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09.01.2008

08:01 Uhr

Wiederaufbau von New Orleans

Die Flut, der Staat und der Markt

VonKatharina Slodczyk

Nach der katastrophalen Überflutung durch den Hurrikan Katrina, stockt der Wiederaufbau von New Orleans noch immer. US-Ökonomen geißeln deswegen die Regierung und stellen das gesamte System infrage. Die Bürger bleiben derweil eher gelassen – und misstrauen dennoch sogar hilfsbereiten Stars.

Die Häuser verlassen, Müll türmt sich auf den Straßen: In New Orleans wartet noch viel Aufbauarbeit. Foto: dpa dpa

Die Häuser verlassen, Müll türmt sich auf den Straßen: In New Orleans wartet noch viel Aufbauarbeit. Foto: dpa

NEW ORLEANS. Der Weg zu Dino Browns Haus gleicht einem Hindernislauf. Er führt vorbei an verrotteten Möbeln und Teppichböden und an einem Berg Holzlatten. „Die Stadt hat uns gesagt, wir sollen den Müll einfach in den Vorgarten kippen“, erzählt Brown, ein kleiner kräftiger Mann Mitte 30, „In den nächsten Tagen würde das Zeug abgeholt.“

Drei Wochen ist das nun her.

Doch Brown zuckt nur kurz mit den Schultern und grinst: „Wir haben Schlimmeres erlebt. Wir leben jetzt noch stärker nach dem Motto: Laissez les bons temps rouler.“ Genieße das Leben – so wie schon immer in New Orleans.

Für zwei Starökonomen hingegen ist die überforderte Müllabfuhr ein zusätzlicher Beweis für ihre These: Der schleppende Wiederaufbau von New Orleans nach der Zerstörung durch den Hurrikan „Katrina“ Mitte 2005 ist ein Menetekel für Amerika.

Paul Krugman und Joseph Stiglitz sitzen in einem fensterlosen Konferenzsaal des Hilton-Riverside-Hotels und reden sich in der frostig herunterklimatisierten Luft heiß.

„Die Gründe für all die Widrigkeiten, mit denen die Stadt kämpft, wurzeln in einer tief verankerten Philosophie unseres Staates“, ruft Krugman in den Saal. Er lehrt an der Universität Princeton und gehört seit Jahren zu den lautesten Kritikern von Präsident George W. Bush. „Unsere Regierung lehnt Hilfe nach Naturkatastrophen als zu große Einmischung ab und setzt auf die Kräfte des freien Marktes. Doch diese versagen.“

Sein Kollege Stiglitz, Nobelpreisträger von der Universität Columbia, setzt noch einen drauf: „Jeder Aspekt des Umgangs mit den Folgen des Desasters, das diese Stadt erlebte, war ein Desaster.“ Für Stiglitz und Krugman war New Orleans ein Opfer des Misstrauens vieler US-Bürger gegenüber dem Staat – und ist es bis heute.

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