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07.10.2012

09:28 Uhr

Wetten, dass...?

Eine Quatschwurst namens Markus Lanz

Die Erwartungen waren groß und wurden enttäuscht. Das neue „Wetten, dass..?“ wirkt beliebig. Und auch Markus Lanz hat sein Debüt versemmelt, und zwar richtig. Er ist der Buchhalter des Show-Grauens.

Moderator Markus Lanz (r.) unterhält sich mit dem Frontmann der "Die Toten Hosen", Andreas Frege alias "Campino". Zweites Deutsches Fernsehen

Moderator Markus Lanz (r.) unterhält sich mit dem Frontmann der "Die Toten Hosen", Andreas Frege alias "Campino".

DüsseldorfWotan Wilke Möhring macht seine Sache gut bei „Wetten, dass...?“. Er ist spontan, witzig, und er weiß, was ein Moderator wann zu tun hat. Er weiß, wie man mit dem Publikum spielt, wie man echten Einsatz zeigt, und er strahlt eine große Souveränität aus. Leider ist er nicht der neue Moderator bei „Wetten, dass..?“, er ist nur Gast. Aber der Schauspieler gibt eine Ahnung davon, wie Europas größte Show aussehen könnte, wenn sie denn einen geeigneten Moderator hätte und nicht eine Quatschwurst namens Markus Lanz.

Der hat am Samstag das schier Unmögliche geschafft, er hat vor 13,62 Millionen Zuschauern (Marktanteil 43,7 Prozent) sein Debüt versemmelt, und das gleich richtig. Dabei war die Chance zu scheitern vergleichsweise gering, denn nicht Lanz hat „Wetten, dass..?“ übernommen, sondern „Wetten, dass..?“ den Lanz. Eine Show wie diese ist so groß, dass man mit ihr nur schwer baden gehen kann. „Wetten, dass...?“ ist eine große Marke, eine, die nicht fallen darf, weil Gefahr bestünde, dass ihr Sturz das ZDF gleich mit beschädigen könnte. Too big to fail. Man kennt das aus der Bankenkrise. Das Gelingen war also programmiert. Lanz hat es trotzdem geschafft, das Ding in die falsche Richtung zu drehen.

Das lag allerdings nicht an ihm allein. Das ZDF hat sich nach Kräften bemüht, ihm die Sache zu vermiesen. Allein die Tatsache, dass es der Sender am Samstag über Stunden nicht geschafft hat, eine ordentliche Tonqualität herzustellen, spricht Bände. Da toste der Applaus des Publikums, und zusätzlich brüllte sinnlose Untermalungsmusik aus den Lautsprechern, so dass oft kaum zu verstehen war, was die Menschen vor der Kamera sagten. Sehr lange klang es halliger als aus Günther Jauchs sonntäglichem Stuhlkreis, und zwischendrin verschluckte die Technik manche Aussagen gleich ganz.

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Dazu kamen einfältige Vorstellungsfilme über die Wettkandidaten und das neue Studiodesign. Zu all dem hat sich das ZDF eine neue Couch geleistet und lässt diese nun durch den Saal rollen. Stefan Raabs rasender Schreibtisch lässt schön grüßen. Leider ist die Bewegung der Couch bei „Wetten, dass...?“ kaum auszumachen, weil mal wieder der Allesweginszenierer Volker Weicker (Fußball, DSDS) für die Regie verpflichtet wurde. Dessen Markenzeichen sind bekanntlich hyperaktive Kameras, die es an keiner Position länger als ein paar Sekunden aushalten. Also wusste man als Fernsehzuschauer daheim nie, ob nun gerade die Kamera heran fliegt oder ob die Couch Fahrt aufnimmt. Das hat zur Folge, dass die Bilder keine Kraft sammeln und schon gar nicht ausstrahlen können. Schon nach kurzer Distanz wirken sie so beliebig wie die ganze Show.

Kommentare (81)

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KFR

07.10.2012, 10:07 Uhr

Wieviel hat denn die "Scientology" für den Auftritt von Frau Titan Lopez gezahlt ? odr hat die Dame sogar Gage aus GEZ-Abgaben bekommen ?

GEZHass

07.10.2012, 10:22 Uhr

Bei der nächsten Wahl bekommt meine Stimme diejenige Partei, welche die GEZ abschaffen will. Ich habe keinen Fernseher mehr, warum muss ich für solche Unterhaltung [...] zahlen? +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++ Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“
http://www.handelsblatt.com/netiquette

Markus

07.10.2012, 10:25 Uhr

Da übt sich Herr Hoff mal wieder in Kritik eines TV Entertainers. Man muss allerdings beachten, dass es eine Fernsehsendung für die breite Masse ist und diese dort bemerkenswert gut ankommt. Unabhängig von einigen langatmigen Passagen und vergeigten Pointen am Start hat die Sendung in dieser Form Zukunft. Hansi Hoff solle Hr. Lanz mal zum Interview einladen, es kann aber sein, dass ihn dieser ähnlich alt aussehen lässt, wie es Stefan Raab in der SZ gemacht hat.

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