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01.12.2012

09:13 Uhr

Welt-Aids-Tag

Die Krankheit des schwarzen Kontinents

VonWolfgang Drechsler

Afrika bleibt der Kontinent, der von Aids am stärksten betroffen ist. Besonders explosiv ist die Lage in Mosambik – doch ausgerechnet hier zeigt ein Beispiel, wie Aids effektiv bekämpft werden kann.

Weltaidstag: Die Krankheit breitet sich besonders in Afrika aus. dapd

Weltaidstag: Die Krankheit breitet sich besonders in Afrika aus.

KapstadtWer nach einem günstigen Nährboden für die Ausbreitung der Aids-Epidemie sucht, wird in Mosambik schnell fündig: Ein langer Bürgerkrieg hat hier viele Familien zerrissen, Tausende Frauen in die Prostitution getrieben und Millionen entwurzelt. Die Rückkehr des Friedens vor 20 Jahren spülte zusätzlich Händler, Trucker und Flüchtlinge aus Teilen von Afrika ins Land, wo Aids bereits viel länger grassiert. Neue Studien zeigen zudem, dass mosambikanische Teenager früh Sex haben und dabei oft mit mehreren Partnern zur gleichen Zeit. Junge Frauen sind häufig mit weit älteren Männern liiert. Und nur zwei von zehn Mosambikanern wusste, wie Aids genau übertragen wird.

Ein explosives Gemisch, bei dem es nicht überraschen kann, dass die Zahl der Aids-Kranken in den letzten Jahren massiv gestiegen ist. Dennoch gibt ausgerechnet die frühere portugiesische Kolonie Anlass zu der Hoffnung, dass die Aids-Epidemie in Afrika womöglich doch gestoppt werden kann.

Aids – eine Chronologie

1981

In den USA, vor allem in Kalifornien und New York, sterben immer mehr junge Männer an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni äußerst sich erstmals die US-Gesundheitsbehörde CDC über die auffällige Zunahme einer seltenen Krebsform und einer ungewöhnlichen Form von Lungenentzündungen bei jungen Homosexuellen.

1982

Die Immunschwächekrankheit wird Aids – Acquired Immune Deficiency Syndrome – genannt. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern werden die ersten Fälle diagnostiziert.

1983

Die französischen Forscher Luc Montagnier und Francoise Barré-Sinoussi identifizieren das Virus, das die Krankheit auslöst. Erst nach langen Diskussionen einigt man sich später auf HIV (Human Immunodeficiency Virus) als Abkürzung für das menschliche Immunschwächevirus. Die zwei Franzosen vom Pariser Institut Pasteur erhalten 2008 für ihre Entdeckung den Medizin-Nobelpreis. In Berlin wird die erste Aids-Hilfe gegründet.

1984

Der erste HIV-Antikörpertest wird vorgestellt.

1985

In Deutschland dürfen ab Herbst keine Blutpräparate mehr auf den Markt gebracht werden, die nicht auf den HI-Virus getestet wurden. Über 2.300 Menschen – darunter mehr als 1.800 Bluter – hatten sich zuvor infiziert.

Im Oktober stirbt als einer der ersten Prominenten der US-Schauspieler Rock Hudson an den Folgen der Immunschwäche. Durch seinen Tod wird die breite Öffentlichkeit auf Aids aufmerksam.

1987

Das erste Aids-Medikament (AZT) bekommt seine Zulassung. Das Therapeutikum kann den Verlauf der Krankheit verlangsamen.

1995

Sogenannte Protease-Hemmer kommen als neues Aids-Medikament auf den Markt.

1996

In den USA werden die ersten Nicht-Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) zugelassen, eine wichtige Komponente der heutigen Kombinationstherapie. Die Vereinten Nationen gründen UNAIDS – eine Unterorganisation der UN im Kampf gegen Aids.

1997

In den USA wird erstmals über einen Rückgang der Zahl der Aids-Todesfälle berichtet.

2000

Immer häufiger wird auch öffentlich das Problem thematisiert, dass HIV-Betroffene in Entwicklungsländern aus Kostengründen keinen Zugang zu wirksamen Medikamenten haben.

2003

Der erste Fusionshemmer kommt als vierte Klasse von Aids-Medikamenten in den USA auf den Markt.

2010

Das Einreiseverbot für HIV-Positive in die USA wird nach 22 Jahren abgeschafft.

2012

UNAIDS teilt mit, dass 2011 die Zahl der Neuinfektionen weltweit zurückgegangen ist. In Deutschland infizierten sich 2012 dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge schätzungsweise 3.400 Menschen mit HIV, 100 mehr als im Vorjahr.

Rogerio Alface gehört jedenfalls zu den Vorkämpfern in einem Projekt, das seit zwei Jahren versucht, einen bedenklichen Trend in sein Gegenteil zu verkehren: die immer größere Zahl von Patienten in Afrika, die ihre lebensrettenden Anti-Aids-Präparate nicht rechtzeitig erhält – und damit eine langfristige Besserung verhindert.

Wie einfach Lösungen sein können, zeigt ein Beispiel aus der mosambikanischen Zentralprovinz Tete. Den dort tätigen Medizinern der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ wurde vor zwei Jahren jedenfalls schnell klar, dass eine Kehrtwende hier nur gelingen könnte, wenn auch die Patienten mehr Verantwortung für ihre Krankheit übernehmen würden. Den Ärzten kam dabei die Idee, Gruppen von jeweils sechs Aids-kranken Patienten zusammenzustellen. Statt ihre Tabletten jedes Mal einzeln abzuholen, sollten sich die Gruppenmitglieder fortan abwechselnd auf den oft mühseligen Marsch in die nächstgelegene Klinik machen. Ein attraktiver Nebeneffekt war, dass sich die Zahl der Klinikbesuche für die Teilnehmer der Sechsergruppe schlagartig von zwölf auf nur noch zwei pro Jahr verringerte.

Die Volkskrankheiten der Deutschen

Wirtschaftlicher Schaden

Volkskrankheiten haben nicht nur gesundheitliche sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen. Allein im Jahre 2010 waren die Bundesbürger 17,6 Tage im Durchschnitt krankgeschrieben.

Todesursachen

Volkskrankheiten führen nicht zwangsläufig zum Tode. Deshalb ist es wichtig, zwischen Krankheiten und Todesursachen zu unterscheiden. Zu den häufigsten Todesursachen zählen in Deutschland der Herzinfarkt und der Schlaganfall. 42 Prozent der Bundesbürger waren hiervon betroffen.

Krebs

Zu den zweithäufigsten Todesursachen zählt das Krebsleiden mit 35 Prozent. Frauen versterben neben Krebserkrankungen der Verdauungsorgane nicht selten an Brustkrebs. der Darm-und Lungenkrebs ist die häufigste Todesursache bei den männlichen Bundesbürgern.

Depression

Zu den häufigsten Erkrankungen gehört die Depression. Sie belegt den vierten Platz in der Rangliste mit 9,4 Prozent. Unter Depressionen sind unterschiedliche Erkrankungen zu fassen wie beispielsweise Angstzustände.

Burn-out

Unter den Begriff der Depressionen fällt auch das Krankheitsbild des Burn-out Syndroms. Betroffene sind meist körperlich, geistig und emotional erschöpft. Grund für diesen Zustand sind Stress oder berufliche Überbelastung.

Eu-weit belaufen sich die volkswirtschaftlichen Folgekosten auf 20 Milliarden Euro jährlich.

Atemwege

Platz 3 belegen die Atemwegserkrankungen mit 18 Prozent. Mediziner unterscheiden zwischen den oberen und unteren Atemwegen. Zu den Erkrankungen der oberen Atemwege gehören Krankheiten der Nasennebenhöhlen und Kieferhöhlenentzündungen. Die Bronchitis hingegen wird zu den Krankheiten der unteren Atemwege gezählt.

Übergewicht

Gemeinsam mit den Atemwegserkrankungen ist die Fettstoffwechselstörung die dritthäufigste Krankheitsursache in Deutschland. Eine Störung des Stoffwechsels ist das Übergewicht, das auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Laut des Europäischen Statistikamts sind 60 Prozent der Deutschen übergewichtig.

Diabetes

Eine weitere Fettstoffwechselstörung ist die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Dabei wird zwischen Typ 1 und Typ 2 unterschieden. Typ 2 ist auf das Übergewicht zurückzuführen.

Rückenschmerzen

Mit 24,1 Prozent sind die Rückenschmerzen das zweithäufigste Volksleiden der Deutschen. Diese Zahl schlägt sich auch in den Krankheitstagen nieder. 13 Tage lässt sich der Bundesbürger wegen dieser Erkrankung krankschreiben.

Bluthochdruck

25,7 Prozent der deutschen Bundesbürger leiden an Bluthochdruck. Damit belegt diese Erkrankung den ersten Platz. Die Ursachen sind vielfältiger Natur. Außer der genetischen Veranlagung spielen Stress, Bewegungsmangel und ein überhöhter Alkoholkonsum eine wesentliche Rolle. Wird die Erkrankung nicht behandelt, drohen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Bei einer späteren Auswertung des Projekts wurde sein großer Erfolg schnell deutlich: Während die Gruppen mit sechs Patienten praktisch kein einziges Mal die Abholung ihrer Aids-Medikamente versäumte und deshalb auch nur zwei Prozent verstarben, waren es bei den auf sich selbst gestellten Aids-Kranken rund 20 Prozent. Entsprechend viel höher lag auch die Todesrate.

Das Ergebnis der Studie im „Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes“ ist eine Offenbarung. Daneben sank das Bilden von Sechsergruppen die Arbeitslast der Ärzte, die in dem armen Land extrem dünn gesät sind, was wiederum die Kosten der Behandlung reduzierte. Mosambik hat bis heute nur 2,7 Ärzte pro 100.000 Menschen. (In den USA sind es etwa 100 Mal so viel) Und es gibt einen weiteren Nutzen: Wenn Patienten in kleineren Gruppen organisiert sind, fühlen sie sich auch nicht länger mit ihrer Krankheit allein gelassen wie dies gerade in Afrika wegen der Stigmatisierung von Aids oft der Fall ist.

Die hartnäckigsten Gesundheitsmythen

Obst und Gemüse schützt vor Krebs

Wer sich gesund ernährt und mehr Gemüse als Fleisch isst, der tut seinem Körper etwas Gutes. Doch ein konkreter Schutz vor Krebs ist das nicht. Das ergab eine Studie von Hsin-Chia Hung und Walter Willet, Harvard University Boston/"Journal of the National Cancer Institute". Die Probanden, die mehr Obst und Gemüse aßen, hatten jedoch ein geringeres Herzinfarktrisiko.

Dunkle Schokolade macht weniger dick

Das stimmt leider nicht. Egal, wie dunkel die Schokolade ist, sie besteht in erster Linie aus Kakaobutter, Zucker und Kakaomasse. Im Gegensatz zu Milchschokolade enthält dunkle Schokolade keine Milch, folglich auch keinen Milchzucker. Die Kalorienzahl ist aber vergleichbar mit der der Milchschokolade.

Kaffee trocknet den Körper aus

Nein, Kaffee entzieht dem Körper kein Wasser. Koffein wirkt allerdings harntreibend: Wer viel Kaffee trinkt, muss also öfter die Toilette aufsuchen. Das bedeutet aber nicht, dass er dabei mehr Flüssigkeit verliert, als er mit dem Bürokaffee aufgenommen hat.

Pro Tag zwei Liter Wasser trinken

Es ist richtig, dass der Mensch "ausreichend" Flüssigkeit braucht. Er muss aber nicht zwangsläufig zwei Liter in Form von Wasser trinken. Auch Obst, Gemüse und Milchprodukte enthalten Flüssigkeit. Außerdem hängt der Flüssigkeitsbedarf davon ab, wie heiß es ist, wie viel der Mensch wiegt und ob man sich körperlich stark anstrengt. Pauschal eine Menge von zwei Litern zu empfehlen ist wenig sinnvoll. Zu viel Wasser kann dem Körper auch schaden. Wer ein normales Durstgefühl hat, nimmt automatisch genug Flüssigkeit zu sich.

Salat hat viele Vitamine

Das stimmt nicht. Salat hat viel Folsäure, die der Körper braucht, aber Vitamin C etwa findet sich in der doppelten bis achtfachen Menge in Tomaten oder Paprika.

Eier erhöhen den Cholesterinspiegel

Cholesterin ist ein lebensnotwendiger, natürlicher Stoff und kein Schadstoff. Der Körper produziert selbst Cholesterin und stoppt die Produktion, wenn zu viel Cholesterin in Form von Nahrung aufgenommen wird. Nur wer eine Cholesterin-Stoffwechselstörung hat muss auf seine Ernährung achten. Alle anderen können so viele Frühstückseier essen, wie sie wollen.

Salz ist ungesund

Das stimmt nur, wenn Sie zu den so genannten salzsensitiven Menschen zählen. Bei denen kann der häufige Genuss von stark gesalzenen Speisen zu einem Anstieg des Blutdrucks führen. Da die Mehrheit der Menschen aber nicht salzsensitiv isst, müssen sie auch nicht auf Salz verzichten.

Mehrere Mahlzeiten sind besser

Immer wieder hört man, es sei besser fünf kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, als die drei großen Klassiker Frühstück – Mittag – und Abendessen. Im Grunde ist es völlig egal, wann man isst. Wer mit fünf „kleinen“ Mahlzeiten am Tag abnehmen möchte, läuft jedoch schnell Gefahr, zu viele Kalorien aufzunehmen. Wer sich an feste Mahlzeiten hält, behält besser den Überblick über die Gesamtmenge der aufgenommenen Kalorien.

Am Abend essen macht dick

Ob wir zu- oder abnehmen liegt an der Menge der Kalorien, die wir zu uns nehmen und nicht am Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme. Mehrere Studien haben widerlegt, dass Stoffwechselvorgänge am Abend ruhen und daher, wer abends mehr isst, schneller dick wird.

Der Mensch nutzt nur einen Bruchteil des Gehirns

Zwar keine Ernährungsweisheit, aber ein Gesundheitsmythos ist, dass der Mensch gar nicht die volle Leistung des Gehirns ausschöpfe. Einmal heißt es 10 Prozent, ein andermal 25 Prozent. Mehr unserer Hirnkapazitäten nutzen wir nicht? Doch, tatsächlich nutzt der Mensch alle Bereiche seines Gehirns. Untersuchungen haben gezeigt, dass es keine inaktiven Teile gibt. So verführerisch der Gedanke an noch ungenutzte Areale und Möglichkeiten wie Telepathie und Telekinese sein mag, sie bleiben Fantasterei.

Schwieriger gestaltet sich die Lage ausgerechnet im weiter entwickelten Südafrika. Hier werben seit Jahren vor allem bekannte Stars und Sternchen für eine stärkere Bewusstseinswerdung. Doch was passiert eigentlich, wenn die vermeintlichen Vorbilder plötzlich ihre Meinung ändern – und Dinge behaupten, die direkt mit den herkömmlichen Behandlungsmethoden in Konflikt stehen? Ein Musterbeispiel dafür, was alles schiefgehen kann, lieferte zuletzt die Schauspielerin Lesego Motsepe, die sich am Welt-Aids-Tag vor einem Jahr als HIV-positiv outete und in einer Radioshow erzählte, dass sie bereits seit 13 Jahren mit Aids lebe. Doch erst als sie im Oktober 2010 kurz vor dem Tod gestanden und kaum noch Widerstandskräfte gehabt habe, sei sie auf Anti-Aids-Medikamente umgestiegen – mit großem Erfolg.

Kommentare (1)

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cashca

01.12.2012, 10:29 Uhr

Endlose Aufklärung in Afrika und nichts scheint sich zu ändern. Da fragt man sich, warum ist das so?Genauso wie seit mindestens 50 jAhren Entwicklungshilfe auf allen gEbieten geleistet wird und das Ergebnis ist mehr als mager.
Auch hier die Frage: Warum geht da nichts voran?
Fazit : Irgendwo läuft da was falsch.
Was Aids betrifft, solange dei Menschen nicht selber denken und entsprechend handeln, nützt alles nichts. Denken kann man nicht schenken, das müssen sie schon selber. Der kOntinent muss sich endlich selber auf dei Beine stellen und die Lage vebessern, das Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Das setzt aber vorraus, dass der Westen endlich die Ausbeutung dort beendet und die kOnzerne dort gerechte Löhne zahlen. Solange wir deren Rohstoffen zum Scnäppchenpreis abholen, wird sich nichts ändern. Da helfen auch keine Spenden und sonstige freiwillige Hilfsdienste. Alles bleibt wie es ist. solange das Geld für Entwicklungshilfe den Machthabern direkt gegeben wird, ändert sich ebenfalls gar nichts. Das sollte man nach Jahrzehnten begriffen haben.
Die bauen damit den nächsten Palast, für das Volk ändert sich gar nichts.

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