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12.06.2014

18:13 Uhr

Zum Tode Frank Schirrmachers

„Er war ein besessener Zeitungsmacher“

VonDésirée Linde

Der 54 Jahre alte Journalist und Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Frank Schirrmacher ist am Donnerstag verstorben. Der Querdenker und Medienmacher hat die politische Agenda der Deutschen geprägt.

Medienmacher Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ist gestorben.

Medienmacher Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ist gestorben.

Er war einer der mächtigsten Journalisten Deutschlands. Er war Bestseller-Autor und streitbarer Kritiker seiner Branche: Im Alter von 54 Jahren ist Frank Schirrmacher am Donnerstag überraschend gestorben. Der Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) zeichnete unter anderem für das Feuilleton der Zeitung verantwortlich.

FAZ-Mitherausgeber Werner D'Inka sowie der Verlag der FAZ bestätigten den Tod des 54-Jährigen – und mittlerweile auch, dass Schirrmacher einem Herzinfarkt erlegen ist. Angeblich wurde er leblos in seinem Bett gefunden. „Wir sind tief erschüttert und fassungslos“, teilte Mit-Herausgeber Berthold Kohler mit. „Das ist ein entsetzlicher Verlust für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".“

Schirrmacher trat Mitte der 80er-Jahre in die Feuilleton-Redaktion der FAZ ein und wurde später ihr Leiter. Seit 1994 war er Mitherausgeber der Zeitung. In den vergangenen Jahren hatte Schirrmacher sich auch als Autor zu Themen der digitalen Zukunft einen Namen gemacht.

Der Medienmacher Frank Schirrmacher

Privates

Schirrmacher ist der Sohn eines Beamten geboren. Nach dem Abitur 1979 an der privaten Humboldt-Schule in Wiesbaden studierte Schirrmacher bis 1984 Germanistik, Anglistik, Literatur und Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg und an der Universität Cambridge sowie in Montpellier und an der Yale University (New Haven).

Doktortitel

1987 promovierte er mit der Dissertation „Schrift als Tradition – die Dekonstruktion des literarischen Kanons bei Kafka und Harold Bloom“ an der Universität-Gesamthochschule Siegen zum Dr. phil..

Sein bekanntestes Buch

2004 veröffentlichte Schirrmacher „Das Methusalem-Komplott“. Darin warnte er vor der Vergreisung der Gesellschaft aufgrund niedriger Geburtenraten und ruft zu einem „Aufstand der Alten“ aufruft. Das Buch wurde in 14 Sprachen übersetzt und 400.000 Mal verkauft.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

1984 begann alles mit einer Hospitanz bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, ein Jahr später wurde er bereits Feuilleton-Redakteur. 1994 Nachfolger von Joachim Fest als einer der fünf Herausgeber, zuständig für das Feuilleton.

Stimmen

Die US-Zeitschrift Newsweek rühmte Schirrmacher als einen der führenden Intellektuellen. Nach der Figur des unkonventionellen, von Clint Eastwood dargestellten Inspektors Harry Callahan nannte ihn Jakob Augstein in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 2. März 2006 den „Dirty Harry des Feuilletons“.

Der Medienmacher

Schirrmacher prägte das Feuilleton massiv. Im Jahre 2000 weitete er die Rubrik erheblich aus und warb namhafte Journalisten von anderen Zeitungen ab. Doch die allgemeinen Zeitungskrise machte auch Schirrmacher zu schaffen. Seitenumfänge wurden wieder reduziert. Auch die von Schirrmacher ins Leben gerufenen „Berliner Seiten“ wurden 2003 eingestellt.

Noch vor drei Wochen hatte er in einem Interview mit der Zeitschrift „Horizont“ die Verlage als Vorreiter der Digitalisierung in die Pflicht genommen. „Es ist Zeit zu erkennen, dass die Verlage nicht die bedauernswerte Nachhut der digitalen Moderne sind, sondern die Vorhut“, sagte Schirrmacher im Mai.

Bekannt war Schirrmacher neben seiner Arbeit für die FAZ vor allem für seine Bücher geworden, etwa „Das Methusalem-Komplott“ (2004), das in 14 Sprachen übersetzt wurde und sich 400.000 Mal verkaufte. Zuletzt veröffentlichte er das Buch „Ego – Das Spiel des Lebens“, in dem Schirrmacher als einer der ersten die gesellschaftlichen Dimensionen des digitalen Wandels erkannte und eindringlich beschrieb.

Immer wieder hat er die Branche, zu der er selbst gehörte, scharf kritisiert, die öffentliche Debatte vor sich hergetrieben mit provokanten Thesen und sich selbst inszeniert. Schirrmacher war mehr als ein Journalist. Er war ein Medienphänomen. Eines, dass Freitag-Herausgeber Jakob Augstein den „Dirty Harry des Feuilletons“ nannte. Am Abend twitterte Augstein:„Es gibt wirklich nicht viele Leute, von denen man sagen kann, sie seien unersetzlich. Er war einer.“

Kommentare (3)

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12.06.2014, 20:46 Uhr

De mortuis nil nisi bene dicendum. RIP...

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13.06.2014, 09:14 Uhr

Unvergessen bleibt unter anderem seine konservative Kapitalismus-Kritik, die wieder einmal gezeigt hat, wie nah Linke und Rechte in ihrer Marktferne beieinanderliegen.

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13.06.2014, 09:22 Uhr

Man bleibt erstaunt, zu welchen kommentatorischen Verrenkungen ein simpler Nachruf Anlass geben könnte.

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