Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.02.2015

10:56 Uhr

Weltmeisterin im Reizen

Skat-Oma aus Bayern reist nach Las Vegas

Kopfrechnen und Glück entscheiden beim Skatspiel. Beides hat Roswitha Körper perfekt ausgenutzt: Die 74-Jährige aus Bayern ist Doppelweltmeisterin im Skatspielen. Für ihre Leidenschaft reist sie durch die ganze Welt.

Mit 74-Jahren hat sich die Bayerin Roswitha Körper an die Spitze gespielt. dpa

Doppelweltmeisterin im Skatspielen

Mit 74-Jahren hat sich die Bayerin Roswitha Körper an die Spitze gespielt.

MarktheidenfeldRoswitha Körper reizt gern. Und zwar schon seit mehr als einem halben Jahrhundert. Nun hat sie ihrer Leidenschaft die Krone aufgesetzt. Die 74-Jährige holte sich in Paraguay den Weltmeistertitel im Skatspielen. Und das gleich zweimal: Sie ist Senioren-Skatweltmeisterin im Einzel- und im Teamwettbewerb. „Es ist schon ein großes Glück, überhaupt in die Nationalmannschaft einberufen zu werden“, sagt die Bayerin. „Und dann noch der Titel: Das ist der krönende Höhepunkt. Das erreicht man nie wieder.“

Die mehrfache Großmutter spielt schon mehr als ein halbes Jahrhundert Skat und hat zahlreiche Titel eingeheimst. Doppel-Weltmeisterin, Bayerische Meisterin, Mainfränkische Meisterin. „Nur die Deutsche fehlt mir noch in meiner Sammlung.“ Im nächsten Jahr will die Unterfränkin jedenfalls ihren Weltmeistertitel in Las Vegas verteidigen.

Eine Vitrine in ihrem Arbeitszimmer in Marktheidenfeld zeugt davon, dass sie ihrem Hobby seit Jahrzehnten sehr erfolgreich nachgeht. „Hier stehen nur meine wichtigsten Pokale“, sagt sie und verweist auf die Regale und Schränke in einem Zimmer.

Skat: Das liebste Kartenspiel der Deutschen

Ursprung

Das Skatspiel wurde 1813 erstmals erwähnt.

Idee

Damals kombinierten Kartenspieler im ostthüringischen Altenburg Elemente von Tarock, L'Hombre, Schafkopf und Solo zu einem neuen Spiel.

Name

Der Name leitet sich aus dem Lateinischen für „weglegen“ ab und bezieht sich auf die beiden verdeckt abgelegten Karten - der Skat, manche sagen auch Stock dazu.

Spieler

Zum Skat braucht man drei aktive Spieler und 32 Karten.

Regeln

Wer Alleinspieler ist und damit bestimmt, welche Karten Trumpf sind, wird über das sogenannte Reizen ermittelt.

Sieger

Der Alleinspieler muss am Ende mindestens 61 von 120 möglichen Punkten erzielen, um zu gewinnen.

Skatordnung

Seit 1928 gilt eine einheitliche Skatordnung. In privaten Runden gibt es aber eine ganze Reihe von Abwandlungen dieser Regel wie den Ramsch, Kontra und Re.

Der Glanz von Gold- und Silberpokalen beherrscht den Raum: Überall stehen große und kleine Trophäen, hängen Medaillen an dicken Kordeln. Weltmeisterin, Bayerische Meisterin, Mainfränkische Meisterin - mit diesen Titeln kann sich die mehrfache Großmutter schmücken. „Nur die Deutsche fehlt mir noch in meiner Sammlung“, sagt sie mit einem breiten Lachen.

Der durchschnittliche Skatspieler ist 50 Jahre alt

Üben müsse sie für ihre Erfolge nicht. „Es geht einem in Fleisch und Blut über. Das muss man nicht trainieren.“ Das Spiel hänge ohnehin von den Menschen ab, mit denen sie spiele. „Das Skatspielen ist so variantenreich. Da kommt es drauf an, was die Spieler draus machen“, sagt die Rentnerin. Zweimal in der Woche trifft sie sich mit Gleichgesinnten, manchmal spielt sie auch online.

Zum Skat kam Körper durch ihre Eltern. „Am Abend spielte man bei uns Skat“, sagt sie. Beruflich viel im Außendienst unterwegs, vertrieb sie sich damit später die Zeit mit Kollegen und Kunden am Abend in Hotels. „Skat ist ein super Gedächtnistraining, gerade auch für ältere Leute“, findet sie.

Der durchschnittliche Skatspieler ist deutsch und mindestens 50 Jahre alt, sagt Rainer Grunert, Präsident der Internationalen Skatspieler-Vereinigung. In Deutschland sind in diesem und dem Deutschen Skatverband rund 30 000 Spieler registriert. Dem stehen rund 5000 Skatspieler aus dem restlichen Europa und aus Übersee gegenüber. Verbandsschätzungen zufolge spielen in Deutschland zudem mindestens 20 Millionen Menschen privat Skat. „Es ist eben ein deutsches Spiel.“ Das zeige sich auch bei den Weltmeisterschaften. „Es gewinnen meistens die Deutschen.“

Von Marktheidenfeld nach Las Vegas

Das größte Problem der Skatverbände sei der fehlende Nachwuchs. „Die Jugend, die Karten spielt, beschäftigt sich eher mit Poker.“ Vom Aussterben sei das Kartenspiel aus Thüringen dennoch nicht bedroht. Zum einen machten immer mehr Vereine für sich Werbung. Zum anderen soll das Kartenspiel immaterielles Kulturerbe der Unesco werden.

Roswitha Körper reist weiter zu privaten Skatspielen und Meisterschaften, um sich mit Spielern aus aller Welt zu messen. Las Vegas, Bad Füssing, Südamerika – kaum ein Weg ist ihr zu weit. Geld ist dabei nicht ihr Anreiz: „Selbst wenn man gewinnt, deckt das Preisgeld oft gerade einmal die Fahrtkosten. Es geht vielmehr um die Ehre oder um die Ranglisten.“ Es sei ein teures Hobby. „Aber ich verbinde einfach meine beiden Leidenschaften miteinander: Skat spielen und reisen.“ Im nächsten Jahr will die Marktheidenfelderin jedenfalls ihre Weltmeistertitel in Las Vegas verteidigen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×