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09.12.2016

10:54 Uhr

Wort des Jahres 2016

„Postfaktisch“ schlägt „Brexit“

Wenn die gefühlte Wahrheit wichtiger ist als die auf Fakten basierende, wird das mit dem Begriff „postfaktisch“ bezeichnet. Das Wort hat in diesem Jahr Karriere gemacht – und wurde zum „Wort des Jahres“ gekürt.

Das „Wort des Jahres“ wird alljährlich von der Gesellschaft für deutsche Sprache bestimmt. Damit wird der Begriff gekürt, der nach Ansicht der Experten die öffentliche Diskussion in den vergangenen Monaten am meisten bestimmte. dpa

„Postfaktisch“ ist Wort des Jahres 2016

Das „Wort des Jahres“ wird alljährlich von der Gesellschaft für deutsche Sprache bestimmt. Damit wird der Begriff gekürt, der nach Ansicht der Experten die öffentliche Diskussion in den vergangenen Monaten am meisten bestimmte.

WiesbadenDer Begriff „postfaktisch“ ist zum „Wort des Jahres“ 2016 gekürt worden. In politischen und gesellschaftlichen Diskussionen gehe es zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten, erklärte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden. Insofern stehe das Wort für einen tiefgreifenden politischen Wandel.

Immer größere Bevölkerungsschichten seien aus Widerwillen gegen „die da oben“ bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen zu akzeptieren. Die Entscheidung der Jury sei einstimmig ausgefallen, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Peter Schlobinski.

Die Gesellschaft wählte das „Wort des Jahres“ erstmalig 1971 aus, seit 1977 sucht die Jury alljährlich aus Tausenden Vorschlägen Wörter und Wendungen heraus, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich besonders bestimmt haben. 2015 lag der Begriff „Flüchtlinge“ ganz vorn. „Postfaktisch“ hatte es vor kurzem in der englischen Übersetzung „post-truth“ schon zum „International Word of the Year“ 2016 gebracht.

Die Wörter des Jahres 2016

Platz 1

Postfaktisch

Erst zum zweiten Mal überhaupt hat es ein Adjektiv zum Wort des Jahres gebracht, das erste war 1971 „aufmüpfig“. Die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat insgesamt zehn Wörter oder Wendungen, die den sprachlichen Nerv in den vergangenen zwölf Monaten am meisten getroffen haben, auf ihre Hitliste gestellt.

Platz 2

Brexit

Platz 3

Silvesternacht

Platz 4

Schmähkritik

Platz 5

Trump-Effekt

Platz 6

Social Bots

Platz 7

Schlechtes Blut

Platz 8

Gruselclown

Platz 9

Burkiniverbot

Platz 10

Oh wie schön ist Panama.

Auf Platz zwei der Liste der Gesellschaft landete das Kunstwort „Brexit“, mit dem der geplante Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) bezeichnet wird. Das vorangegangene Referendum sei zugleich ein „Triumph postfaktischer Politik“ gewesen, denn die Befürworter seien mit zum Teil gezielten Fehlinformationen vorgegangen. Auf Platz drei wählten die Experten den Begriff „Silvesternacht“, mit dem nach den massenhaften Übergriffen auf Frauen vor allem in Köln nun neue, unerfreuliche Assoziationen verbunden seien.

Wort des Jahres: Seit 2005

2005

Bundeskanzlerin

2006

Fanmeile

2007

Klimakatastrophe

2008

Finanzkrise

2009

Abwrackprämie

2010

Wutbürger

2011

Stresstest

2012

Rettungsroutine

2013

GroKo

2014

Lichtgrenze

2015

Flüchtlinge

2016

postfaktisch

Für die Auswahl entscheidend ist der Sprachgesellschaft zufolge nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern vielmehr seine Signifikanz, Popularität und sprachliche Qualität. Die Berliner „Lichtgrenze“ zum Mauerfall-Jubiläum war das „Wort des Jahres“ 2014. Den sprachlichen Nerv der Zeit hatten in den Jahren zuvor – nach dem Urteil der Jury – die Abkürzung GroKo für Große Koalition (2013), die Rettungsroutine (2012) und der Stresstest (2011) getroffen.

Eine andere Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten kürt zudem jedes Jahr ein „Unwort“. Am 10. Januar wird die Entscheidung für 2016 bekanntgegeben.

Von

dpa

Kommentare (17)

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Herr Tom Schmidt

09.12.2016, 11:18 Uhr

Zitat: "In politischen und gesellschaftlichen Diskussionen gehe es zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten"

Das finde ich eine Super-Erkenntnis! Ich hätte da nur eine kleine Frage: Zielt die Aktivität ein "Wort des Jahres zu wählen" auf Fakten, oder auf Emotionen ab?

Danke!

Herr Chris Woodley

09.12.2016, 11:21 Uhr

Ich finde ja eigentlich Wörter wie: Bereicherung, Einzelfall, Fachkräfte, usw viel passender. ^^^

G. Nampf

09.12.2016, 11:30 Uhr

"Immer größere Bevölkerungsschichten seien aus Widerwillen gegen „die da oben“ bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen zu akzeptieren"

Nein. Immer weniger Bürger sind bereit, die Lügen der Herschenden als Wahrheit zu akzeptieren.

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