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08.10.2014

12:31 Uhr

Zur Einschläferung verurteilt

So will das Netz den Ebola-Hund retten

In einer spanischen Klinik kämpft eine Patientin mit dem tödlichen Ebola-Virus. Im Internet bekunden Tausende Sympathie und Mitgefühl – mit dem Hund der Patientin. Denn der soll vorsichtshalber eingeschläfert werden.

Ebola-Infektion bei Krankenschwester

Videobotschaft des Ehemanns: „Rettet unseren Hund“

Ebola-Infektion bei Krankenschwester: Videobotschaft des Ehemanns: „Rettet unseren Hund“

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MadridDie weit über 3000 afrikanischen Ebola-Todesopfer sind in Europa zur Kenntnis genommen worden. Doch die geplante Einschläferung eines Haustieres sorgt nun erstmals für hunderttausendfache Empörung. Aus Angst vor einer Verbreitung des Virus soll auch Excalibur, der Hund der infizierten spanischen Krankenschwester, eingeschläfert werden.

Die Madrider Regionalregierung verwies auf wissenschaftliche Untersuchungen, die ein Übertragungsrisiko zwischen Hund und Menschen nicht ausschlössen. Der unter Quarantäne stehende Ehemann der Patientin forderte nun, der Hund solle leben gelassen werden. „Er ist allein in der Wohnung, hat Nahrung und Wasser. Da kann er niemanden anstecken“, sagte der Ehemann der Zeitung „El País“. Er erhielt prompt die Unterstützung von Tierschutzorganisationen und einer emotionalen Twitter-Gemeinde.

Unter dem Hashtag #salvemosaexcalibur („Lasst uns Excalibur retten“) melden sich Hundeliebhaber aus aller Welt zu Wort. Bei einer Online-Petition haben bereits Tausende gegen die Einschläferung protestiert.

Die Behörden hatten angeordnet, die Wohnung des Ehepaares in der Madrider Vorstadt Alcorcón zu desinfizieren und das Tier zu töten. Der Kadaver soll nach der Einschläferung verbrannt werden.

„Wir dürfen kein Risiko eingehen“, sagte der Präsident der Madrider Veterinärvereinigung, Felipe Vilas, der Zeitung „El País“. „Es ist logisch, das Tier zu eliminieren.“ Ein Madrider Gericht stellte am Mittwoch den Behörden die Erlaubnis aus, die Wohnung zu betreten und den Hund einzuschläfern. Ein Expertenteam war am Mittwochvormittag bereits auf dem Weg zu dem Haus.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Aktivisten weisen allerdings darauf hin, dass das Ebola-Virus vornehmlich von Affen und Fledermäusen übertragen werde. Menschliche Infektionen seien bisher noch nicht in Verbindung mit Hunden gebracht worden. Weil sich Mediziner aber offenbar nicht sicher sind, ob eine Übertragung theoretisch möglich wäre, wollen die Madrider Behörden den Hund vorsichtshalber einschläfern lassen. Experten erinnern daran, dass die Gefahr einer Ebola-Infektion bei Hunden bisher kaum erforscht sei.

„Warum einen Unschuldigen töten?“, fragen Twitter-User dennoch und fordern, den Hund lediglich unter Quarantäne zu stellen. Einige Nutzer laden auch Fotos ihrer Hunde ins Internet, die sie vor einem Schild mit einer Solidaritätsbotschaft für Excalibur positioniert haben.

Die Ebola-Infizierte leidet derweil unter Fieber, befindet sich aber in einem relativ stabilen Zustand. Sie war Teil eines Spezialteams, das einen an Ebola erkrankten spanischen Missionar aus Sierra Leone gepflegt hatte, der vergangenen Monat an der Krankheit starb.

Auch an der Betreuung eines in Liberia erkrankten und ebenfalls verstorbenen Priesters war sie beteiligt. Am Montag wurde bei ihr Ebola diagnostiziert, mehr als 50 Menschen stehen seitdem unter Beobachtung. Ebola-Tests bei einer weiteren Krankenschwester in Quarantäne fielen negativ aus. Ein Mann, der nach Nigeria gereist war, musste dagegen in Isolation bleiben.

Kommentare (4)

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Herr richard roehl

08.10.2014, 11:33 Uhr

Der Grad der kognitiven und sozialen Degeneration und Weltfremdheit der virtuellen Generation nimmt langsam unerträgliche Maße an. Man sollte sich wirklich fragen, ob Demokratie in der klassischen Form noch zeitgemäss ist

Herr Fred Meisenkaiser

08.10.2014, 11:44 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Teito Klein

08.10.2014, 13:25 Uhr

Spanische Regierung will Hund einschläfern
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Aus Angst vor einer Verbreitung des Virus soll auch Excalibur, der Hund der infizierten spanischen Krankenschwester, eingeschläfert werden.

Wird jetzt auch die Krankenschwester und ihr Ehemann eingeschläfert?
Und auch als Präventionsmaßnahme die anderen Kontaktpersonen?
Nur so kann eine mögliche Verbreitung der Seuche verhindert werden.
Die Patientin war vorher noch in Urlaub gefahren. Wie viele hat sie dabei infiziert? Werden diese jetzt auch alle "eingeschläfert"?

/Zynismus off//

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