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05.05.2014

16:11 Uhr

Zeugenaussagen

Pistorius war in der Tatnacht völlig verzweifelt

Im Mordprozess gegen Oscar Pistorius schildern Nachbarn den Angeklagten in den dramatischen Stunden der Tatnacht als verzweifelt und tief aufgewühlt. Der spektakuläre Indizienprozess erreicht nach 26 Verhandlungstagen langsam die Endphase.

Oscar Pistorius im Gerichtssaal. Nachbarn sahen ihn, kurz nachdem er seine Frau erschossen hatte. Er wirkte wie ein „völlig gebrochener Mann“. dpa

Oscar Pistorius im Gerichtssaal. Nachbarn sahen ihn, kurz nachdem er seine Frau erschossen hatte. Er wirkte wie ein „völlig gebrochener Mann“.

PretoriaDer des Mordes angeklagte Oscar Pistorius war nach Zeugenaussagen in der Tatnacht ein am Boden zerstörter Mann. Ein Nachbar des südafrikanischen Profisportlers, Johan Stander, berichtete am Montag vor dem Gericht in Pretoria über den aufgeregten Anruf in den Morgenstunden des 14. Februar 2013: „Bitte kommen Sie zu meinem Haus. Ich habe Reeva erschossen. Ich dachte, sie sei ein Einbrecher. Bitte kommen Sie schnell“, habe Pistorius gesagt, so Stander. Er und seine Tochter Carice Viljoen waren die ersten, die nach den tödlichen Schüssen das Haus von Pistorius betraten.

Der 27-jährige ist angeklagt, in der Nacht zum Valentinstag 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp ermordet zu haben. Der Profisportler hatte durch die verschlossene Toilettentür seine damals 29 Jahre alte Freundin erschossen. Der unterschenkelamputierte Pistorius beteuert, er sei in Panik gewesen und habe hinter der Tür einen Einbrecher vermutet.

„Wir sahen Oscar, wie er die Treppe herunterstieg mit der jungen Frau in seinen Armen... Sie blutete. Sie hatte eine Kopfwunde“, berichtete der Ex-Manager der Wohnanlage Silverwoods, in der sich auch das Haus von Pistorius befindet. Beide wohnten damals etwa 450 Meter voneinander entfernt. Pistorius habe wie ein „völlig gebrochener“ Mann gewirkt. „Bleib bei mir, meine Liebe, bleib bei mir“, habe Pistorius weinend gestammelt. Im Gesicht von Pistorius habe man die „vollkommene Verzweiflung“ lesen können. „Ich habe die Wahrheit gesehen an diesem Morgen, ich sah es und fühlte es“, so der Zeuge der Verteidigung.

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Auch Standers Tochter berichtete, dass Pistorius außer sich gewesen sei. Er habe nur gewollt, dass die blutende Freundin rasch in ein Krankenhaus gebracht werde. „Er bettelte darum, dass ich sie in meinem Wagen zum Hospital fahre“, schilderte Carice Viljoen das Geschehen. Ihr Vater habe dann telefonisch einen Notarztwagen gerufen.

Bei der Befragung durch Staatsanwalt Gerrie Nel allerdings musste Stander zugeben, widersprüchliche Angaben über Details gemacht zu haben. Dabei ging es um die Frage, ob er oder seine Tochter im Verlauf der Nacht wen und wann angerufen hatten oder wie der genaue Wortlaut der Sätze von Pistorius gewesen war.

Der Prozess gegen den südafrikanischen Paralympics-Star war am Montag nach zehn Tagen Unterbrechung wieder aufgenommen worden. Der 26. Verhandlungstag wurde aber mittags beendet, weil Zeugen der Verteidigung erst wieder am Dienstag zur Verfügung stehen sollten.

Ein Ende des Prozesses in Pretoria wird frühestens für Mitte Mai erwartet. Bei einem Schuldspruch wegen Mordes droht Pistorius eine lebenslange Strafe. Aber auch für fahrlässige Tötung kann es bis zu 15 Jahren Gefängnis geben.

Von

dpa

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