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31.01.2008

17:42 Uhr

Zehn Tage Ausfall befürchtet

Defektes Untersee-Kabel bremst Internet in Ägypten

Ein schadhafte Kabel nahe der ägyptischen Hafenstadt Alexandria beschert Millionen Internet-Usern in Arabien und Indien eine Zwangspause. Nicht zum ersten Mal sind die angeblich unverwüstlichen Untersee-Kabel für einen derart verheerenden Ausfall verantwortlich.

DELHI. In zahlreichen arabischen Ländern haben die Telefon- und Internetanbieter mit massiven Problemen zu kämpfen. Nach Angaben von Internet-Providern in Kairo ist ein unterseeisches Glasfaserkabel im Mittelmeer defekt. Das schadhafte Kabel liege nahe der Hafenstadt Alexandria, zehn Kilometer von der ägyptischen Mittelmeerküste entfernt, hieß es. Einer der Betreiber der Glasfaserverbindung, die Flag Telecom, teilte mit, die Reparatur des Seekabels werde bis zu zehn Tage dauern.

In Ägypten sind laut Medienberichten 70 Prozent der Netzkunden von dem Ausfall betroffen. Zum Teil sind ihre Internet-Verbindungen völlig zusammengebrochen, zum Teil sind die Leitungen deutlich langsamer. Auch in Indien ist die Verbindung ins weltweite Datennetz erheblich eingeschränkt. Die boomende Outsourcing-Industrie – eine Kernbranche des Landes – versucht die Daten über andere Seekabel oder per Satellit zu übertragen.

Die Übertragungskapazität sei um 50 bis 60 Prozent eingebrochen, sagte Rajesh Chharia, Präsident des Verbands indischer Internet-Dienstleister. Viele Provider leiten ihren Verkehr inzwischen über den Pazifik um. Doch laut Chharia reicht das nicht aus, die fehlende Übertragungskapazität vollständig zu ersetzen.

Indische Call Center und IT-Unternehmen sind am stärksten betroffen, da sie auf Telefonate und den Datenverkehr über das Internet angewiesen sind. „Die Sprachqualität von Anrufen und die Internetgeschwindigkeit haben schwer nachgelassen“, gibt der Verbandschef zu. Dies war gestern für Nutzer in der Hauptstadt Delhi deutlich zu spüren. Das Öffnen einfacher E-Mails dauerte Minuten, „Server nicht gefunden“ war eine häufige Antwort auf Seitenaufrufe. Und bei Telefongesprächen mit Deutschland waren Gesprächspartner kaum zu verstehen.

Kommunikationsprobleme sind der Alptraum von Indiens florierender Outsourcing-Industrie, die im Vorjahr elf Mrd. Dollar umsetzte und 700 000 Angestellte beschäftigte. Bis auf kleine Nischenanbieter verfügen die meisten der über 1 200 Firmen daher über Backup-Systeme wie Satellitenübertragung.

Die Ursache für die Störung an dem Unterseekabel ist noch unbekannt. Durch das Mittelmeer verlaufen insgesamt drei Verbindungen, die die Daten über den Golf von Kuwait bis nach Indien leiten. Die äußerst stabilen Kabel bestehen aus mehreren Schichten und sind mit einem Stahlgeflecht geschützt.

Ein ähnlicher Vorfall hatte im Dezember vergangenen Jahres Internetverbindungen in Taiwan lahmgelegt. Weil Unterwasser-Kabel beschädigt wurden, brach der Devisenhandel zeitweilig zusammen. Das Internet, das Ende der Sechziger Jahre aus einem Projekt des amerikanischen US-Verteidigungsministeriums entstanden ist, sollte nach den Plänen der Militärs eigentlich unverwüstlich sein. Selbst Atombombenabwürfe sollten ihm nichts anhaben können. Bei einer Zerstörung eines Teils der Netzinfrastruktur werden die Daten einfach über alternative Wege geroutet. Das funktioniert im Prinzip auch, wie der aktuelle Vorfall zeigt. Allerdings reicht die Übertragungskapazität dann nicht mehr aus, um den riesigen Datenstrom ohne Einschränkungen fließen zu lassen.

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