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22.08.2016

17:44 Uhr

Weinlese in Deutschland startet

Auf die Trauben, fertig, los!

2016 ist ein anstrengendes und heikles Jahr für die Winzer: Nässe, Kälte, Pilzbefall, Schädlinge. Winzer sprechen von einer echten Bewährungsprobe. Jetzt beginnt die Ernte – und damit für viele das große Aufatmen.

Die offizielle Weinlese in Deutschland begann mit der Ernte der ersten Trauben für den Federweißer. dpa

Eröffnung der Weinlese 2016

Die offizielle Weinlese in Deutschland begann mit der Ernte der ersten Trauben für den Federweißer.

Neustadt/WeinstraßeSchnipp, schnapp. Rasend schnell fährt die Traubenschere von Winzerin Susanne Müller-Magin zwischen die ausladenden Blätter und trennt die prallen Früchte von den Rebstöcken. Die goldgelben Trauben der Sorte „Solaris“ landen in einem Eimer, den kräftige Arme auf der Ladefläche eines Traktoranhängers auskippen. In diesem Weinberg im pfälzischen Neustadt beginnt am Montag offiziell die deutsche Weinlese.

Müller-Magin betrachtet die Trauben in ihrer Hand stolz. „Die Größe ist optimal. Schön ausgebildet“, sagt sie. Über ihr hängen ein paar dunkle Wolken und ein kühler Wind fegt durch das Rheintal – symbolisch quasi für das Winzerjahr 2016. Die Weinproduzenten wurden von bangen Gedanken geplagt: Was tun gegen die Nässe im Weinberg? Folgt auf den feucht-kühlen Frühsommer noch Hitze? Wie oft soll gespritzt werden gegen den starken Pilzbesatz – und werden noch Schädlinge einfallen?

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Viele Winzer waren von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf den Beinen. „Dieses Jahr war eine Bewährungsprobe, ein echter Kampf mit dem Klima“, sagt Günter Hoos, Direktor des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum, das früher Forschungsanstalt für Weinbau und Gartenbau hieß. „Wir haben sehr viele Insekten und andere Tiere in den Weinbergen. Schon lange hatten wir nicht mehr eine solche Vegetation. Und auch wieder einmal Vogelfraß.“

Besonders der Falsche Mehltau machte den Winzern überall in den Weinanbaugebieten außer in Franken zu schaffen. Winzerin Müller-Magin spritzte manche Reben zwölfmal, in weniger feuchten Jahren fährt sie nur acht- bis neunmal mit dem Spritzmittel durch. Und nun geht die Angst um, dass die Kirschessigfliege die Trauben befällt – ein Schädling, der erst seit zwei Jahren in Deutschland auf den Wein geht. „Wir kontrollieren die Trauben momentan jeden Tag“, sagt Dirk Gerling, Geschäftsführer des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd.

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