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09.02.2016

12:56 Uhr

Zugunglück nahe Bad Aibling

Regionalbahnen stoßen zusammen – neun Tote

Bei einem Zugunglück in Oberbayern sind mehrere Menschen ums Leben gekommen, rund 100 Fahrgäste wurden verletzt. Bei dem Unfall bei Bad Aibling waren zwei Nahverkehrszüge kollidiert. Bahnchef Grube ist bestürzt.

Schweres Zugunglück in Bayern

Erste Videobilder vom Unfallort

Schweres Zugunglück in Bayern: Erste Videobilder vom Unfallort

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Bad AiblingBei dem Zugunglück im oberbayerischen Bad Aibling sind neun Menschen getötet worden. Das sagte Polizeisprecher Jürgen Thalmann am Dienstag an der Unglücksstelle. Außerdem gebe es 63 Leichtverletzte sowie 18 schwerer Verletzte. Zwei Nahverkehrszüge waren auf eingleisiger Strecke kollidiert.

Über die Unglückursache gebe es noch keine Erkenntnisse. „Die Hilfeleistung steht an erster Stelle“, sagte der Sprecher. „Die Ursachenforschung beginnt parallel. Zur Unglücksursache können wir momentan noch gar nichts sagen.“ Zunächst hieß es, dass vor dem Unfall nahe Bad Aibling im Landkreis Rosenheim einer der Züge in der Nähe eines Klärwerks entgleist sein soll, mehrere Waggons seien umgestürzt.

Betroffen sind zwei sogenannte Meridian-Züge des Betreibers Transdev. Sie verkehrten auf der sogenannten Mangfalltalbahn. Transdev richtete unter der Nummer 0395 - 43084390 eine zentrale Hotline für Angehörige ein. Dem Unternehmen zufolge verkeilten sich die Fahrzeuge bei dem Zusammenprall ineinander.

Zugunglücke in Deutschland

August 2014

Bahnfahren gilt als relativ sicher, schwere Unfälle wie jetzt in Oberbayern sind vergleichsweise selten. Beispiele:

August 2014: In Mannheim rammt ein Güterzug einen Eurocity mit 250 Passagieren - zwei Waggons stürzen um, 35 Menschen werden verletzt. Der Lokführer des Güterzugs hatte ein Haltesignal übersehen.

September 2012

Ein Intercity entgleist beim Verlassen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Acht Menschen werden verletzt. Bereits im Juli war an gleicher Stelle ein IC aus den Gleisen gesprungen. Ursache waren jeweils defekte Puffer an den Waggons.

Januar und April 2012

Januar: Ein Regionalzug rast in Nordfriesland in eine Rinderherde und kippt um. Ein Fahrgast kommt ums Leben.

April: Eine Regionalbahn stößt bei Offenbach (Hessen) mit einem Baukran-Zug zusammen. Drei Menschen werden getötet, 13 verletzt.

September 2011

Geröll stürzt bei heftigen Regenfällen ins Gleis und lässt einen Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord bei St. Goar im Rheintal entgleisen. 15 Menschen werden verletzt.

Januar 2011

Zehn Menschen sterben, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstößt. Ein Lokführer hatte zwei Haltesignale überfahren.

Oktober 2009

Bei einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der historischen Lößnitzgrundbahn in Sachsen stoßen zwei der historischen Züge zusammen. 52 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer.

April 2008

Ein ICE rast südlich von Fulda (Hessen) in eine Schafherde und entgleist teilweise - 73 Verletzte.

Juni 2003

Bei Schrozberg in Baden-Württemberg stoßen zwei Regionalzüge zusammen. Sechs Menschen sterben.

Februar 2000

In einer Baustelle des Bahnhofs Brühl bei Köln entgleist der Nachtexpress von Amsterdam nach Basel an einer Weiche. Bilanz: Neun Tote, 149 Verletzte.

Juni 1998

Nach dem Bruch eines Radreifens prallen im niedersächsischen Eschede mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen sterben.

Die Bayerischen Oberlandbahn (BOB) betreibt die Züge auf der Unfallstrecke. Das Unternehmen gehört zum französischen Eisenbahnunternehmen Transdev. Die Transdev GmbH ist in Deutschland mit mehr als 5000 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp 850 Millionen Euro einer der größten privater Nahverkehrsanbieter im lokalen Bahn- und Busbereich.

Regionalbahnen werden seit vielen Jahren von den Ländern ausgeschrieben. Die Deutsche Bahn hat dadurch inzwischen fast 30 Prozent der Nahverkehrsleistung auf der Schiene an private Konkurrenten verloren. Der Mutterkonzern Transdev ist mit 83.000 Mitarbeitern in 20 Ländern tätig. Zu den Anteilseignern gehören die staatliche Bank Caisse des Dépôts sowie Veolia Environnement.

„Der Unfall ist ein Riesenschock für uns. Wir tun alles, um den Reisenden, Angehörigen und Mitarbeitern zu helfen“, sagte Bernd Rosenbusch, der Geschäftsführer der BOB. Bahnchef Rüdiger Grube versprach die ermittelnden Behörden bei der Aufklärung der Unfallursachen in vollem Umfang zu unterstützen.

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