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13.08.2011

12:07 Uhr

Weltlinkshändertag

Im Alltag geht es oft nicht mit links

Rund die Hälfte aller Menschen sind gebürtig Linkshänder. Doch im Alltag stehen viele vor einem Dilemma: Denn die meisten Gebrauchsgegenstände sind für Rechtshänder gemacht

Linkshänder haben im Alltag oft Probleme. Quelle: ZBSP

Linkshänder haben im Alltag oft Probleme.

Erfurt/MünsterOb Stiftanspitzer, Korkenzieher oder Dosenöffner - viele Alltagsprodukte stellen Linkshänder vor ein Dilemma: Entweder sie benutzen sie mit ihrer starken, linken Hand und müssen sie entgegen der intuitiven Bewegungsrichtung drehen. Oder sie benutzen ihre schwächere Hand, um die Gegenstände so zu benutzen, wie sie vorgesehen sind - nämlich mit rechts.

„Alles, was mit Drehbewegungen zu tun hat, wird besonders nachgefragt“, sagt Petra Ertingshausen vom Linkshänder-Laden Erfurt. „Wenn man Spitzer oder Dosenöffner zu sich hin drehen muss, braucht man viel mehr Kraft.“ Auch Linkshänder-Geldbörsen sind beliebt in dem kleinen Laden in der Erfurter Altstadt. In ihnen befindet sich das Hartgeldfach auf der linken Seite. „Normale Geldbörsen sind für Rechtshänder ausgerichtet“, erklärt Petra Ertingshausen. „Wenn Linkshänder sie umdrehen, fällt oft der Inhalt heraus.“

Viele Gegenstände des täglichen Gebrauchs sind für Rechtshänder optimiert. „Produkte werden oft von Rechtshändern konstruiert, die gar nicht daran denken, dass Linkshänder das nicht bedienen können“, sagt Matthias Wüstefeld, zertifizierter Linkshänderberater aus Münster. Das könnten Herde mit den Drehschaltern auf der rechten Seite sein oder auch Schränke, deren rechte Tür zuerst geöffnet werden muss.

In den vergangenen Jahren habe sich schon einiges getan, schränkt Wüstefeld ein. So gebe es seit einiger Zeit seitenverkehrte Musikinstrumente zum Kaufen oder Ausleihen. Viele Linkshänderprodukte sind laut Petra Ertingshausen nicht teurer als die regulären Modelle - Stifte und Scheren etwa würden in der Regel zum gleichen Preis angeboten. Linkshändergeschäfte gibt es heute in mehreren deutschen Städten, beispielsweise in Berlin, Hamburg und Neu-Isenburg, dazu unzählige deutsche und ausländische Online-Shops.

Linkshänder Matthias Wüstefeld reicht das nicht: „In jedem Geschäft sollte es alle Produkte auch für Linkshänder geben, die eindeutig rechtshänderoptimiert sind“, sagt er. „Brotmesser oder Pfannenwender gibt es an jeder Ecke. Warum soll ich die extra irgendwo bestellen müssen?“ Schließlich seien Linkshänder keine Minderheit, die zu vernachlässigen wäre. Nach Schätzungen der ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder in München könnte ihre Zahl bei bis zu 50 Prozent der Bevölkerung liegen, in jedem Fall aber höher als die früher angenommene Zahl von etwa zehn Prozent.

Umso weniger Verständnis hat Wüstefeld dafür, dass auch die Arbeitswelt ganz auf Rechtshänder ausgerichtet ist. „Viele Arbeitsplätze sind so eingerichtet, dass ein Arbeiten mit links gar nicht möglich ist“, sagt er. Das könnten Computermaus und Tastatur-Ziffernblock auf der rechten Seite sein, aber auch Maschinen, die mit rechts bedient werden müssen. Handwerkszeug und Arbeitsgeräte für Linkshänder seien viel teurer oder es gebe sie gar nicht, kritisiert Wüstefeld. Auch Petra Ertingshausen vom Erfurter Linkshänder-Laden sagt, dass etwa nach Rasenkantenscheren oft vergeblich gefragt werde, ebenso nach Handkreissägen. „Da wären Linkshändermodelle wichtig. Das ist ja noch dazu gefährlich.“

Viele Probleme können nach Ansicht von Matthias Wüstefeld schon aus der Welt geschafft werden, wenn Produktdesigner daran dächten, Geräte seitenneutral zu entwerfen. „Als ich vor kurzem im Urlaub war, hatte der Wasserkocher in der Ferienwohnung auf beiden Seiten eine Skala“, erzählt er. „Das war schön.

 

Von

dapd

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

13.08.2011, 13:02 Uhr

Geboren als Linkshänder und -füssler haben meine Eltern mich sehr früh zur Rechtshändigkeit umfunktioniert. Engeschult als Linksschreiber und Zeichner, ging dies schon im zweiten Schuljahr auf Direktive der Eltern an den Lehrer ganz ordentlich mit rechts. Über ein Jahr mußte ich mit 8/9 Jahren quälend bis heulend meist den rechten Fuß benutzen. Auch im Alltag achtete man auf Einsatz der rechten Hand: Suppe löffeln, Haare kämmen, Schrauben drehen, alles war mit rechts zunächst eine furchtbare Qual. Heute bin ich beidseitig in zahlreichen Dingen gleich gut. Manches geht besser mit rechts, manches mit links. Rückblickend danke ich meinen Eltern, Erziehern und Ausbildern für ihre harte Hand.

Katja

15.08.2011, 09:07 Uhr

Die Zahl der Linkshänder liegt definitiv weit unter 50%. Wo wurden denn diese Schätzungen durchgeführt? Doch hoffentlich nicht in einem der Linkshändergeschäfte!!!

Abgesehen davon kann ich meinen Bleistift sowohl mit links als auch mit rechts bedienen, ebenso wie meinen Herd oder die Schranktür! Die Beispiele sind teilweise ja echt hirnrissig!

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