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01.02.2013

11:17 Uhr

Winnenden

Bewährungsstrafe für Vater des Amok-Läufers

Das Landgericht Stuttgart hat den Vater des Amok-Läufers von Winnenden zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Da er die Waffe nicht ordnungsgemäß weggesperrt hatte, ist der Angeklagte der fahrlässigen Tötung schuldig.

Die Richter am Landgericht Stuttgart beim Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden und Wendlingen. dpa

Die Richter am Landgericht Stuttgart beim Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden und Wendlingen.

StuttgartDer Vater des Amokläufers von Winnenden und Wendlingen ist zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Fast vier Jahre nach der Tat sprach das Stuttgarter Landgericht den 54-Jährigen am Freitag unter anderem der fahrlässigen Tötung in 15 Fällen und der fahrlässigen Körperverletzung in 14 Fällen schuldig.

Der Vater musste sich seit Mitte November erneut vor Gericht verantworten, weil er eine Pistole unverschlossen in einem Kleiderschrank im Schlafzimmer aufbewahrt hatte. Mit dieser Waffe hatte der 17-jährige Schüler Tim K. im März 2009 bei einem Amoklauf in seiner ehemaligen Realschule in Winnenden acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrer erschossen. Auf seiner anschließenden Flucht tötete er einen Gärtner und in einem Autohaus in Wendlingen einen Verkäufer und einen Kunden. Danach nahm er sich das Leben.

Der Vater stand schon einmal vor Gericht und wurde wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Die Verteidigung legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf, weil die Verteidiger keine Möglichkeit hatten, eine zentrale Zeugin, eine Familienbetreuerin, zu befragen.

Die nun verhängte Strafe umfasst drei Monate weniger als die, die im ersten Prozess festgesetzt wurde. Weil nur die Verteidigung in Revision ging, durfte das Urteil nicht höher ausfallen als zuvor.

Die von der Staatsanwaltschaft im Revisionsprozess geforderte Strafe entsprach dem Urteil im ersten Verfahren. Die Verteidigung plädierte hingegen auf Straffreiheit für den Angeklagten. Weil der Mann selbst seinen Sohn verloren habe und auch der Familie viel Leid zugefügt worden sei, solle das Gericht von einer Strafe absehen, erklärten die Verteidiger. Zudem dürfe er nicht für die Tat seines Sohnes verantwortlich gemacht werden.

Nach dem Plädoyer der Verteidigung am vergangenen Montag hatte sich der Angeklagte erstmals seit Beginn des Revisionsprozesses an die Nebenkläger gewandt. Er sagte, er bedauere zutiefst, dass sein Sohn Zugang zu Waffen gehabt habe. An seinen Sohn gerichtet sagte er zudem: "Tim, du fehlst mir."

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Kurz vor Weihnachten reichte der Anwalt des Vaters eine Schadenersatzklage gegen eine psychiatrische Klinik in Weinsberg (Landkreis Heilbronn) ein. Es geht um 8,8 Millionen Euro. Die Klage wird damit begründet, dass die Klinik den Eltern keinen Hinweis auf den psychischen Zustand ihres Sohnes gegeben habe. Tim hatte einige Monate vor dem Amoklauf den Ärzten in Weinsberg erzählt, dass er häufig Gedanken habe, "andere Menschen zu erschießen, weil er so einen Hass auf die Welt habe". Im Abschlussbericht, der erst nach dem Amoklauf verfasst wurde, schrieben die Ärzte, von Tim gehe keine Gefahr aus. Die Ärzte verweigerten in beiden Prozessen die Aussage.

Die Staatsanwaltschaft und die Nebenkläger sind aber überzeugt, dass der Vater von den Tötungsgedanken wusste. Die Stadt Winnenden und mehrere Opferfamilien fordern von dem 54-Jährigen Schadenersatz in Millionenhöhe.

Von

afp

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