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30.10.2013

16:14 Uhr

Wolfgang Rösch

Der Limburger Krisenmanager wider Willen

VonLisa Hegemann

Der neue Generalvikar im Limburger Bistum muss nun die Wogen glätten, die Tebartz-van Elst aufgewirbelt hat. Wolfgang Rösch bemüht sich in seiner ersten Pressekonferenz um Offenheit – aber nicht um Öffentlichkeit.

Tebartz-van Elst-Nachfolger Wolfgang Rösch

„Ich bin kein Erlöser der Diozöse“

Tebartz-van Elst-Nachfolger Wolfgang Rösch: „Ich bin kein Erlöser der Diozöse“

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Limburg„Gott mitten unter uns“ steht an einer Mauer gegenüber des Hauptbahnhofs geschrieben. Ein Satz, der in Limburg geradezu ironisch klingt, war es doch genau hier, dass ein Bischof sich für ein bisschen göttlicher hielt und sich eine 31 Millionen Euro teure Residenz neu- beziehungsweise umbauen ließ.

Einem kleinen Städtchen wie Limburg mit seinen rund 34.000 Einwohnern, seiner verwinkelten Altstadt mit den alten Fachwerkhäusern und seiner hessischen Gemütlichkeit traut man einen solchen Skandal gar nicht zu.

Doch genau hier begann das Erdbeben um den Reichtum der katholischen Kirche, das nach und nach auch die anderen Bistümer in Deutschland erschütterte und schließlich auch Rom erreichte. Dort beschloss Papst Franziskus, den bisherigen Limburger Bischof, Franz-Peter Tebartz-van Elst, der den wahren Preis des Baus vertuscht haben soll, zunächst einmal zu suspendieren.

Wir finanziert sich die katholische Kirche in Deutschland?

Kirchensteuer

Den größten Teil ihrer laufenden Kosten deckt die katholische Kirche aus ihren Kirchensteuereinnahmen. 2012 waren das fast 5,2 Milliarden Euro.

Staatsleistungen

Sie betreffen nur die Bundesländer und Kommunen und gehen häufig auf die Säkularisation (Verstaatlichung des Kirchenbesitzes) Anfang des 19. Jahrhundert zurück. Gezahlt wird mit Bezug auf Artikel 140 des Grundgesetzes zum Beispiel für den Personal- und Sachbedarf der Kirchen. Hinzu kommen Ausgaben für den Bauunterhalt kirchlich genutzter Gebäude. Nach Angaben der Linken im Bundestag zahlen die Länder jährlich fast eine halbe Milliarde Euro an die Kirchen. Die Partei hat 2012 einen Gesetzentwurf zur Ablösung dieser Staatsleistungen vorgelegt. Dazu ist ein Bundesgesetz nötig.

Bundeszuschüsse

Die Kirchen erhalten für Aufgaben im caritativen Bereich wie andere Träger auch Bundesmittel, zum Beispiel für kirchliche Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen. So betrug der Bundeszuschuss für die Caritas 2012 rund 51,9 Millionen Euro. Die katholische Kirche gab dafür 8,6 Millionen Euro aus. Zuschüsse des Bundes fließen auch für Militärseelsorge, Kirchentage und Denkmalschutz. Eine Gesamtsumme wird nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nicht ermittelt.

Kirchliches Vermögen

Dabei geht es zum Beispiel um Immobilienbesitz und Miet- und Pachteinnahmen sowie Überschüsse aus kircheneigenen Betrieben oder Beteiligungen. Jedes Bistum hat sein eigenes Vermögen, Je nach Situation machen diese Einnahmen nach Expertenschätzungen fünf bis zehn Prozent des Gesamthaushalts eines Bistums aus.

Spenden und Kollekten

Sie machen nach Einschätzung von Experten fünf Prozent der kirchlichen Einnahmen aus. Die katholische Kirche beziffert diese Einnahmen für das Jahr 2009 auf rund 250 Millionen Euro.

Wie steht es um die Transparenz in den kirchlichen Haushalten?

Wesentliche Entscheidungen zur Verwendung der Kirchensteuer obliegen speziellen Kirchengremien in den Bistümern. Der Kirchensteuerhaushalt wird in der Regel öffentlich dokumentiert. In Bistümern gibt es neben dem regulären Haushalt noch einen „Bischöflichen Stuhl“. Der Begriff bezeichnet das Vermögen, das mit dem Bischofsamt verbunden ist. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler gibt es für diese Summen keine Auskunftspflicht, so lange keine öffentlichen Gelder damit verbunden sind. Kritiker nennen den „Bischöflichen Stuhl“ deshalb einen Schattenhaushalt. Nach dem Finanzskandal um den Neubau des Bischofssitzes in Limburg haben die Bistümer Essen und Speyer angekündigt, diese Zahlen offenzulegen.

Was ist bei der Finanzkontrolle im Bistum Limburg schiefgegangen?

Dazu gibt es bisher fast nur Vermutungen. 2008, vor dem Amtsantritt des umstrittenen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, soll der „Bischöfliche Stuhl“ über rund 100 Millionen Euro verfügt haben. 2011 soll Tebartz-van Elst dem Domkapitel die Zuständigkeit für diesen Haushalt entzogen und stattdessen einem Vermögensverwaltungsrat übertragen haben. Die Frage ist, ob er dieses Gremium bei den Kosten für den neuen Bischofssitz, die zuletzt auf 31 Millionen Euro anwuchsen, getäuscht hat.

Sind ähnliche kirchliche Finanzskandale bekannt?

Der Bund der Steuerzahler hat 1999 kritisiert, dass der katholische Militärbischof Johannes Dyba mit seinem Amt unbedingt von Bonn nach Berlin ziehen wollte - die Sanierung der Berliner Dependance habe umgerechnet rund 10 Millionen Euro gekostet. Skandale um Kirchenvermögen werden auch durch Gerichtsurteile bekannt. So wurden im September 2010 ein früherer Kirchenmitarbeiter im Bistum Limburg wegen der Veruntreuung von 2,7 Millionen Euro zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Nach finanziellen Verfehlungen zog sich 2011 der Orden der Pauliner aus dem Hochschwarzwald zurück. Ein Ordensbruder, der als Pfarrer eine Gemeinde betreute, hatte 247 000 Euro Spenden- und Kirchengelder veruntreut und dafür ohne Erlaubnis neue Messgewänder und Abendmahlskelche gekauft. Er ließ auch Kunstgegenstände restaurieren.

Sein Interims-Nachfolger heißt Wolfgang Rösch und er muss nun wieder aufbauen, was Tebartz-van Elst zerstört hat – vor allem das Vertrauen der Menschen in die katholische Kirche. In Limburg traten zuletzt Dutzende Gläubige täglich aus der Kirche aus. In früheren Zeiten waren es ein bis zwei Personen pro Tag. Doch der Glaube an die Institution Kirche ist nach der Affäre um Tebartz-van Elst verlorengegangen.

Generalvikar Rösch soll dieses Vertrauen nun wiederherstellen. Bei seiner ersten Pressekonferenz am Mittwoch in Limburg betonte er aber auch gleich, dass er keinen Masterplan habe. „Es ist immer schwer, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen“, sagte Rösch in der Aula des Priesterseminars. Er setzt zunächst einmal auf persönliche Gespräche und Begegnungen.

Und auf Transparenz? Zumindest ein bisschen. Rösch bemüht sich bei seinem ersten Auftritt vor rund 50 Journalisten um ausgewogene Antworten. Er verdeutlicht, dass er das Vermögen des Bischöflichen Stuhls und den Bistumshaushalt veröffentlichen wolle.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

30.10.2013, 16:25 Uhr

"Dazu fehlt mir die Phantasie“, sagt er knapp."

Aber an einen unsichtbaren, bärtigen Mann im Himmel glaubt er, soviel mehr Phantasie hat er dann doch.

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