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06.01.2015

19:35 Uhr

„Wie im Paradies“

Lotterie-Geldsegen beglückt Arbeiter-Vorort

Die Hauptgewinne der spanischen „Jesuskind-Lotterie“ im Gesamtwert von 80 Millionen Euro gehen in eine Arbeitergegend. Die Gewinner weinen vor Freude, wollen aber mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.

Die Freude ist riesig in der Arbeiter-Vorstadt Leganés südlich von Madrid. dpa

Die Freude ist riesig in der Arbeiter-Vorstadt Leganés südlich von Madrid.

MadridDer Geldsegen der „El Niño“-Lotterie hat in Spanien viele sozial Benachteiligte in einen Freudentaumel versetzt. Bei der berühmten Ziehung der „Jesuskind“-Glückslose gingen die Hauptgewinne im Gesamtwert von 80 Millionen Euro am Dienstag ohne Ausnahme in die Arbeiter-Vorstadt Leganés südlich von Madrid, wie die staatliche Lotteriegesellschaft mitteilte.

In der 187 000-Einwohner-Gemeinde nur 15 Kilometer vom Zentrum der spanischen Hauptstadt entfernt lagen sich Rentner, Arbeitslose und Arbeiter am Dreikönigstag in den Armen. An vielen Stellen knallten nachmittags Sektkorken, vor laufenden TV-Kameras konnte manch ein Glückspilz die Freudentränen nicht unterdrücken.

Die 54-jährige Rosi erzählte, sie habe ihr Zehntel-Los, für das sie nun 200.000 Euro bekommt, erst am Vorabend nach langem Überlegen gekauft. „Das ist Schicksal, das ist Schicksal“, wiederholte sie vor Verwandten, Nachbarn und Journalisten ein ums andere Mal, während sie sich die Tränen vom Gesicht wischte und Sekt aus einem Plastikbecher schlürfte.

Ihr Mann sei seit Jahren arbeitslos, Essen sei bisher zwar immer noch auf den Tisch gekommen, aber nun könne man alle nicht gezahlten Raten fürs Häuschen begleichen, sagte sie.

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Die spanische Weihnachtslotterie hat 2,2 Milliarden Euro an Preisgeldern ausgeschüttet. Tausende Gewinner in ganz Spanien jubeln nach der vorzeitigen Bescherung. Aber es gibt auch kritische Stimmen.

„An große Reisen oder teure Autos denkt hier wohl kaum einer der Gewinner. Schulden bezahlen, eine einigermaßen sorgenfreie Zukunft, das ist für die meisten hier wie das Paradies“, sagte José (48), dessen Bruder ebenfalls 200.000 Euro gewann, der Deutschen Presse-Agentur.

Nachdem die Weihnachts-Lotterie „El Gordo“ (der Dicke) in Spanien bereits 2,2 Milliarden Euro ausgeschüttet hatte, bescherte die „Jesuskind“-Lotterie dem von der seit 2008 anhaltenden Krise immer noch erschütterten Land Gewinne von insgesamt 560 Millionen Euro, die praktisch ins ganze Land gingen.

Die Hauptgewinne entfielen diesmal auf die Nummer 55487. Ein ganzes Los ist in zehn Zehntel-Lose unterteilt. Wegen der großen Nachfrage wird jede Nummer zudem in mehreren „Serien“ aufgelegt, so dass immer Dutzende in den Genuss des Hauptgewinns kommen.

Sowohl die Weihnachts-Lotterie, die die größte und älteste der Welt ist und kurz vor Heiligabend zum 202. Mal stattfand, als auch die zweite Sonderziehung am Dreikönigstag, die seit 1941 existiert, locken jedes Jahr einen Großteil der 46 Millionen Spanier vor die Fernseher. Die Ziehung am 6. Januar wird in Anlehnung an das von den Heiligen Drei Königen besuchte Jesuskind „El Niño“ genannt.

Von

dpa

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