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25.02.2012

10:09 Uhr

Wirtschafts-Vortrag

Studenten wollen Strauss-Kahn nicht als Redner

Ein geplanter Auftritt des früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn an der britischen Elite-Uni Cambridge sorgt für Furore. In einer Petition fordern Studenten, DSK angesichts der Vorwürfe gegen ihn wieder auszuladen.

Strauss-Kahn sollte über in der Elite-Uni Cambridge über Weltwirtschaftsfragen sprechen. dapd

Strauss-Kahn sollte über in der Elite-Uni Cambridge über Weltwirtschaftsfragen sprechen.

LondonEin geplanter Auftritt des früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn an der britischen Eliteuniversität Cambridge stößt auf den Widerstand von Studenten. Angesichts der gegen den Franzosen erhobenen Vorwürfe müsse die Einladung zurückgezogen werden, heißt es in einer Petition, die bis zum Samstag von mehr als 360 Studenten unterzeichnet wurde. Dem 62-Jährigen Rederecht zu erteilen, würde die gegen ihn erhobenen Vorwürfe verharmlosen, sagte Studentenvertreterin Ruth Graham der Nachrichtenagentur AFP.

Strauss-Kahn soll am 9. März im angesehenen Debattierklub Cambridge Union Society über Weltwirtschaftsfragen sprechen. Eine Sprecherin der Society sagte auf Anfrage, der Franzose sei seit 2010 immer wieder eingeladen worden. „Der Grund für die Einladung ist, dass er eine faszinierende Persönlichkeit ist und außerordentliches Wissen auf diesem Gebiet hat.“ Strauss-Kahn hatte im vergangenen Jahr wochenlang für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er am New Yorker Flughafen wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung eines Zimmermädchens festgenommen worden war. In dem zivilrechtlichen Verfahren gegen ihn soll am 15. März die erste Anhörung stattfinden. Ein Strafverfahren hatte die US-Justiz eingestellt, da Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens aufgekommen waren. Im Zuge der Affäre trat Strauss-Kahn als Chef des IWF zurück.

Die Chronologie des Strauss-Kahn-Skandals

Samstag 14. Mai

Strauss-Kahn wird in New York festgenommen. Nach der später veröffentlichten Anklageschrift soll der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) in seiner Hotelsuite versucht haben, ein 32-jähriges Zimmermädchen zu vergewaltigen. Es war zum Aufräumen gekommen.

Sonntag 15. Mai

Die Frau identifiziert Strauss-Kahn, wie Medien berichten.

Montag 16. Mai

Eine New Yorker Richterin entscheidet, dass Strauss-Kahn vorerst in Haft bleibt. Sie begründet dies mit Fluchtgefahr. Eine Kaution von einer Million Dollar lehnt sie ab. Die New Yorker Staatsanwaltschaft legt Strauss-Kahn sechs Straftaten zur Last: „Sexuelle Belästigung ersten Grades“, dafür drohen 25 Jahre Haft. Hinzu kommt „versuchte Vergewaltigung ersten Grades“, dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. Ferner geht es zweimal um „sexuellen Missbrauch“, „Freiheitsberaubung“ und „unsittliches Berühren“. Erste Berichte über ein Alibi des 62-Jährigen tauchen auf. Nach unbestätigten Meldungen französischer Medien war der IWF-Chef zur mutmaßlichen Tatzeit gar nicht im Hotel, sondern traf seine Tochter. Er habe seine Hotel-Rechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sei dann Essen gegangen. Eine regierungsnahe französische Website veröffentlicht angebliche Polizeiprotokolle und diplomatische Berichte. Danach hat die Polizei DNA-Spuren, vermutlich Sperma, sichergestellt. Auf Strauss-Kahns Oberkörper seien Kratzspuren zu sehen gewesen. Die New Yorker Justiz prüft, ob der IWF-Chef schon einmal eine Frau angegriffen hat. Ein früherer Fall außerhalb der USA gleiche in groben Zügen dem aktuellen Vorwurf.

Dienstag 17. Mai

Strauss-Kahn soll nach Angaben eines New Yorker Boulevardblattes die Möglichkeit von „einvernehmlichem Sex“ eingeräumt haben. Er genießt nach Angaben des IWF keine diplomatische Immunität. Das Zimmermädchen will gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds aussagen, sagt ihr Anwalt dem Sender CNN. Sie arbeite bereits mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. In seiner Gefängniszelle bleibt der IWF-Chef wegen angeblicher Selbstmordgefahr rund um die Uhr unter Beobachtung.

Mittwoch 18. Mai

Die Lage für Strauss-Kahn wird immer prekärer. US-Finanzminister Geithner fordert offen eine Übergangslösung für die Führung des Währungsfonds. Das mutmaßliche Opfer sagt überraschend vor der Grand Jury aus. Der Fernsehsender CNN berichtet, dass die 32-Jährige abgeschirmt in New York vernommen wird. Die Grand Jury hat letztlich zu entscheiden, ob es zu einem Prozess gegen den Franzosen kommt. Die „New York Post“ meldet, Strauss-Kahns mutmaßliches Opfer habe möglicherweise Aids.

Donnerstag 19. Mai

Strauss-Kahn zieht die Konsequenzen aus der Sex-Affäre und tritt als IWF-Chef zurück. Außerdem kommt er gegen eine Kaution von rund einer Millionen Dollar in bar frei. Er bleibt unter Hausarrest und muss eine elektronische Fußfessel tragen.

Montag, 23. Mai

Strauss-Kahn streitet in einer E-Mail an seine ehemaligen IWF-Kollegen alle Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung vehement ab. "Ich bin zuversichtlich, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird und ich entlastet werde", schreibt er in dem veröffentlichten Brief. Gleichzeitig kommen neue Indizien ans Licht. Auf der Kleidung des Zimmermädchens und dem Teppich des Hotelzimmers befanden sich Spermaspuren.

Dienstag, 24. Mai

Die Spermaspuren auf dem Kleid des Zimmermädchen stimmen mit der DNA von Strauss-Kahn überein, berichten mehrere Medien. Die Anwälte des Ex-IWF Chefs äußern sich zunächst nicht dazu.

Donnerstag, 26. Mai

Strauss-Kahn hat eine neue Bleibe in New-York: Das Apartment soll im Stadtteil Tribeca liegen. Dort steht er bis zum Beginn des Prozess unter Hausarrest.

Freitag, 1. Juli

Wende im Fall Dominique Strauss-Kahn: Offensichtlich ist die Glaubwürdigkeit der Frau, die dem ehemaligen IWF-Chef versuchte Vergewaltigung vorwirft, erschüttert. Nach Haft und verschärftem Hausarrest ist Strauss-Kahn wieder auf freiem Fuß. Doch er darf die USA vorerst nicht verlassen.

Die französische Justiz hatte ihrerseits in dieser Woche entschieden, dass sie in einer Affäre um Sex-Partys in Luxushotels in Paris und Washington ein Ermittlungsverfahren gegen Strauss-Kahn einleiten will. Dabei soll es nach Angaben aus Justizkreisen um seine mögliche Beteiligung an Zuhälterei und Beihilfe bei der Veruntreuung von Firmengeldern gehen.

Von

afp

Kommentare (3)

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Das_Opfer_kein_Taeter

25.02.2012, 14:20 Uhr

Die Studenten versteh wer will. Wenn ihr mal ganz oben mitmischen wollt, dann müsst ihr eure Menschlichkeit deutlich zurückschrauben. Ihr müsst Abschaum werden, um in die Machtzentralen zu gelangen. Da kann ein Vortrag von der Sexgröße Strauß Kahn gutes Insiderwissen bringen. Lasst euch zu Chance nicht entgehen, wenn ihr Abschaum werden wollt.

Doris

25.02.2012, 14:56 Uhr

Es ist einfach wunderschön, dass junge Menschen Werte einfordern. Das bräuchten wir in D auch. Ein Herr Gauck, der 10 Gebote von der Kanzel predigte, ungeniert aber Vorbild mit seinen zwei Frauen sein will, darf man in D kaum debattieren. Wo bleibt seine Glaubwürdigkeit oder ist Freiheit denn wirklich alles?

Account gelöscht!

26.02.2012, 07:16 Uhr

Über was will denn der Herr sprechen? Vielleicht, wie er mal wieder als "armer Jude" verfolgt wird ... und am Ende sind mal wieder die Deutschen daran schuld? O Gott, wenigstens wollen sich Studenten so etwas nicht antun.
Vielleicht winkt noch ein Bundesverdienstkreuz hier bei uns für den Frauenbeglücker?

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