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01.02.2008

09:51 Uhr

Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr

Berlins Busse und Bahnen stehen still

Nichts geht mehr: Ein Warnstreik der Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe hat den öffentlichen Verkehr in der Hauptstadt am Freitagmorgen nahezu zum Erliegen gebracht. Es fahren keine Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen. Berufstätige können auf S-Bahnen und Regionalbahnen ausweichen. Für viele kam der Streik völlig überraschend.

Fußmarsch statt Busfahrt: Seit Mitternacht fahren in der Hauptstadt keine Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen der BVG mehr. Foto: dpa dpa

Fußmarsch statt Busfahrt: Seit Mitternacht fahren in der Hauptstadt keine Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen der BVG mehr. Foto: dpa

HB BERLIN. Viele Berliner stiegen auf Autos oder Fahrräder um. „Unsere Kolleginnen und Kollegen stehen vor den Betriebshöfen, da ist kein Bus und keine Straßenbahn rausgekommen“, sagte ein Verdi-Sprecher am Morgen. Der Streik soll bis Samstagnachmittag 15 Uhr dauern.

Die Gewerkschaft Verdi hatte den Warnstreik am Donnerstagabend überraschend kurzfristig für Mitternacht angekündigt. Ein Sprecher des Fahrgastverbandes kritisierte, viele Berliner hätten gar keine Chance gehabt, sich auf den Warnstreik einzustellen. Der Autoverkehr verlief auf den Stadtautobahnen nach Angaben der Polizei weitgehend normal. Er wurde aber an zahlreichen Kreuzungen durch stadtweite Stromstörungen bei den Ampeln beeinträchtigt. Diese hätten aber nichts mit einem ebenfalls am Freitagmorgen begonnenen Warnstreik beim Energieversorger Vattenfall in Berlin zu tun.

Die Gewerkschaft will mit dem Streik ihrer Forderung nach Gehaltserhöhungen von acht bis zwölf Prozent für alle rund 11 500 BVG-Mitarbeiter Nachdruck verleihen. Ein Angebot der Arbeitgeber hatte die Tarifkommission von Verdi am Donnerstag als „schlichte Provokation“ zurückgewiesen. Die Arbeitgeber hatten eine Einmalzahlung von 200 Euro und Einkommenserhöhungen von sechs Prozent bis Ende 2010 vorgeschlagen. Allerdings nur für die 1150 Beschäftigten, sie seit 2005 eingestellt wurden.

BVG-Chef Andreas Sturmowski wies am Morgen in einem Interview mit dem Berliner Radiosender 91.4 hin, dass für die rund 10 000 vor 2005 eingestellten Mitarbeiter eine Beschäftigungssicherung für 13 Jahre gelte. Er hoffe, dass in dem Tarifstreit Vernunft einkehre.

Auch in der Stahlindustrie legten die Angestellten die Arbeit nieder: Zu Beginn der Warnstreiks in der nordwestdeutschen Stahlindustrie hat die IG Metall mit einer härteren Gangart gedroht. Sollten die in der Nacht begonnenen Warnstreiks nicht erfolgreich seien, könne es auch einen Streik geben, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer am Freitag im ZDF. Um der Forderung nach acht Prozent mehr Lohn Nachdruck zu verleihen, legten in der Nacht zu Freitag hunderte Stahlarbeiter nach Ablauf der Friedenspflicht die Arbeit nieder. Bei dem nach ThyssenKrupp zweitgrößtem deutschen Stahlkocher Salzgitter beteiligten sich in den frühen Morgenstunden etwa 700 Mitarbeiter an den Warnstreiks.

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