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11.01.2012

11:55 Uhr

Winternotstand

In Alaska gehen die Schneeschaufeln aus

Ein Dorf in Alaska versinkt im Schnee. Das Chaos gerät zur Militäraktion, Stadt, Staat und Bundesbehörden richteten eine Kommandozentrale ein, die sich mit dem Schneenotstand befasst.

Cordova in Alaska: Die Nationalgarde hilft beim Schippen. dapd

Cordova in Alaska: Die Nationalgarde hilft beim Schippen.

AnchorageAusgerechnet in einer Ortschaft in Alaska sind dringend benötigte Schneeschaufeln zur Mangelware geworden. In Cordova lagen bereits fast 4,50 Meter Schnee, als ein weiterer Sturm über den Ort zog. Die Stadt habe in Anchorage, Fairbanks und anderen Städten nach Schaufeln gefragt und nun eine Sonderbestellung bei einem Hersteller in Auftrag gegeben, sagte ein Sprecher.

„Ist das nicht ironisch? Der Staat Alaska? Man sollte annehmen, sie seien vorbereitet. Aber das sind logistische Dinge, die einfach nicht eingeplant sind“, sagt Allen Marquette telefonisch aus der Stadt am Prinz-William-Sund. Zu den 447 Zentimetern Schnee, die dort seit dem 1. November gefallen sind, kamen noch 112 Zentimeter Regen, die den Schnee deutlich schwerer werden ließen.

Der Umgang mit den weißen Massen ist fast zur Militäraktion geraten. Stadt, Staat und Bundesbehörden richteten eine Kommandozentrale ein, die sich mit dem Schneenotstand befasst. Eine ihrer Aufgaben: Sie entscheidet, wessen Dach oder Hauszugang als erstes freigeschaufelt wird. „Wir schicken Teams raus, die sich das ansehen“, sagt Marquette. „Jeder denkt, dass es bei ihm ernst ist, aber man muss hingehen und es einschätzen, um Prioritäten zu setzen.“

Vier Gewerbegebäude und zwei Wohnhäuser wurden von der Last des Schnees beschädigt. Ein Mietshaus musste geräumt werden, weil das Gewicht des Dachs Türen und Fenster zu blockieren drohte. Das Rote Kreuz richtete im Freizeitzentrum der Stadt Notunterkünfte ein.

Die Nationalgarde von Alaska schickte Dutzende Soldaten, die meisten zum Schneeschippen. Die Küstenwacht stellte 20 Mitarbeiter ab, um Docks zu räumen und schweres Gerät zu warten. Viele Freiwillige hätten sich gemeldet, Nachbarn hülfen sich gegenseitig, sagt Marquette. Doch dafür fehlten eben Schneeschaufeln. „Teilweise liegt das daran, dass der Schnee nicht mehr leicht und fluffig ist. Er ist schwer und nass.“ Viele dieser Schaufeln seien aus Plastik und gingen kaputt. Soweit möglich, würden sie umgehend repariert.

Die bestellten Schaufeln sollen am Donnerstag produziert und zwei Tage später geliefert werden - bis dahin müssen sich die 2.200 Einwohner anderweitig helfen. Probleme haben indes auch andere Orte in Alaska: In Teilen Homers ließ ein Schneesturm den Strom ausfallen, in Häfen im Raum Kodiak führte das Gewicht des Schnees zum Untergang von drei Booten.

Von

dapd

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