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16.11.2016

10:09 Uhr

Werbung im Internet

Verlage wollen gegen Adblocker vorgehen

Immer mehr Menschen installieren Adblocker, um sich gegen nervige Werbung im Internet zu schützen. Verlage aber sind auf die Webeerlöse angewiesen – und wollen die Nutzer deshalb zum Ausschalten der Werbeblocker bewegen.

Immer mehr Medienhäuser gehen gegen Adblocker vor. Da sich die Verlage vor allem über Werbeerlöse finanzieren, sollen Nutzer dazu gebracht werden, die Adblocker auszuschalten – erst dann können sie auf die Inhalte zugreifen. Trotzdem ist man sich bewusst, dass Werbung zukünftig kundenfreundlicher werden muss. dpa

Kampf gegen Adblocker

Immer mehr Medienhäuser gehen gegen Adblocker vor. Da sich die Verlage vor allem über Werbeerlöse finanzieren, sollen Nutzer dazu gebracht werden, die Adblocker auszuschalten – erst dann können sie auf die Inhalte zugreifen. Trotzdem ist man sich bewusst, dass Werbung zukünftig kundenfreundlicher werden muss.

BerlinAufpoppende Videos und aggressive Banner - Werbung im Internet kann mitunter nervtötend sein. Viele Nutzer haben einen sogenannten Adblocker installiert, der unerwünschte Reklame ausfiltert.

Für die andere Seite, die auf die Werbeerlöse angewiesen ist, sind sie jedoch ein Problem. „Der Branche geht im Jahr ein dreistelliger Millionenbetrag durch Adblocking verloren“, sagt Oliver von Wersch vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW).

Adblocker gegen Medien – Werbung mit Grenzen

Der Gründer

Till Faida startete 2011 das Unternehmen Eyeo in Köln. Nach eigenen Angaben nutzen 60 Millionen Internetuser weltweit die Adblocker-Software des Unternehmens.

Die Gegenspieler

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger nennt ihn einen „erpresserischen Geschäftemacher". Denn Eyeo lässt sich dafür bezahlen, dass bestimmte Firmen von der Werbeblockade durchgelassen werden. Faida selbst sieht das anders: „Viele haben es mit zu viel und zu aufdringlicher Werbung übertrieben, das einzugestehen fällt nicht allen leicht.“ Die deutschen Verleger müssten das Potenzial nutzerfreundlicher Werbung als Chance erkennen.

Einige Medienhäuser reagieren bereits: Nach Bild.de und Gruner + Jahr sagt jetzt auch die „Süddeutsche Zeitung“ Adblockern den Kampf an. Um Artikel zu lesen, müssen Nutzer entweder ihren Blocker ausschalten, sich per Name und E-Mail registrieren oder ein Abo abschließen.

„Adblocker blockieren eine der wichtigsten Finanzierungsquellen unseres digitalen Angebotes“, heißt es jetzt bei SZ.de. „Wir bitten Sie daher, das Programm zumindest für unsere Seite zu deaktivieren.“

Medienmacher: Der Adblocker und die Pressefreiheit

Medienmacher

Der Adblocker und die Pressefreiheit

Axel Springer geht gegen die Blockade redaktioneller Inhalte vor, das Medienhaus Funke verpasst seinen Regionalzeitungen einheitliche Unterzeilen. Und warum Blendle trotz guter Zahlen ein PR-Problem hat.

„Es geht vor allem um Haltung“, sagt SZ.de-Geschäftsführer Johannes Vogel. „Und um die Frage, wie journalistische Angebote künftig finanzierbar sind.“ Wie fällt die erste Bilanz aus?

„Für konkrete Zahlen ist es schlichtweg noch zu früh. Aber wir stellen fest, dass die Netto-Reichweite, also die Ad-Impressions, die wir ausspielen können, deutlich und relevant gestiegen ist. Allerdings können wir nicht sagen, wieviele Nutzer unserer Seite komplett verlassen.“ Schließlich schwanke die Zahl der Seitenaufrufe von Tag zu Tag.

In der Branche wird das Thema zwar heiß diskutiert - aber nur wenige Verlage ziehen zur Zeit mit. „Viele haben schlichtweg Angst, Reichweite zu verlieren“, sagt Vogel. „Die Angst können wir nachvollziehen“.

Viele Marktteilnehmer seien noch immer der Meinung, das Problem würde sich schon irgendwie erledigen, meint Stefan Betzold von Bild Digital. „Aber es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken.“

Adblocker: Immer mehr Onlinewerbung trotz Werbeschranken

Adblocker

Immer mehr Onlinewerbung trotz Werbeschranken

Obwohl es Adblocker für Computer und Smartphones gibt, die dafür sorgen, dass Inhalte im Internet werbefrei gezeigt werden, hält ein Trend an: Die Onlinewerbung nimmt weiter zu. Dabei schrumpft die Werbefläche.

Bild.de machte im Herbst 2015 den ersten Schritt, und sperrte Adblocker-Nutzer aus. Ein mutiger Vorstoß, der sich laut Betzold aber gelohnt hat. „Wir hätten das schon viel früher machen sollen“, sagt er.

„Bereits nach zehn Tagen wurde die Adblock-Rate um 70 Prozent reduziert, inzwischen sind wir bei 90 Prozent“. Jedoch könne nicht gemessen werden, ob die User ihren Adblocker komplett aus- oder nur bild.de freischalten.

Immerhin: Nach Angaben des BVDW geht die Adblocker-Nutzung in diesem Jahr stetig zurück, wenn auch in kleinen Schritten. Demnach lag die Adblocker-Rate im dritten Quartal diesen Jahres bei 19,11 Prozent. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatten noch 21,16 Prozent die Online-Display-Werbung geblockt.

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