten der Europäischen Union (EU), Neuseelands und Argentiniens. Der Vertreter Japans bestritt die Vorwürfe.

Ebenfalls am Donnerstag beschloss die IWC-Vollversammlung eine Resolution, die die Bedeutung der Wale für die ökologischen Kreisläufe im Meer festhält. Das Dokument ermutigt die Mitgliedsländer dazu, dies in ihrer Umweltpolitik zu berücksichtigen. Neueren Forschungen zufolge bilden die Ausscheidungen der Wale und ihre nach dem natürlichen Tod am Meeresboden verwesenden Körper wichtige Bestandteile der komplexen Nahrungsketten der Lebewesen im Meer.

Die fünftägige IWC-Vollversammlung tagt noch bis zum Freitag in Portoroz. Am Dienstag war ein Antrag gescheitert, im Südatlantik eine großflächige Schutzzone für Meeressäugetiere einzurichten. Umweltschützer kritisierten außerdem, dass der Walfang Norwegens - der weitaus aktivsten Walfang-Nation - gar nicht erst auf der Tagesordnung gestanden hatte. Das skandinavische Land beruft sich bei seiner Jagd auf Zwergwale darauf, dass es gegen das Moratorium von 1986 einen Vorbehalt angemeldet hatte.

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