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31.05.2011

19:28 Uhr

Weltnichtrauchertag

Deutsche wollen den Glimmstängel verbannen

Mehr als 250 Schadstoffe gibt es im Zigarettenqualm. Ein Grund von vielen, warum die meisten Deutschen einheitliche Rauchverbote fordern. Doch schon beim Einhalten der bestehenden Regeln hapert es in Deutschland massiv.

Ein Drittel der Befragten hält die Rauchverbote in Deutschland für unzureichend. Quelle: dpa

Ein Drittel der Befragten hält die Rauchverbote in Deutschland für unzureichend.

Wiesbaden/BerlinWer als Nichtraucher in einer deutschen Gaststätte essen möchte, kann so manche Überraschung erleben: Trotz aller Maßnahmen zum Schutz vor Tabakqualm sind die Räume oft verraucht. Denn die Gesetze in den Bundesländern sind unterschiedlich, sie werden oft missachtet und es gibt zu viele Ausnahmeregelungen, wie Gesundheitsexperten kritisieren.

Eine repräsentative Umfrage des Instituts YouGov ergab jetzt: 65 Prozent der Deutschen wollen lieber bundesweit einheitliche Regeln für Rauchverbote als die derzeit unterschiedlichen Gesetze in den Bundesländern. Und mehr als jeder Vierte beklagt, dass die derzeitigen Verbote oft nicht eingehalten werden. Nur 29 Prozent sind gegen eine einheitliche Regelung, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. An ihr nahmen 1013 Personen ab 16 Jahren teil.

Der Weltnichtrauchertag am 31. Mai will auch auf die Verantwortung der Staaten für die Gesundheit ihrer Bürger aufmerksam machen. In Berlin kündigte die SPD-Gesundheitspolitikerin Carola Reimann eine neue Initiative für einheitliche Rauchverbote in Deutschlands Gaststätten an. „Wir werden nochmal einen Anlauf machen“, sagte die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag.

Es gebe eine Kompetenz des Bundes. Beim Nichtraucherschutz sei es zu einem Flickenteppich in Deutschland gekommen. Wann es zu dem Neuanlauf kommt, sagte Reimann nicht.

Bereits im Februar hatte sich das Arbeitsministerium unter Ursula von der Leyen (CDU) offen für den entsprechenden Vorstoß einer fraktionsübergreifenden Gruppe von Bundestagsabgeordnete gezeigt. Als Möglichkeit des Bundes, gegen das Passivrauchen vorzugehen, gelten die Regelungen zum Arbeitsschutz. Die Parlamentarier mehrerer Fraktionen haben sich seit vergangenem Sommer regelmäßig zu dem Thema getroffen. Vor allem Oppositionsabgeordnete hatten die scharfen Regelungen aus Bayern als Vorbild bezeichnet.

Raucher in Daten

Jeder dritte Raucher …

… würde am liebsten sofort mit dem Qualmen aufhören.

Nur noch 13 Prozent …

… der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland greift noch zur Zigarette. Damit hat sich die Raucherquote dieser Altersgruppe seit 2001 mehr als halbiert.

Jeder dritte Mann …

… und jede vierte Frau ab 18 Jahren raucht aktuell in Deutschland.

42 Prozent …

… der jungen Männer zwischen 20 und 29 Jahren raucht. Bei Frauen dieses Alters liegt die Raucherquote zwar niedriger, mit 32,5 Prozent aber dennoch auf hohem Niveau.

Mehr als 300 Menschen …

… sterben durchschnittlich jeden Tag an den Folgen ihres Tabakkonsums. Jährlich sind es in Deutschland bis zu 140.000.

Zehn Jahre …

… ihrer Lebenserwartung büßen Raucher im Schnitt ein. Tödlich können Lungenkrebs, Herz-Kreislauf- und andere tabakbedingte Atemwegserkrankungen enden.

Mindestens 250 giftige …

… und krebserzeugende Schadstoffe enthält laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) jede Zigarette.

229 Millionen …

… fertige Zigaretten betrug der tägliche Konsum im Jahr 2010. 2001 waren es noch 391 Millionen, wie das Statistische Bundesamt berichtete.

Der Feinschnitt-Verbrauch …

… für selbst gedrehte Zigaretten nahm allerdings von 50 Millionen auf 93 Millionen zu.

Sieben Millionen …

… Zigarren und Zigarillos wurden 2001 geraucht, elf Millionen waren es 2010.

25,7 Prozent …

…. der Deutschen rauchten noch 2009, verteilt über alle Altersgruppen und beide Geschlechter. Nimmt man diesen Wert auch für 2010 an, dann rauchte im Jahr 2010 jeder Raucher im Schnitt 16 Zigaretten am Tag.

69,1 Prozent mehr …

… als 2001 zahlten Raucher 2010 für Zigaretten. Für Zigarren und Zigarillos waren es 37,7 Prozent, für Tabak-Feinschnitt 77,5 Prozent.

1988 …

… erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO den 31. Mai zum No Tobacco Day. Im Fokus des Aktionstages 2011 steht die WHO-Konvention zur Eindämmung des Tabakkonsums. Darin haben sich Regierungen zum Schutz vor Gefahren durch aktives und passives Rauchen verpflichtet.

Nicht überall strebt man allerdings weitere Maßnahmen an. „Bundesgesetzlich ist geregelt, was zu regeln war“, sagte vor einigen Wochen der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn. Und aus der FDP hieß es, dass Deutschland keine „staatliche Bevormundung bis an den kleinsten Tresen“ brauche.

Ein Drittel der Befragten (34 Prozent) hält die Rauchverbote in Deutschland für unzureichend. Insgesamt 28 Prozent beklagten, dass die Verbote eher nicht oder meistens nicht eingehalten werden. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: Während zum Beispiel 56 Prozent der Bayern angaben, dass die Rauchverbote im Großen und Ganzen eingehalten werden, waren es in der Party-Metropole Berlin gerade einmal 26 Prozent.

In Bayern und im Saarland gelten generelle Rauchverbote in Gaststätten, in anderen Bundesländern gibt es dagegen zahlreiche Ausnahmeregelungen. Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (Heidelberg) ist der Schutz von Nichtrauchern in Deutschland nur schwer umzusetzen und zu kontrollieren. Gründe seien die unterschiedlichen Landesgesetze und die Vielzahl der Ausnahmeregelungen in Restaurants, Kneipen, Bars und Spielhallen, kritisierten die Experten.

Kommentare (3)

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Wicca

01.06.2011, 09:12 Uhr

Eines wird immer bei jeder Statistik vergessen:

Der Staat ist auf die Tabaksteuer angewiesen und wird einen "Teufel" tun, um das rauchen gänzlich zu verbieten.

Ebenso ist die Statisik falsch, weil 52% für das rauchen sind und 48% gegen das rauchen. Sprich eine fast perfekte Pattsituation.

FED

02.06.2011, 16:12 Uhr

Wirklich perfekt, wie die Raucher die Industrie unterstützen: damit die Reichen noch reicher werden - auf Kosten des Todes unzähliger Menschen.

Account gelöscht!

31.05.2013, 13:46 Uhr

Mit dem Theater ist es wie mit dem Leben.
Nicht die Länge des Stückes ist entscheidend sondern die Qualität.
Ich glaube, es kommt von Marc Aurel

Zudem sei gesagt, sterben müssen wir alle.
Der Egomane bettelt um ein zwei Jahre mehr, denn wie kann sich die Welt ohne ihn weiterdrehen!?
Sie kann und sie wird – selbst wenn man im hohen Alter vor Senilität davon schon nichts mehr davon mitkriegt.

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