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30.07.2015

22:09 Uhr

Wrackteil gefunden

Wird das Rätsel MH370 gelöst?

Ein zwei Meter langes, muschelbesetztes Wrackteil: Stammt es vom Unglücksflug MH370? Gefunden wurde es mehrere Tausend Kilometer vom vermuteten Absturzgebiet entfernt auf La Réunion. Der Flugzeugtyp könnte passen.

Ein Wrackteil, das zu einer Boeing 777 passen könnte, wurde auf La Réunion gefunden. Nun wird es nach Frankreich überführt. dpa

Wrackteil gefunden

Ein Wrackteil, das zu einer Boeing 777 passen könnte, wurde auf La Réunion gefunden. Nun wird es nach Frankreich überführt.

Sydney, ParisFranzösische Ermittler wollen in den kommenden Tagen klären, ob das im Indischen Ozean angeschwemmte Wrackteil vom verschwundenen Malaysia-Airlines-Flug MH370 stammt. Australiens Vize-Premierminister Warren Truss sagte, er halte dies für eine „realistische Möglichkeit“. Am Donnerstag mehrten sich bereits die Hinweise darauf, dass das Trümmerteil zu einem Flugzeug des Typs Boeing 777 gehören könnte, was zu MH370 passen würde.

Das etwa zwei Meter lange, mit Muscheln besetzte Wrackteil war am Mittwoch auf der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion östlich von Madagaskar im Indischen Ozean entdeckt worden. Bis Ende dieser Woche soll es in die Nähe von Toulouse gebracht werden und in einer Einrichtung der französischen Rüstungsbehörde DGA untersucht werden, die zum Verteidigungsministerium gehört, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag unter Berufung auf Justizkreise berichtete. Darüber hinaus hielten sich die Behörden am Donnerstag bedeckt.

Verschwundenes Flugzeug: Suche nach MH370 geht weiter

Verschwundenes Flugzeug

Suche nach MH370 geht weiter

Wo befand sich MH370, als es zum Absturz kam? Das bleibt das größte Rätsel der Luftfahrt. Eine internationale Experten-Organisation will dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Indes geht die Suche weiter.

Der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf das Umfeld der Ermittlungen, Vertreter des Flugzeugbauers Boeing meinten, auf Fotos des Fundstücks ein Flügelteil des Typs 777 erkannt zu haben. Auch Malaysias Ministerpräsident Najib Razak sagte, nach ersten Berichten könnte das Teil von einer solchen Maschine stammen. Aber es sei zu früh für Spekulationen. Ein Mitarbeiter des malaysischen Verkehrsministeriums sagte, es sei „fast sicher“, dass das Wrackteil von einer Boeing 777 stamme. Er berief sich auf Regierungsexperten. Derzeit wird nur eine solche Maschine vermisst - die, die für den Flug MH370 eingesetzt wurde.

„Wir hatten schon oft falschen Alarm, aber um der Familien Willen, die geliebte Menschen verloren haben, bete ich, dass wir die Wahrheit herausfinden werden“, sagte der malaysische Regierungschef.

Die Suche nach Flug MH370

Wie ist der Stand der Suche?

Derzeit untersuchen vier Schiffe mit Echolot den Meeresboden im südlichen Indischen Ozean. Rund 40 Prozent eines 60.000 Quadratkilometer großen Gebiets wurden bereits durchkämmt, bis Mai soll die Suche abgeschlossen werden. Was nach dem Mai geschieht, ist noch unklar. Die Winterstürme der südlichen Hemisphäre dürften in jedem Fall weitere Suchaktionen über Monate beeinträchtigen.

Wie wurde das Suchgebiet eingegrenzt?

Experten berechneten den möglichen Absturzort mit Hilfe von Signalen, die ein Satellit von der Maschine empfing – sogenannte Handshakes. Daraus ergaben sich zwei mögliche Routen, aus denen die in Richtung Indischer Ozean ausgewählt wurde. Hätte die Maschine die andere Route genommen, wäre sie über asiatisches Festland geflogen und nicht unbemerkt geblieben.

Was passiert, wenn das Wrack gefunden wird?

Die Experten stünden vor der Herausforderung, wenn nicht das Wrack, so zumindest aber die Flugschreiber in 4000 Metern Tiefe und in völliger Dunkelheit zu finden und zu bergen. Immerhin können sie dabei auf die Erfahrungen bei der Suche nach den Blackboxes von Air-France-Flug AF447 zurückgreifen: Diese waren zwei Jahre nach dem Absturz im Juni 2009 von einem Tauchroboter im Atlantik geborgen worden.

In welchem Zustande wäre die Maschine nach einem Jahr auf dem Meeresgrund?

Der Druck in der Tiefe des Meeres ist zwar extrem hoch gewesen, die Strömungen dagegen meist relativ schwach, so dass vermutlich kaum Trümmer weggetrieben worden wären. Experten gehen daher davon aus, dass zumindest Teile der Maschine noch in leidlich gutem Zustand wären.

Welche Theorien gibt es zu den Gründen für das Verschwinden?

Spekuliert wird vor allem über technische Probleme oder Konstruktionsfehler, über einen Terroranschlag, eine Entführung oder eine spektakuläre Selbstmordaktion des Piloten – doch Belege gibt es für keine der Thesen. Die glaubwürdigste Theorie ist nach Einschätzung der Ermittler, dass Passagiere und Besatzung nach einem plötzlichen Sauerstoffabfall in der Maschine bewusstlos wurden und die Boeing per Autopilot weiterflog, bis der Treibstoff ausging und sie ins Meer stürzte.

Gibt es vergleichbare Fälle?

Die Website Aviation Safety Network listet nur einen weiteren Fall auf: 1962 verschwand demnach eine vom US-Militär gecharterte Turboprop der US-Gesellschaft Flying Tiger Line mit 107 Insassen auf dem Weg von Guam zu den Philippinen. Ihr Schicksal ist bis heute unbekannt.

Was sind die Lehren aus dem Fall?

Ohne den Flugschreiber der Maschine wird die Flugzeugindustrie niemals wissen, was genau falsch lief. Dafür aber beflügelt das Schicksal von MH370 die Bemühungen für eine bessere Überwachung von Maschinen. Eine Flugsicherheitskonferenz in Montreal brachte im vergangenen Monat eine Initiative auf den Weg, wonach Flugzeuge bereits ab dem kommenden Jahr so ausgestattet sein sollen, dass sie bei Notfällen im Minutentakt ein Signal absetzen.

Der Fund Hunderte Kilometer vor der Ostküste Afrikas sei eine bedeutende Spur, sagte Truss. Australien koordiniert die Suche nach MH370 im südlichen Indischen Ozean. Dort, etwa 4000 Kilometer von der Fundstelle entfernt, soll MH370 abgestürzt sein. Winde und Strömungen könnten schwimmende Teile über eine so weite Strecke bis nach La Réunion bringen, sagen Meeresforscher.

MH370 war am 8. März 2014 mit 239 Menschen auf dem Weg von Kuala Lumpur in Malaysia nach Peking vom Radar verschwunden. Das Flugzeug flog noch sieben Stunden nach dem letzten Radarkontakt Richtung Süden, wie automatische Satellitensignale nahelegten. Ermittler gehen bislang davon aus, dass die Maschine abstürzte, als der Treibstoff ausging. Niemand weiß, was an Bord passierte. Die Piloten hatten nie Probleme gemeldet oder Alarm geschlagen.

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