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12.01.2007

08:18 Uhr

Wetterchaos

Schwerer Sturm über Deutschland

Bei Windgeschwindigkeiten von fast 180 Stundenkilometern mussten Feuerwehr und Polizei in zahlreichen Bundesländern wegen umgestürzter Bäume, Blitzeinschlägen und umherfliegender Bauteile ausrücken. In anderen Teilen Europas kam es Donnerstag abend und in der Nacht zu Freitag zu schweren Unfällen, bei denen mindestens sieben Menschen starben. Für die Stadt Hamburg ist die Gefahr unterdessen noch nicht vorbei.

Spaziergänger kämpfen vor Niendorf an der Ostsee gegen den Sturm an. Foto: dpa dpa

Spaziergänger kämpfen vor Niendorf an der Ostsee gegen den Sturm an. Foto: dpa

HB HAMBURG. In Thüringen wurde die A 71 zwischen Ilmenau-West und Zella-Mehlis gesperrt, nachdem der Sturm mehrere Lastwagen umgestürzt hatte. In Baden-Württemberg fiel im Bereich Offenburg für einige Stunden der Strom aus. Im Oberharz riss der Orkan viele Bäume um. Im heftigen Sturm waren zwei Polizisten nur knapp dem Tod entronnen. Auf einer Bundesstraße nahe Wernigerode (Sachsen-Anhalt) hob ein Anhänger eines Lastwagens plötzlich ab und fiel auf einen Streifenwagen. Sekunden zuvor hatten die Beamten ihr Fahrzeug verlassen, um einen anderen Unfall aufzunehmen. Der Schiffsverkehr an der Küste in Niedersachsen und Schleswig-Holstein war stark eingeschränkt.

Unterdessen wird in Hamburg eine Sturmflut erwartet. Die Polizei hat am Freitagmorgen die Speicherstadt und den nördlichen Teil des Elbufers gesperrt. Nach Angaben des Amtes für Katastrophenschutz soll der Pegelstand der Elbe bis 8.30 Uhr auf 5,10 Meter ansteigen und läge damit 3,10 Meter über dem mittleren Hochwasser. Die Polizei sei mit 40 Mann im Einsatz und bringe Fahrzeuge aus der Gefahrenzone in Sicherheit. Der Fischmarkt im Hamburger Hafen werde voraussichtlich überflutet, mit größeren Schäden werde aber nicht gerechnet, hieß es.

Fünf Fischer ertranken vor der Küste Irlands

Auch in anderen Teilen Europas richtete der Sturm erhebliche Sachschäden an und es kam zu schweren Unfällen. Vor der Küste Irlands ertranken vermutlich mindestens fünf Fischer bei stürmischer See. Die Männer kamen beim Untergang des Fischerboots „Pere Charles“ ums Leben. Nach zwei weiteren vermissten Fischern, die an Bord eines anderen Bootes waren, das vor der irischen Küste sank, wurde in der Nacht zum Freitag noch gesucht. In Großbritannien wurde ein Autofahrer von einem Baum erschlagen. Auf der Autobahn von Brüssel nach Lüttich verunglückte ein Autofahrer wegen starker Sturmböen mit seinem Fahrzeug tödlich.

Vor der britischen Küste hat ein in Seenot geratener Frachter Zusammenstöße mit zwei Gasförderplattformen dank glücklicher Umstände vermeiden können. Das 4 500-Tonnen-Schiff trieb in der Nacht zum Freitag in Richtung offene See. Er befand sich gut 120 Kilometer von der englischen Küste. Das Schiff soll später von einem Schlepper auf den Haken genommen und in einen britischen Hafen geschleppt werden.

In Österreich war der Tiroler Touristenort Sölden auch am Freitagmorgen mit dem Auto nicht erreichbar. Die Zufahrtstraße war wegen massiver Felssturzgefahr geschlossen, berichtete der österreichische Rundfunk ORF. In dem Ferienort wurden Notquartiere eingerichtet. Auch aus den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich wurden Sturmschäden gemeldet. Umgestürzte Bäume blockierten nach Polizeiangaben mehrere Straßen, Häuser wurden abgedeckt.

In Nordostpolen waren nach dem nächtlichen Sturm rund 2 500 Haushalte ohne Strom. Umstürzende Bäume hatten zahlreiche Stromleitungen unterbrochen. An der Kanalküste in Frankreich kam der Schiffsverkehr zum Erliegen, weil der englische Hafen Dover geschlossen wurde.

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