Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.02.2016

09:09 Uhr

Zugunglück von Bad Aibling

„Es wird keine elfte Leiche geben“

Die Ursache für das Zugunglück in Bad Aibling war womöglich „menschliches Versagen“. Ein Bahnbediensteter soll eine „verhängnisvolle Fehlentscheidung“ getroffen haben. In den Zügen befinden sich nun keine Todesopfer mehr.

Zugunglück von Bad Aibling

War menschliches Versagen die Unfallursache?

Zugunglück von Bad Aibling: War menschliches Versagen die Unfallursache?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Bad AiblingNach dem schweren Zugunglück in Oberbayern mit zehn Todesopfern rechnet die Polizei nicht mit weiteren Todesopfern. „Es wird niemand mehr vermisst“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Mittwochmorgen. Nachdem alle Personalien abgeglichen worden seien, dürfte sich kein Opfer mehr in den beiden Zügen befinden. „Es wird keine elfte Leiche geben.“ Der Sprecher war zudem zuversichtlich, dass alle Verletzten überleben werden. „Wir dürfen optimistisch sein.“

Die Suche nach der Unfallursache ist dagegen noch nicht beendet. Nach ersten Ermittlungen könnte „menschliches Versagen“ der Grund für den Frontal-Zusammenstoß zweier Regionalbahnen sein. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagabend aus zuverlässiger Quelle. Wer genau für das Unglück verantwortlich zu machen ist, war zunächst nicht bekannt. Zuvor hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

Der Grund für das Unglück sei offenbar eine „verhängnisvolle Fehlentscheidung“ eines Bahnmitarbeiters, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland, dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören, am Dienstagabend unter Berufung auf Ermittlerkreise. Bei dem Zugunglück waren mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen und 80 verletzt worden.

Schweres Unglück in Bad Aibling: „Züge prallten mit hoher Geschwindigkeit aufeinander“

Schweres Unglück in Bad Aibling

„Züge prallten mit hoher Geschwindigkeit aufeinander“

Zehn Tote, 81 Verletzte – das Zugunglück in Bad Aibling erschüttert. Verkehrsminister Dobrindt spricht von einer „schweren Stunde in der Geschichte des Zugverkehrs“. Die CSU sagt den Politischen Aschermittwoch ab.

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern. Die Ermittlungen würden noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Spezialisten hätten mit ihrer Ermittlungsarbeit gerade erst begonnen, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Dem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland zufolge soll der Bahnbedienstete das automatische Signalsystem ausnahmsweise außer Kraft gesetzt haben, um einen verspäteten Triebwagen noch „quasi von Hand durchzuwinken“. Der entgegenkommende Zug habe ebenfalls grünes Licht bekommen.

Zugunglücke in Deutschland

August 2014

Bahnfahren gilt als relativ sicher, schwere Unfälle wie jetzt in Oberbayern sind vergleichsweise selten. Beispiele:

August 2014: In Mannheim rammt ein Güterzug einen Eurocity mit 250 Passagieren - zwei Waggons stürzen um, 35 Menschen werden verletzt. Der Lokführer des Güterzugs hatte ein Haltesignal übersehen.

September 2012

Ein Intercity entgleist beim Verlassen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Acht Menschen werden verletzt. Bereits im Juli war an gleicher Stelle ein IC aus den Gleisen gesprungen. Ursache waren jeweils defekte Puffer an den Waggons.

Januar und April 2012

Januar: Ein Regionalzug rast in Nordfriesland in eine Rinderherde und kippt um. Ein Fahrgast kommt ums Leben.

April: Eine Regionalbahn stößt bei Offenbach (Hessen) mit einem Baukran-Zug zusammen. Drei Menschen werden getötet, 13 verletzt.

September 2011

Geröll stürzt bei heftigen Regenfällen ins Gleis und lässt einen Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord bei St. Goar im Rheintal entgleisen. 15 Menschen werden verletzt.

Januar 2011

Zehn Menschen sterben, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstößt. Ein Lokführer hatte zwei Haltesignale überfahren.

Oktober 2009

Bei einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der historischen Lößnitzgrundbahn in Sachsen stoßen zwei der historischen Züge zusammen. 52 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer.

April 2008

Ein ICE rast südlich von Fulda (Hessen) in eine Schafherde und entgleist teilweise - 73 Verletzte.

Juni 2003

Bei Schrozberg in Baden-Württemberg stoßen zwei Regionalzüge zusammen. Sechs Menschen sterben.

Februar 2000

In einer Baustelle des Bahnhofs Brühl bei Köln entgleist der Nachtexpress von Amsterdam nach Basel an einer Weiche. Bilanz: Neun Tote, 149 Verletzte.

Juni 1998

Nach dem Bruch eines Radreifens prallen im niedersächsischen Eschede mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen sterben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×