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16.02.2016

14:47 Uhr

Zugunglück von Bad Aibling

„Was wir haben, ist ein furchtbares Einzelversagen“

Das Zugunglück bei Bad Aibling geht auf menschliches Versagen zurück. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Fahrdienstleister, der sich sich nicht pflichtgemäß verhalten haben soll. Alkohol war aber nicht im Spiel.

Bad Aibling

Menschliches Versagen ist Schuld an elf Toten

Bad Aibling: Menschliches Versagen ist Schuld an elf Toten

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Bad AiblingDas Zugunglück von Bad Aibling mit elf Toten und mehr als 80 Verletzten geht nach Angaben der Ermittler auf menschliches Versagen zurück. Gegen den Fahrdienstleiter sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte am Dienstag der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese in dem oberbayerischen Kurort.

Wenn sich der Mann pflichtgemäß verhalten hätte, wäre es nicht zum Zusammenstoß der Züge gekommen, sagte Giese. Für technisches Versagen gebe es keine Anhaltspunkte. Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen wurde ein Sondersignal gegeben, das nicht hätte gegeben werden dürfen.

Das Zugunglück sei aber nicht vorsätzlich herbeigeführt worden, hob Giese hervor. Der Fahrdienstleiter habe, als er seinen Fehler bemerkt habe, noch einen Notruf abgesetzt, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz. „Aber der ging ins Leere.“

Der Fahrdienstleister hatte sich nach Angaben des Staatsanwalts zunächst nicht geäußert, am Montag aber sein Schweigen gebrochen. Er wurde demnach mehrere Stunden vernommen. In Untersuchungshaft ist der betroffene Fahrdienstleiter derzeit nicht. „Man muss nicht davon ausgehen, dass hier ein Haftgrund vorliegt“, sagte Oberstaatsanwalt Giese. Es gehe um eine fahrlässige Tat, nicht um eine vorsätzliche und um einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren.

Der Fahrdienstleiter wurde in Absprache mit seinen Verteidigern an einen sicheren Ort gebracht, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz: „Ihm geht's nicht gut.“ Die Staatsanwaltschaft kennt aber den Aufenthaltsort des Fahrdienstleiters, wie die Ermittler weiter mitteilten.

Zugunglücke in Deutschland

August 2014

Bahnfahren gilt als relativ sicher, schwere Unfälle wie jetzt in Oberbayern sind vergleichsweise selten. Beispiele:

August 2014: In Mannheim rammt ein Güterzug einen Eurocity mit 250 Passagieren - zwei Waggons stürzen um, 35 Menschen werden verletzt. Der Lokführer des Güterzugs hatte ein Haltesignal übersehen.

September 2012

Ein Intercity entgleist beim Verlassen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Acht Menschen werden verletzt. Bereits im Juli war an gleicher Stelle ein IC aus den Gleisen gesprungen. Ursache waren jeweils defekte Puffer an den Waggons.

Januar und April 2012

Januar: Ein Regionalzug rast in Nordfriesland in eine Rinderherde und kippt um. Ein Fahrgast kommt ums Leben.

April: Eine Regionalbahn stößt bei Offenbach (Hessen) mit einem Baukran-Zug zusammen. Drei Menschen werden getötet, 13 verletzt.

September 2011

Geröll stürzt bei heftigen Regenfällen ins Gleis und lässt einen Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord bei St. Goar im Rheintal entgleisen. 15 Menschen werden verletzt.

Januar 2011

Zehn Menschen sterben, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstößt. Ein Lokführer hatte zwei Haltesignale überfahren.

Oktober 2009

Bei einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der historischen Lößnitzgrundbahn in Sachsen stoßen zwei der historischen Züge zusammen. 52 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer.

April 2008

Ein ICE rast südlich von Fulda (Hessen) in eine Schafherde und entgleist teilweise - 73 Verletzte.

Juni 2003

Bei Schrozberg in Baden-Württemberg stoßen zwei Regionalzüge zusammen. Sechs Menschen sterben.

Februar 2000

In einer Baustelle des Bahnhofs Brühl bei Köln entgleist der Nachtexpress von Amsterdam nach Basel an einer Weiche. Bilanz: Neun Tote, 149 Verletzte.

Juni 1998

Nach dem Bruch eines Radreifens prallen im niedersächsischen Eschede mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen sterben.

Zu den Aussagen des Mannes machte der Oberstaatsanwalt keine Angaben. „Ich kann Ihnen den Stand der Vernehmungen jetzt nicht wiedergeben.“ Der Fahrdienstleiter ist nach Angaben der Ermittler 39 Jahre alt und hat mehrjährige Berufserfahrung. „Es gibt keine Hinweise auf Alkohol“, sagte Rosenheims Polizeipräsident Robert Kopp. Eine Atemalkoholanalyse beim Fahrdienstleiter habe ein Ergebnis von 0,0 ergeben.

Bei dem schweren Unglück auf der eingleisigen Strecke waren am Dienstag vergangener Woche zwei Regionalzüge der Bayerischen Oberlandbahn frontal zusammengeprallt. Elf Menschen kamen ums Leben, Dutzende Passagiere wurden zum Teil schwer verletzt.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

16.02.2016, 15:14 Uhr

Was passiert ist kann man in diesem Fall nicht mehr Rückgängig machen.
Die einen haben mit dem Verlust zu leben und die anderen mit der Schuld (Fehler).
Jetzt ist der Medienauflauf nochmals groß aber danach wird es wieder andere Menschliche Schiksale und Tragödien zu berichten geben.

Herr Vinci Queri

16.02.2016, 15:25 Uhr

>> Wenn sich der Mann pflichtgemäß verhalten hätte, wäre es nicht zum Zusammenstoß der Züge gekommen, sagte Giese. Für technisches Versagen gebe es keine Anhaltspunkte. >>

Wenn es an KEINEN TECHNISCHEN FEWHLERN lag, hätte sich der Mann verhalten können, wie er wollte, die Technik hätte den Zusammenstoß niemals zugelassen !

Die Sicherheit des Zugsverkehrs wird nämlich mittels REDUNDANTER ( meistens 3 - fach ) und DIVERSITÄRER ( verschiedene Hersteller ) Rechnertechnik überwacht, d.h. die Technik SCHLIESST Manipulationsmöglichkeiten seitens des Menschen SICHER aus !

Das ganze stinkt genau so, wie der Absturz der German-Wings-Maschine in Frankreich, als man die Begründung auf einen Co-Piloten lenkte.

Die Gründe liegen wohl wieder auf der Hand : die Versicherungen drücken sich vor Schadensübernahme !

Herr Hartmut W. Gloeckner

16.02.2016, 15:54 Uhr

Wer will sein Kind auf diese Weise verlieren? Hat nicht jeder von uns einmal in einem entscheidenden Augenblickt falsch reagiert? Mein Mitgefühl ist bei den Angehörigen der Verunfallten; aber auch bei denen des sogenannten Verursachers.

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