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20.01.2015

13:50 Uhr

Zeitung

Britische „Sun“ streicht die nackten Brüste

VonCarsten Herz

Die Briten nehmen Abschied von einer Institution: Nach 44 Jahren stellt das Boulevardblatt „Sun“ ihre Oben-Ohne-Girls auf Seite 3 ein. Medienzar Murdoch reagiert auf Proteste. Dennoch lebt das Geschäftsmodell weiter.

Die Sun nimmt Abschied vom nackten Mädchen auf Seite drei: Schon seit längerem waren die Bilder immer wieder Anlass für Kritik – da half es auch wenig, dass die Redaktion in den vergangenen Monaten auch ab und zu einen knackigen Mann mit bloßem Oberkörper auf die Seite stellte. AFP

Die Sun nimmt Abschied vom nackten Mädchen auf Seite drei: Schon seit längerem waren die Bilder immer wieder Anlass für Kritik – da half es auch wenig, dass die Redaktion in den vergangenen Monaten auch ab und zu einen knackigen Mann mit bloßem Oberkörper auf die Seite stellte.

LondonSie heißen Kelly, Zoe oder Katie – und in Großbritannien gehören sie zum britischen Boulevard wie die roten Doppeldecker-Busse oder die Queen zu London: Die Oben-Ohne-Girls von Seite 3 des Murdoch-Blattes „The Sun“. Auf der Insel sind die „Page 3“-Mädchen in den täglich 2,9 Millionen Ausgaben des Boulevardblattes und ihre meist stattlichen Oberweiten nationale Institutionen.

„Auf uns schaut man nicht herab, zu uns sieht man auf“ sagte einmal das Model Zoe Mc Connell, die mit sieben Jahren Oben-Ohne-Erfahrung eine Veteranin des Geschäfts ist. Doch nun das: Still und leise nimmt die „Sun“ diese Woche von der Tradition Abschied und gibt sich künftig zugeknöpfter, aber nur etwas, denn im Internet lebt die Idee und die Vermarktungsmaschinerie dahinter weiter.

Das barbusige Mädchen auf der Seite 3 der Zeitung soll am kommenden Freitag zum letzten Mal erscheinen und danach verschwinden. So will es das Schwesterblatt "The Times" erfahren haben – und die Kollegen sollten es wissen, zählen sie doch ebenfalls zum Murdoch-Imperium.

Das Imperium des Rupert Murdoch

Geerbtes Unternehmen

Rupert Murdoch kam 1931 in Australien zur Welt. Das Unternehmertum liegt in der Familie: Sein Vater kaufte sich in die Zeitungskette News Limited ein, Sohn Rupert erbte sie 1952 – und baute sie zu einem Medienimperium aus, zu dem heute neben den Zeitungen in aller Herren Länder auch der Buchverlag Harper Collins, Internetbeteiligungen, Fernsehsender und mit „20th Century Fox“ ein legendäres Hollywood-Studio gehören.

Von der „Sun“ bis zum „Wall Street Journal“

Begonnen hat alles mit der Zeitung „The News“ aus dem australischen Adelaide, die der damals Anfang 20-jährige Rupert von seinem Vater übernahm. Später verleibte sich Murdoch in Großbritannien die renommierte Londoner „Times“ ein, außerdem das Massenblatt „Sun“. Die britische Sonntagszeitung „News of the World“ stampfte Murdoch nach einem Abhörskandal kurzerhand ein. Im Jahr 2007 landete Murdoch einen seiner größten Coups, indem er den US-Konzern Dow Jones übernahm, den Herausgeber Wirtschaftsblatts „Wall Street Journal“.

Fox-Fernsehsender

Flaggschiff des Konglomerats sind die amerikanischen Fox-Fernsehsender, die wegen ihrer konservativen Ausrichtung berühmt-berüchtigt sind. Hier ist aber auch die Heimat der Kultsendung „Die Simpsons“. Die gelbe Zeichentrick-Familie mit Oberhaupt Homer und der guten Seele Marge nimmt in vielen Folgen den Sender und seinen Patriarchen selbst auf die Schippe.

Auch in Deutschland aktiv

Murdoch hält die Mehrheit am Bezahlsender Sky, dem früheren Premiere. Sein Sohn James ist seit 2016 wieder Vorsitzender des Aufsichtsrates beim britischen Mutterkonzern.

Schiffbruch mit MySpace

Murdoch erkannte früh die Chancen des Internet und traute sich als einer der ersten großen Verleger, Geld für Nachrichten im Netz zu verlangen. Mit einem anderen Projekt erlitt er indes Schiffbruch: Das einstmals größte Online-Netzwerk MySpace ist nach dem Siegeszug von Facebook heute nur noch ein Schatten seiner selbst.

Aufspaltung in zwei Bereiche

2013 spaltete Murdoch sein Imperium in zwei Reiche auf: die profitable Filmsparte 21st Century Fox und das schwächelnde Verlagsgeschäft News Corp.

Bye, bye Sonnenschein. Fortan wird es auf Seite 3 der Zeitung Sun also züchtiger zugehen. Mit den Bildern verschwinden nicht nur offenherzige Aufnahmen von vornehmlich jungen Frauen. Es geht auch eine der längsten Traditionen des britischen Boulevards zu Ende.

Ebenso wie Deutschlands größte Boulevardzeitung „Bild“ druckte bisher auch „The Sun“, die bedeutendste Boulevardzeitung Großbritanniens, in nahezu jeder Ausgabe das Foto einer nackten Frau ab – und das seit 44 Jahren.

Als das konservative Murdoch-Blatt 1970 die busige Seite 3 erfand, war es „eigentlich nur die Idee, den Lesern nach dem ersten Umblättern den Tag mit einem Sonnenschein zu erhellen, wie der damalige Bildredakteur Geoff Webster, sich kürzlich erinnerte.

Kommentare (2)

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Herr Michael Müller

20.01.2015, 15:05 Uhr

Wie verklemmt sind wir nur geworden? Gerne erinnere ich mich an die Siebziger, als die Mädels zur Transparenzbluse keinen BH trugen und die Devise lautete: " Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment".

Herr Horst Meiller

20.01.2015, 18:11 Uhr

Von welchem Ufer muß man eigentlich sein, um sich daran zu stören? (o:)

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