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04.01.2010

12:54 Uhr

Wohneigentum

Hausverkauf per Gewinnspiel statt Kleinanzeige

Immobilien wechseln in Deutschland immer häufiger per Gewinnspiel den Eigentümer: Statt mit einer Kleinanzeige oder per Maklerangebot bringen die Verkäufer ihre Domizile mit Verlosungen unter das Volk – auch wenn diese Glücksspiele offiziell nicht so nennen dürfen...

Villa zu verschleudern: Immer häufiger werden Immobilien per Gewinnspiel verkauft. ap

Villa zu verschleudern: Immer häufiger werden Immobilien per Gewinnspiel verkauft.

HB HAMBURG. Für 99 Euro, 25 Euro oder auch nur 19,90 Euro zum stolzen Hausbesitzer werden: Immer mehr Eigentümer in Deutschland versuche, ihre verkäuflichen Immobilien so loszuschlagen. Experten zufolge stehen Anbieter wie Teilnehmer aber mit einem Bein im Knast.

Eine zweistöckige Villa im mediterranen Stil, hinter dem Haus ein großer Swimmingpool. Das Haus steht in Hatten bei Oldenburg und soll mit etwas Glück für 99 Euro zu haben sein, ohne weitere Kosten. So verspricht es der Anbieter mit Sitz in Zypern auf seiner Homepage.

Interessenten müssen nach Beantwortung einer Frage eines oder mehrere der insgesamt 19.999 Lose kaufen und auf den 27. März 2010 warten. Dann soll das Haus auf Zypern verlost werden, wenn bis dahin alle Lose verkauft wurden. Sonst wird das Spiel verlängert oder es gibt das Geld zurück.

Das hört sich nicht schlecht an, zumal die Gewinnquote von 1 zu 20.000 verglichen mit Lotto von 1 zu 140 Millionen erheblich attraktiver scheint. Das niedersächsische Innenministerium jedoch sieht in dem Angebot ein illegales Glücksspiel. „Es geht dort nicht um Wissen, sondern das Haus wird ausgelost“, sagte Ministeriumssprecher Frank Rasche. „Der Anbieter wird eine Untersagungsverfügung bekommen“, kündigte er an. Denn weil das Spiel sich an Deutsche wende und sich um ein Objekt in Niedersachsen drehe, gelte deutsches Recht. Und danach ist nur staatlich genehmigtes Glücksspiel legal, etwa Lotto.

Ob ein Glücksspiel vorliegt, wird dem auf die Materie spezialisierten Hamburger Rechtsanwalt Martin Bahr zufolge daran gemessen, ob der Einsatz erheblich und das Ergebnis vom Zufall abhängig ist. Ersteres sei stets zu bejahen, denn jeder Einsatz von mehr als 50 Cent gilt als erheblich. Laut Rechtsprechung liegt dann Zufall vor, wenn das Spielergebnis von unberechenbaren Ursachen abhängt. „Kein Zufall ist, wenn Wissen oder Geschicklichkeit den Ausschlag geben“, so Bahr. Quiz-Spiele à la Günther Jauch sind ihm zufolge darum das Mittel der Wahl, um Häuser auszuspielen.

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