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08.10.2014

17:22 Uhr

Wurst im Europaparlament

Dragqueen macht in Brüssel Politik

Singen kann Conchita Wurst, klare Worte finden auch. Das bewies sie bei einem Besuch im Europaparlament. Dort wirbt sie für Toleranz und Gleichberechtigung. Von einer Frage wird die Dragqueen dann doch kurz überrumpelt.

Conchita Wurst vor der Flagge der EU: Die Dragqueen im Europaparlament. Reuters

Conchita Wurst vor der Flagge der EU: Die Dragqueen im Europaparlament.

BrüsselConchita Wurst weiß zu posieren: Sobald die Fotografen in Stellung gehen, schenkt ihnen die 25-jährige Dragqueen aus Österreich ihr strahlendes Lächeln, wirft verführerische Blicke und wirft sich in Pose. Soweit, so bärtig, so routiniert. Ungewöhnlich allerdings der Ort des Auftritts - die Siegerin des diesjährigen Eurovision Song Contest war am Mittwoch im Brüsseler Europaparlament zu Besuch.

Dass sie keine Politikerin ist, weiß Wurst selbst am besten. „Ich kenne mich nicht aus in dem politischen Karussell, in dem sich diese Menschen bewegen und ich habe großen Respekt davor, weil es ohne Frage ein harter Job ist“, sagt sie. Sie hat aber Erwartungen an die Politik. „Diese Menschen haben sich ihren Job ausgesucht, wie ich mir meinen ausgesucht habe. Und ich erwarte Ergebnisse“ - zum Beispiel die Möglichkeit gleichgeschlechtlicher Ehen. „Wenn man sich dazu entscheidet, das Leben miteinander zu teilen, dann sollte das Geschlecht keine Rolle spielen.“

Die Frau neben ihr sieht das ähnlich. Ulrike Lunacek (57) sitzt für die österreichischen Grünen im Europaparlament. Sie hat Wurst mit Unterstützung aus anderen Fraktionen eingeladen, ist selbst lesbisch und sagt, daraus habe sie auch seit ihrem Einstieg in die Politik vor fast zwanzig Jahren kein Geheimnis gemacht. „Ich habe immer gefunden, das ist leichter, als sich verstecken zu müssen.“ Wursts Botschaft der Toleranz sei die 17 000 oder 18 000 Euro für die Reise nach Brüssel und ihr späteres Konzert wert - Kosten, die sie selbst und die Grünen-Fraktion stemme. Eine Gage erhalte Wurst nicht.

Conchita Wurst, das ist „ein Stück der Torte des Lebens“ von Tom Neuwirth, wie sie selbst sagt. Der habe schon seit dem 14. Lebensjahr mit Auftritten als Frau experimentiert, allerdings ein paar Monate gebraucht, um die eigene Homosexualität zu akzeptieren. Heute tritt Wurst als gewandte Vertreterin der Rechte all jener auf, die etwa wegen ihrer sexuellen Ausrichtung diskriminiert werden.

Ins Schlingern gerät Wurst erst, als ein britischer Journalist wissen will, ob sie seinen Landsleuten zum EU-Austritt rät, wenn es in einigen Jahren zur Abstimmung kommen sollte. „Ich weiß nicht“, sagt Wurst. „Ich lebe mein Leben einfach so, wie ich will.“ Sie legt eine Denkpause ein. Dann fasst sie sich und sagt, dieser vereinte Kontinent sei doch etwas schönes. „Für mich wäre es falsch, über eine Teilung nachzudenken. Naja, das sagt sich so einfach - einfach meine Meinung.“ Ein kleiner Unfall passierte Wurst dann übrigens später: Nahaufnahmen ihres Konzerts zeigen einen kleinen Riss an der Front ihres eleganten weißen Hosenanzugs.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Lukas Fuchs

08.10.2014, 21:01 Uhr

"Wurst" ist eine Kunstfigur

wie z.B. "Atze Schröder" oder Donald Duck. Wobei diese beiden die EU doch auch mal beraten könnten, oder?

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