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25.08.2013

15:55 Uhr

WWE-Wrestler Antonio Cesaro

Professioneller Reisender in Badehosen

VonAlexander Möthe

Wrestling hat sich in den USA als Familienunterhaltung etabliert. Der Schweizer und gelernte Kaufmann Antonio Cesaro tauschte Anzug gegen Badehosen und reist in Diensten des Medienkonzerns WWE um die Welt. Ein Interview.

Kaufmann und Wrestler: Antonio Cesaro im Gespräch mit Alexander Möthe WWE

Kaufmann und Wrestler: Antonio Cesaro im Gespräch mit Alexander Möthe

KölnAntonio Cesaro wirkt wie ein außergewöhnlich durchtrainierter Banker, als er sich im Business-Bereich der Spielemesse Gamescom zur Begrüßung erhebt. Der 1,95 Meter große Hüne im dunklen Anzug und offenen Hemdkragen könnte auch als Double des Schauspielers Jason Statham durchgehen. Sein Händedruck ist beachtlich. Cesaro, 1980 als Claudio Castagnoli im Schweizer Luzern geboren, ist aber weder Banker noch Schauspieler. Er ist Wrestler, oder, wie es bei seinem Arbeitgeber der WWE heißt: Superstar. Er ist geschäftlich in Köln, stellt am Messestand des Vertriebslabels 2K das Wrestling-Spiel  „WWE 2k14“ vor. Zwischen Terminen mit Kamerateams und einer jubelnden Menschentraube, die ihn im öffentlichen Bereich der Gamescom erwartet, findet er Zeit für ein Interview. Und der Schweizer, der vier Sprachen fließend beherrscht freut sich, es auf Deutsch führen zu können.

Handelsblatt Online:  Wie kommt man von Luzern zum Wrestling, in die große, weite Welt?

Antonio Cesaro: Ich war ein großer Fan. Es gab einen Wrestling-Club in der Schweiz, den hatte ich über das Internet gefunden. Ich dachte: Probiere ich’s eben Mal. Dann bin ich nach Deutschland gereist – wir hatten keinen Ring in der Schweiz – und dann bin ich jedes Wochenende nach Deutschland, Österreich, überall wo es Wrestling gab.

Und der Sprung in die USA?

Ich bin nach Amerika gegangen, um zu trainieren. Da hat man mich gefragt: Warum kommst Du nicht ganz rüber? Ja, da braucht man eine Arbeitsbewilligung. Also habe ich bei der Green Card Lotterie mitgemacht, gewonnen, in die USA gereist, sieben, acht Jahre Independent, quer durch Japan, überall auf der Welt gewrestlet . Am Ende bin ich bei der WWE gelandet – und jetzt sitze ich wieder in Deutschland. Der Kreis schließt sich.

WWE

Gründung

Die Wurzeln des Unternehmens als Wrestling-Liga reichen bis in das Jahr 1952 zurück. Es befindet sich seither im Besitz der Familiendynastie der McMahons. Die Professionalisierung begann mit dem Aufkaufen kleinerer, regionaler Ligen und der Rechtevermarktung Titan Sports. Vincent K. McMahon kaufte Titan Sports und weitere Rechte seinem Vater ab. 1979 erhielt das Unternehmen den langjährigen Namen WWF – World Wrestling Federation.

Aufstieg

Mit ausgefeilten Handlungssträngen und charismatischen Stars wie Hulk Hogan und „Macho Man“ Randy Savage stieg die WWF schnell zur führenden Promotion weltweit auf. Die Großveranstaltungen wurden im US-Pay-TV bestens verkauft, die Hallenveranstaltungen stellten Besucherrekorde auf. Ernsthafte Konkurrenz gab es lange nicht. Vince McMahon trieb die Professionalisierung nebst Merchandising immer weiter voran. Erst ein Anabolika-Skandal in den 1990er-Jahren versetzte dem Unternehmen einen Dämpfer.

„Monday Night Wars“

Die damalige WWF positionierte sich als Platzhirsch im Unterhaltungssektor und feierte mit der Montagabend-Show „Raw“ große Erfolge. Medienmogul Ted Turner witterte ein gutes Geschäft und forcierte den Ausbau der Konkurrenzliga WCW. Turner profitierte dabei von seinem eigenen Kabelnetzwerk TNT. Mitte der 1990er-Jahre war die WCW zum ernsthaften Wettbewerber bei Quoten und Talenten aufgestiegen. Der anhaltende Erfolg der WCW mit extremerer und für Erwachsene geeigneter Unterhaltung zwang die WWF zum reagieren. Diese Quotenkriege sind heute als „Monday Night Wars“ bekannt, da beide Unternehmen ihre Hauptsendungen Montagabends live gegeneinander antreten ließen.

Börsengang

Die WWF schaffte es nach einer Schwächephase wieder, die WCW in der Zuschauergunst auszustechen. 2000 ging das Unternehmen an die Börse. Im Jahr 2001 wurde die nunmehr abgehängte Konkurrenz tatsächlich übernommen. Auch die beliebte Liga ECW wurde von der WWF geschluckt. 2002 verlor der als Medienunternehmen firmierende Konzern einen Rechtsstreit gegen den World Wildlife Fund (WWF) und firmierte fortan unter dem Namen Word Wrestling Entertainment (WWE). Seit 2011 wird ausschließlich das Kürzel WWE verwendet, auch für die Tochtergesellschaften, z.B. der Filmproduktion WWE Studios.

Heute

2012 erzielte das Unternehmen einen operativen Gewinn von 43 Millionen Dollar. Der Umsatz lag bei 484 Millionen Dollar. Dabei wurden die Ergebnisse der Live-Shows und Pay-Per-View-Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert. Umsatz und Erlös der WWE Studios gingen jedoch, auch aufgrund eines zurückgefahrenen Produktionsvolumens, ebenso deutlich zurück. Die Zahlen sind geringer als bei den meisten deutschen Mittelständlern, das Medienunternehmen arbeitet jedoch profitabel und ist als Investition weltweit einzigartig.

WWE in Deutschland

Shows der WWE sind in Deutschland mittlerweile fast ausschließlich über Pay-TV zu erhalten. Aktuelle Shows laufen auf Sky Deutschland und Pro Sieben Fun. Eurosport übertragt klassische Matches und Wochenzusammenfassung. Sport1 überträgt die Sendungen der konkurrierenden Liga TNA Impact! im Free-TV.

Ist das eine bewusste Entscheidung? Haben Sie ihre komplette Energie dort hinein gelegt?

Man bringt es nicht so weit, wenn man nicht alles reinsteckt. Irgendwann kommt die Frage. Mache ich das als Hobby oder mache ich das als Karriere? Ich war jedes Wochenende unterwegs, unter der Woche dann noch Krafttraining. Als ich dann in die Staaten gegangen bin, habe ich es vollzeitig gemacht. Dann hatte ich auch keine Entschuldigung mehr, dass ich nicht trainieren kann. Da heißt es den ganzen Tag Videos anschauen, trainieren und irgendwie versuche, Fuß zu fassen.

War das auch ihr ursprüngliches Berufsziel?

Nein, ich habe die Handelsschule absolviert, als Kaufmann gearbeitet, hatte einen Super-Job mit großen Aufstiegsmöglichkeiten. Aber als ich meine Green Card gewonnen habe, habe ich mir gedacht: Das ist einmalig, da muss ich jetzt meinem Traum nachgehen.

Wrestling ist ein gefährliches Geschäft. Viele Kollegen laborieren lange an schweren Verletzungen. Spielt das in den Gedanken eine Rolle: Was ist, wenn es schiefgeht?

Ich denke nicht darüber nach. Wenn man das erst einmal anfängt, fokussiert man sich zu fest drauf.  Ich möchte so lange wie möglich im Ring stehen.

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