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10.11.2016

14:48 Uhr

Zugunglück von Bad Aibling

Fahrdienstleister war von Smartphone abgelenkt

Das Zugunglück von Bad Aibling ist eines der schwersten in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Fahrdienstleiter räumt vor Gericht Fehler ein und wendet sich in einer Erklärung an die Angehörigen der Todesopfer.

Zugunglück von Bad Aibling

Bewegendes Geständnis: „Ich weiß um meine Schuld“

Zugunglück von Bad Aibling: Bewegendes Geständnis: „Ich weiß um meine Schuld“

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TraunsteinNeun Monate nach dem verheerenden Zugunglück von Bad Aibling hat der Fahrdienstleiter zum Prozessauftakt schwere Fehler eingeräumt. Er habe ein Sondersignal gegeben, das er nicht hätte geben dürfen, und einen Notruf falsch abgesetzt, ließ der Angeklagte am Donnerstag über seine Anwältin mitteilen.

In einer persönlichen Erklärung richtete sich der 40-Jährige vor dem Landgericht Traunstein mit belegter Stimme an die Angehörigen der zwölf Toten: „Ich weiß, dass ich da am 9. Februar mir große Schuld aufgeladen habe“, sagte er und blickte dabei in den Zuschauerraum. Seinen Fehler könne er nicht mehr rückgängig machen. „Ich möchte Ihnen sagen, dass ich in Gedanken bei Ihnen bin.“

Weiter wollte er sich nicht zum Tag der Katastrophe äußern - auch nicht zum Vorwurf der Staatsanwaltschaft, er sei durch ein Handyspiel abgelenkt gewesen. Nach Angaben seiner Verteidiger umfasst das Geständnis aber auch die Handynutzung.

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Den Ermittlungen zufolge spielte der Fahrdienstleiter regelmäßig im Dienst auf seinem Smartphone, obwohl das verboten ist. „Er hat nahezu jedes Mal gespielt“, sagte ein Polizeibeamter vor Gericht. Es gebe viele zeitliche Übereinstimmungen der Nutzung des Smartphones mit den Dienstzeiten.

Der Angeklagte, der nach Angaben seiner Anwältin Ende des Jahres „einvernehmlich“ aus dem Beschäftigungsverhältnis mit der Deutschen Bahn ausscheidet, erschien mit gesenktem Kopf und verschränkten Armen vor Gericht. Minutenlang ließ er ein Blitzlichtgewitter über sich ergehen, ohne sein Gesicht zu verstecken.

Am Faschingsdienstag, dem 9. Februar 2016, stießen zwei Regionalzüge zwischen den Bahnhöfen Kolbermoor und Bad Aibling (Oberbayern) frontal zusammen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Fahrdienstleiter die beiden Züge gleichzeitig auf die eingleisige Strecke geschickt. Technische Vorrichtungen, die das eigentlich verhindern, blockierte er. Als der Mann den verhängnisvollen Irrtum bemerkte, beging er laut Anklage einen weiteren Fehler: Er wollte die Lokführer noch warnen, erwischte aber den falschen Knopf, so dass der Alarm nicht in den Zügen ankam.

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