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04.09.2011

11:36 Uhr

Winnenden

Rückkehr in die Schule des Schreckens

Vor zweieinhalb Jahren schockte der Amoklauf in einer Realschule in Winnenden ganz Deutschland. Nach den Sommerferien sollen die Schüler wieder in das Gebäude einziehen - unter verschärften Sicherheitsbedingungen.

Die Taträume in der Realschule von Winnenden bleiben weiter für den Unterricht gesperrt. dapd

Die Taträume in der Realschule von Winnenden bleiben weiter für den Unterricht gesperrt.

WinnendenRund zweieinhalb Jahre nach dem Amoklauf in der Albertville-Realschule in Winnenden sollen die Schüler nach den Sommerferien unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen wieder in das Schulgebäude einziehen. Ein modernes Alarmsystem und ein automatisches Schließsystem für die Klassenräume sollten die Schüler künftig schützen, sagte der Sozialbürgermeister und stellvertretende Oberbürgermeister der Stadt, Norbert Seiler (parteilos), am Freitag bei einer Präsentation des Gebäudes. 

Am 11. März 2009 hatte der ehemalige Schüler Tim K. in der Schule in Winnenden und bei seiner anschließenden Flucht in Wendlingen 15 Menschen und dann sich selbst erschossen. In dem Schulgebäude hatte nach dem Amoklauf zunächst kein Unterricht mehr stattgefunden. Die rund 600 Schüler waren zunächst in Containern untergebracht worden. Am 12. September sollen sie wieder in das Gebäude einziehen, sagte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth (CDU). 

Bei dem Umbau des Gebäudes sei ein besonderes Sicherheitssystem eingebaut worden, erklärte Seiler. Mit einem Chip können Lehrer künftig einen Alarm auslösen. Damit werde eine Durchsage aktiviert, die Schüler und Lehrer auffordere, sich in Sicherheit zu bringen. Außerdem werde automatisch die Polizei informiert, was sonst nur bei Gebäuden wie Banken der Fall sei. Bei anderen Schulen müsse der Schulleiter die Polizei informieren.

Ein Schalter an den Türen der Klassenzimmer verschließe die Türen, erklärte Seiler weiter. Die Türen könnten dann nur von innen oder von einem Lehrer mit seinem Chip geöffnet werden. An mehreren Zimmern wurden zudem die Türen versetzt, so dass niemand mehr den Raum betreten kann, ohne gesehen zu werden, sagte der zuständige Architekt. Tim K. hatte bei seinem Amoklauf die Schüler, die mit dem Rücken zur Tür saßen, überrascht. 

Eine Personenkontrolle am Eingang werde es nicht geben, sagte Seiler. „Die Schule wird auch weiterhin offen sein“, erläuterte er. Die Räume, in denen Tim K. um sich schoss, würden jedoch nicht mehr als Klassenräume genutzt, sagte Schulleiter Sven Kubick. In einem der Räume werde ein Gedenkort eingerichtet, der unter anderem von Eltern der Opfer gestaltet werden soll. Ein zweiter Raum werde für Arbeitsgemeinschaften der Schüler und der dritte als Schulbibliothek genutzt. Damit müsse keiner der Schüler die Taträume betreten, wenn er es nicht wolle. 

Miterlebt hätten den Amoklauf nur die Klassen acht bis zehn. Für Schüler, die sehr stark betroffen seien und waren, habe es auch in den Ferien die Möglichkeit gegeben, die Schulpsychologen zu kontaktieren, fügte Kubick hinzu. 

Insgesamt werde der Wiedereinzug in das Gebäude positiv gesehen. „Die Schülerinnen und Schüler wie auch die Kolleginnen und Kollegen freuen sich darauf, dass sie wieder ein Schulgebäude haben“, sagte der Schulleiter. Offiziell übergeben wird das Gebäude am 15. Oktober im Rahmen der 50-Jahr-Feier der Albertville-Realschule.

Von

dapd

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