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15.01.2005

08:55 Uhr

Wasser gegen Krebs

Die Wahrheit über Madonnas Sekte

Für eine britische TV-Dokumentation haben sich drei Journalisten «undercover» in der «Kabbalah»-Sekte umgesehen. Die Ergebnisse werfen kein gutes Licht auf Madonnas neuen Glauben.

HB BERLIN. Seit einigen Jahren ist die einst so eigensinnige Madonna treue Jüngerin der «Kabbalah»-Sekte, einem Kult um den ehemaligen Versicherungskaufmann Philip Berg, der die jüdische Geheimlehre wild mit Esoterik und Aberglauben mixt.

Mal sah man Madonna und andere Prominente wie Demi Moore oder auch David Beckham ein rotes Armband tragen, das den bösen Blick abwehren soll, dann wurde berichtet, dass die Sängerin für viele Millionen Dollar eine «Kabbalah»-Schule bauen will. Und jüngst wurde bekannt, dass «Kabbalah» Spendengelder für die Opfer der Flutkatastrophe in Asien dazu nutzte, um die Menschen im Krisengebiet mit «Kabbalah»-Wasser und -Büchern zu versorgen. Am Donnerstagabend sendete die britische BBC eine Dokumentation über das Innenleben der Sekte, gegen die angeblich in London bereits ermittelt wird.

Rund 40 Kabbalah-Center gibt es weltweit - von Los Angeles bis Hannover. Allein bei einem Fest in Israel waren im vergangenen Jahr 2600 Anhänger anwesend, darunter auch Madonna mit Ehemann Guy Ritchie. Mit der jüdischen Geheimlehre namens Kabbalah hat die Sekte ungefähr so viel zu tun wie Scientology mit dem Christentum. Die Aneignung des Namens könnte man mit einem großen Konzern vergleichen, der nach Indien fährt und sich den Namen «Basmati» für Reis patentieren lässt.

Die Anschuldigungen der BBC-Dokumentation sind schwerwiegend: Das als «heilend» gepriesene «Kabbalah»-Wasser werde in einer Fabrik in Kanada abgefüllt, heißt es. Ausgerechnet dieses Unternehmen habe in der Vergangenheit Ärger gehabt, weil dort die Gesundheits- und Sicherheitstest nicht eingehalten wurden.

Das «Kabbalah»-Center wiederum behauptet, es sei Quellwasser und werde in einem besonderen «Kabbalah»-Verfahren behandelt. Es sei sogar die Behauptung aufgestellt worden, dass es gegen Krebs helfe, so der Bericht. Ein Informant der Dokumentation habe für ein «Kabbalah»-Wasser-Paket knapp 800 Euro zahlen dürfen.

Weiterer Kritikpunkt ist die Behauptung der Sekte, eine uneigennützige Organisation zu sein. Dem widerspräche der luxuriöse Lebensstil der Bergs.

Zudem soll laut dem Bericht ein führendes «Kabbalah»-Mitglied behauptet haben, dass die Juden den Holocaust selbst zu verantworten haben. «Sie haben nicht die Kabbalah genutzt», so die abstruse Begründung.

«Es ist absolut widerlich und wieder nur ein Versuch, einer wild entschlossenen Sekte, Geld zu machen», wird Rabbi Barry Marcus von der Londoner Zentral-Synagoge zitiert. «Die Prominenten scheinen den wahren Charakter des Kabbalah Center nicht zu erkennen», so der Rabbi. Sie sollten ihre «Verstrickung mit diesen schändlichen Quacksalbern überdenken».

Auch ein ehemaliges Mitglied kommt zu Wort. 13 Jahre sei Debbie Chaski-Leventhal Mitglied gewesen: «Es ist ein Kult, absolut ein Kult, vor allem für die paar hundert Leute, die den Bergs nahestehen. Die meisten von ihnen würden alles machen, was er von ihnen fordert.»

Laut einem Bericht des Onlinedienstes «This is London» hat das «Kabbalah»-Center bereits auf die Dokumentation reagiert: «Seit Jahrtausenden wurde die Kabbalah von einigen Mitgliedern der Gemeinschaft falsch dargestellt, die versuchen, andere davon abzuhalten, ihre Weisheit zu studieren.»

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