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31.01.2010

10:54 Uhr

Wetter

Ein Winter wie in alten Zeiten

Nur deutlich über 30 Jahre alte Menschen können sich an einen ähnlich schneereichen Winter wie diesen überhaupt erinnern. "Eine flächendeckende Schneemenge, die so lange hält, hatten wir das letzte Mal im Winter 1978/79", sagt Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

dpa/ap OFFENBACH/BERLIN. Damals war der Winter kälter, die Höchstwerte lagen mehrere Tage lang im zweistelligen Minusbereich. Insgesamt war der Januar 1979 vier bis fünf Grad zu kalt, 31 Jahre später sind die Temperaturen "nur" drei Grad zu niedrig.

Am höchsten liegt der Schnee auf der Zugspitze mit gut zwei Metern. Insgesamt hat es in Mecklenburg-Vorpommern - wie bereits im vergangenen Jahr - am meisten geschneit. 2009 lagen dort zwei bis sechs Zentimeter Schnee, jetzt sind es bis zu 55 Zentimeter. Damit hängt Mecklenburg-Vorpommern sogar Bayern ab. "Dort hat es gar nicht so doll geschneit", sagte Paetzold. So liegen etwa im Bayerischen Wald und in Regensburg 23 Zentimeter Schnee, in Bamberg sind es sogar nur neun Zentimeter.

Zurzeit gibt es in Deutschland zwar viel Schnee, aber zu wenig Sonnenschein. Im Januar 2009 war es genau andersherum: Damals lag nur in einigen Regionen Schnee, dafür ließ sich die Sonne ungewöhnlich oft blicken. 2009 schneite es bis in den März hinein, was laut Paetzold nicht ungewöhnlich ist.

Wie lange der Winter 2010 noch dauern wird, ist ungewiss. Ein Ende ist laut DWD noch nicht abzusehen, er scheint sich zur "Never ending Story" zu entwickeln. Seit etwa sechs Wochen herrscht in Deutschland Winter pur.

In den nächsten Tagen liegen die Temperaturen weiterhin um den Gefrierpunkt. Im Süden bleibt es meist trocken, im Norden kommen die Schneeschaufeln wieder zum Einsatz. Etwa zehn bis 15 Zentimeter Neuschnee werden dort am Sonntag fallen. Die Nächte werden wieder sehr kalt, die Temperaturen sinken fast bis auf zweistellige Minusgrade.

Ob sich die Wintersportfans auch in den nächsten Jahren auf ähnlich viel Schnee in Deutschland freuen können, ist ungewiss. "In der Natur passiert nichts regelmäßig", sagte Paetzold.

Harter Winter schwächt Wirtschaft

Der ungewöhnlich strenge Winter wird sich nach Einschätzung von Ökonomen negativ auf die Wirtschaftsleistung auswirken. „Der Wirtschaft gehen durch den harten Winter etwa zwei Mrd. Euro verloren“, sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Dadurch werde das Wachstum im ersten Quartal um 0,4 Prozentpunkte schwächer ausfallen.

„Das ist eine Menge, gemessen an normalen Wintern, und geht vor allem auf die Probleme in der Bauwirtschaft zurück“, sagte Treier.

Zwar würden die Aufträge nachgeholt, sobald es wärmer werde, aber möglicherweise reichten angesichts der noch ausstehenden Projekte des Konjunkturpakets II die Kapazitäten der Bauwirtschaft nicht aus, um alles nachzuarbeiten. Dann werde es Engpässe geben. „Wenn gar Aufträge auf das kommende Jahr verschoben werden müssen oder mangels staatlichem Geld ganz wegfallen, bringen sie 2010 kein Wachstum“, erklärte der Ökonom.

Auf das Jahr hochgerechnet wird die Wachstumsrate nach Treiers Berechnungen um 0,1 Prozentpunkte geringer ausfallen. „Das ist nicht dramatisch, aber die Witterung hat das Zeug dazu, den Jahresauftakt einzutrüben.“ Zumal der Ölpreis wegen der Kälte höher sei als normal, was den Verbrauchern Kaufkraft entziehe.

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