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18.01.2007

09:41 Uhr

Weltweit höchste Aidsrate in Swasiland

Mswati III. oder der König, der sein Volk verliert

VonCordelia Chaton

Mswati III. ist König von Swasiland und somit Oberhaupt der letzten absolutistischen Monarchie Afrikas. Während das Volk in Armut lebt und Aids sich rasant ausbreitet, bereist der König die Welt und pflegt seinen teuren Fuhrpark. Den Kampf gegen die Immunschwäche übernehmen derweil andere.

MBABANE. Mswati III. ist 38 Jahre alt und hat eine große Auswahl. 13 Frauen hat er schon geheiratet. Und wenn seine derzeitige Verlobte demnächst erstmals von ihm schwanger ist, wird er auch sie heiraten und mit ihr die Flitterwochen in Dubai oder China verbringen. Der 25. Herrscher des Dlamini-Clans ist das Oberhaupt der letzten absolutistischen Monarchie Afrikas, in der seit 1973 alle Parteien verboten sind.

Seiner Majestät geht es augenscheinlich gut, er fährt BMW, Mercedes und Maybach, Karossen, die im winzigen Königreich ansonsten eher selten zu bestaunen sind.

Swasiland liegt eingeklemmt zwischen Südafrika und Mosambik im südlichen Afrika. Es ist so groß wie Thüringen und verfügt über 1,2 Millionen Bewohner. Noch.

Denn es sieht ganz so aus, als ob Mswati III. sein Volk verliert. Swasiland hält den traurigen Rekord der höchsten Aidsrate weltweit. Offiziell ist ein Drittel der Swasis HIV-positiv. Insider gehen von einer mehr als doppelt so hohen Infektionsrate aus. Swasiland ist ein Extrem in Afrika, ein Extrem weltweit. Es zeigt, was passiert, wenn man nichts tut.

„Dieses Volk zerstört sich selbst“, glaubt Norman Radican. Der Australier, der zuvor im Gesundheitswesen seiner Heimat arbeitete, ist seit drei Jahren vor Ort. „Die Swasis haben traditionell immer in Vielehe und dörflichen Strukturen gelebt“, erzählt der 59-Jährige.

Auch die Armut unterstützt Aids. Während Mswati III. sich noch immer alle Mühe gibt, sein Erbe über 465 Millionen Dollar zu verprassen, leben 70 Prozent seines Volkes mit weniger als einem Euro am Tag. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 46 Prozent, bei den Jugendlichen fast doppelt so hoch. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, überhaupt eine gute Schulbildung zu bekommen. Aids rafft die Bevölkerung dahin, vielerorts fehlen Lehrer und Krankenschwestern. „Die 20- bis 40-Jährigen in diesem Land löscht Aids aus“, ist Experte Radican überzeugt. Derzeit liegt das Durchschnittsalter bei 38 Jahren. 2010 sollen es 27 Jahre sein.

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