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12.03.2014

20:17 Uhr

Wann wurde was bekannt?

Die Salami-Taktik des Wurstfabrikanten

Darf's auch ein bisschen mehr sein? Seit Beginn der Steuer-Affäre um Bayern-Präsident Hoeneß kursieren schwindelerregende Zahlen, die dauernd korrigiert werden. Wann ging es um wieviel? Ein Überblick.

Urteil im Steuerprozess

Steuerfall Hoeneß: Drei Jahre und sechs Monat Haft

Urteil im Steuerprozess: Steuerfall Hoeneß: Drei Jahre und sechs Monat Haft

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Insgesamt 50.000 Transaktionen will Uli Hoeneß bis 2010 getätigt haben, am liebsten spekulierte er mit Fremdwährung. Da kann man schon einmal den Überblick verlieren, Uli Hoeneß sagt selbst, er habe die Übersicht über seine Finanzgeschäfte verloren. Beobachtern des Prozesses kann es ähnlich gehen. Verschiedene Zeiträume, Summen und Bezüge werden öffentlich und immer wieder korrigiert.

Die Staatsanwaltschaft München II wirft Uli Hoeneß in ihrer Anklageschrift vor, wissentlich unwahre Angaben zu Einkommen und Steuern gemacht und geheime Konten in der Schweiz unterhalten zu haben. Doch im Juli 2013 ging sie noch davon aus, Hoeneß habe nur einen Steuerbetrag von 3,5 Millionen Euro „nicht festgesetzt“.

Mittlerweile ist unbestritten, dass die in der Anklageschrift genannte Steuerlast viel zu niedrig angesetzt war. Seit der Aussage der Steuerfahnderin am Dienstagvormittag akzeptieren nämlich auch Hoeneß und seine Verteidiger mit über 27,2 Millionen Euro eine völlig neue Dimension der Streitsumme.

Wie ist es zur wundersamen Steuervermehrung im Verlauf der Affäre gekommen? Zum zweifelhaften Krisenmanagement des „Ulrich H.“ gehört auch seine missglückte Selbstanzeige vom 17. Januar 2013, die offenbar hastig in Folge der Recherche eines „Stern“-Journalisten erstellt worden war.

Die Staatsanwaltschaft hält die Selbstanzeige für unvollständig, die Verteidiger beharren jedoch darauf, dass alle relevanten Daten enthalten gewesen seien. Wie schwer das wiegen sollte, muss das Gericht entscheiden. Sollte sich zudem herausstellen, dass Hoeneß sich tatsächlich nur wegen der Ermittlungen, also nicht aus freien Stücken, zur Selbstanzeige entschied, dürfte sich auch der gute Wille einer Selbstanzeige nicht strafmildernd auswirken.

Die unterschiedlichen Größenordnungen, mit denen Hoeneß und seine Verteidiger hantierten, dürften eine Rolle bei der Beurteilung der Schwere der Tat spielen. Als die Selbstanzeige im April 2013 bekannt wird, spekuliert Thomas Eigenthaler, der Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, gegenüber der Bild-Zeitung noch, dass „Hoeneß mindestens zehn Millionen Euro Einnahmen nicht angegeben hat“. Gemeint waren Einnahmen durch Börsenspekulationen. Das Blatt selbst rechnet zu diesem Zeitpunkt bereits mit mindestens 20 Millionen Euro, die sich auf dem geheimem Konto von Uli Hoeneß befunden hätten.

Die öffentlichen Schwankungen bei der Einschätzung vom Ausmaß von Hoeneß' Straftat nehmen daraufhin zeitweise skurrile Züge an: Die anfangs kolportierte Summe von 3,2 bis 3,5 Millionen Euro erhöht sich etwa im Mai 2013 nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung. Demnach soll nämlich Hoeneß' Schweizer Bank im Herbst 2012 eine Steuerschuld von bis zu 6,8 Millionen Euro errechnet haben – das wäre also das Doppelte der ursprünglichen Summe.

Wenige Wochen später wird der Betrag durch hoffnungsvolle Hoeneß-Anhänger deutlich gedrückt: Weil ein Großteil der Steuerdelikte mittlerweile verjährt sei, so das Argument, handele es sich nun noch um 900.000 Euro Steuerschuld. Die magische Millionengrenze für Haftstrafen in Präzedenz-Steuerfällen, an die sich viele Prozessbeobachter klammern, wäre damit unterschritten.

Doch der FC Bayern und sein angeschlagener Präsident sind längst nicht mehr die „Oase der Ruhe“, wie Hoeneß seinen Verein einst bezeichnete. Im August 2013 nähert sich der Stern mit seinen Recherchen an die riesigen Summen, mit denen Hoeneß hantierte, an: Auf dem Schweizer Konto hätten sich zeitweise 350 Millionen Euro befunden, von den anfangs vermuteten zwanzig Millionen Euro kann nun keine Rede mehr sein. Auch eine Steuerschuld von lediglich 900.000 Euro wird damit wieder unwahrscheinlicher.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

12.03.2014, 20:34 Uhr

Schon mit seiner offenherzigen Behauptung vor Gericht und vor der deutschen Presse endlich reinen Tisch machen zu wollen hatte er sich selbst als Würstchen geouted.
Und dafür gibts ein Gerichtsurteil, gleich wie das aussehen mag.

Halt eben derb der deutsche Fußball: derb bis zur Idiotie.

Mein Problem?
Warum?

Account gelöscht!

13.03.2014, 10:15 Uhr

Hat er eigentlich als Manager das Vermögen des FC Bayer korrekt versteuert?

Account gelöscht!

13.03.2014, 13:20 Uhr

Vermutlich 1 Jahr und 11 Monate...
.
Also Bewährung
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Oder ist der Richter Heindl doch ein "harter Hund"?
.
Der Wildmoser Junior musste für deutlich "weniger einfahren"... das war doch Gerechtigkeit - oder?
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