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19.11.2015

16:36 Uhr

Xavier Naidoo beim ESC

Ein Kandidat mit seltsamen Ansichten

VonKai-Hinrich Renner

Xavier Naidoo wird Deutschland beim Eurovision Songcontest 2016 in Stockholm vertreten. Der Sänger gilt manchen als Rechtspopulist und Schwulenhasser. Für die ARD ist das offensichtlich kein Problem.

Verschwörungstheorien sind dem umstrittenen Sänger nicht fremd. dpa

Xavier Naidoo

Verschwörungstheorien sind dem umstrittenen Sänger nicht fremd.

HamburgDer deutsche Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) im vergangenen Jahr muss für ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber eine traumatische Erfahrung gewesen sein. Denn die Kür des deutschen Kandidaten für das ESC-Finale in Wien nahm den schlimmsten Ausgang, den man sich vorstellen konnte.

Der Sieger Andreas Kümmert verkündete, dass er die Wahl nicht annehmen und folglich auch nicht in die österreichische Metropole reisen werde. So musste die Zweitplatzierte Ann Sophie Deutschland in Wien vertreten, ein Unternehmen, das nicht von Erfolg gekrönt wurde: Sie kehrte als Letzte mit null Punkten vom ESC zurück.

Ein solches Desaster will Schreiber, der auch NDR-Unterhaltungschef ist, nicht noch einmal erleben. Deshalb hat er nun beschlossen, dass der Sänger Xavier Naidoo Deutschland 2016 beim ESC in Stockholm vertreten wird. Eine Vorentscheidung soll es nicht geben. Die Zuschauer werden lediglich entscheiden, welchen Song Naidoo in Schweden zum Besten geben wird.

ESC: Wie die ARD mit Naidoo plante

Song

Mit welchem Song er am 14. Mai 2016 in Stockholm auf der Bühne steht, entscheiden die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Show „Unser Song für Xavier“ am Donnerstag, 18. Februar 2016, um 20.15 Uhr live im Ersten.

Quelle: Informationen vom 19. November 2015

Vorschläge

Einige der renommiertesten deutschen Komponisten und Produzenten werden von Xavier Naidoo und dem deutschen ESC-Team um Song-Vorschläge gebeten. Sechs Lieder schaffen es in die Show. Wenn sie am Ende des Jahres feststehen, werden Film- und Kunsthochschulen aus Deutschland aufgerufen, Inszenierungsideen für die Performance der einzelnen Lieder einzubringen.

Zeitplan

Am 15. Dezember 2015 entscheidet unter Beteiligung von Xavier Naidoo eine Jury aus Musik- und Kompositionsexperten, welche sechs Songs er dem Fernsehpublikum beim deutschen Vorentscheid am 18. Februar 2016 im Ersten präsentiert.

Regeln

Für die Kompositionen gelten die ESC-Regeln: So dürfen die Lieder maximal drei Minuten lang und erst nach dem 1. September 2015 veröffentlicht worden sein. Der Künstler muss live singen. Eine Vorgabe für die Sprache gibt es nicht – Xavier Naidoo könnte ebenso mit einem deutsch- wie z. B. einem englischsprachigen Lied antreten.

Was der Künstler meint

„Ich verspreche, so schön und so gut zu singen wie noch nie in meinem Leben. Ich will in den drei Minuten auf der Bühne zeigen, dass wir auch in Deutschland Musik mit Leidenschaft machen. Und zeigen, wofür ich stehe – für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander.“

Karriere

Xavier Naidoo prägt die deutsche Popmusik seit zwei Jahrzehnten wie kaum ein anderer Künstler. Seine Alben wurden in Deutschland millionenfach verkauft, standen wochenlang an der Spitze der Charts und sind durchweg mit Platin oder Gold ausgezeichnet. Auch in Österreich und der Schweiz sind sie äußerst erfolgreich.

Erfolge

Mit „Dieser Weg“ lieferte Xavier Naidoo 2006 den Soundtrack zum Fußball-Sommermärchen. Den ECHO bekam er bisher sechs Mal, zuletzt in diesem Jahr. Auch den Comet, die Goldene Kamera oder den Deutschen Fernsehpreis erhielt er gleich mehrmals – diesen u. a. 2014 für die TV-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“.

Tournee

Derzeit ist Naidoo mit den Söhnen Mannheims anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Band auf Tour. Im vergangenen Sommer füllte er als Solokünstler die Open-Air-Stadien der Republik.

Engagement

Gesellschaftlich engagiert sich Xavier Naidoo seit vielen Jahren mit dem Verein „Aufwind-Mannheim e.V.“ für sozial benachteiligte Kinder. Er unterstützt regelmäßig zahlreiche soziale Projekte für Menschen in Not, Organisationen wie Amnesty International und Initiativen gegen Diskriminierung, Rassismus und Fremdenhass wie Rock gegen Rechts.

Was die ARD meint

Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungskoordinator: „Xavier Naidoo ist ein Ausnahmekünstler, der seit knapp 20 Jahren seinen Platz im deutschen Musikleben hat. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, ihn direkt zu nominieren.“ Nur kurz danach zog der Sender seine Nominierung zurück - wegen starker Kritik an dem Sänger.

Schreibers Entscheidung ist bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar: Seit Stefan Raab, der einst Lena zum ESC-Sieg führte, sich nicht mehr für die ARD um das Wettsingen kümmert, haben die Deutschen ein Abonnement auf die hinteren Ränge im Wettbewerb. Ann Sophies Scheitern in Wien war da nur der traurige Höhepunkt.

Zudem haben Stars vom Range eines Xavier Naidoo wenig Lust sich am deutschen Vorentscheid zu beteiligen. Im Falle eines Scheiterns wäre der Imageverlust einfach zu groß. Insofern ist es verständlich, dass Schreiber Naidoo einen Freifahrtschein für Stockholm ausgestellt hat.

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