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02.02.2005

19:39 Uhr

Zustand stabil

Papst wurde an Beatmungsgerät angeschlossen

Das Kirchenoberhaupt Papst Johannes Paul II. ist am Dienstagabend in ein Krankenhaus in Rom eingeliefert worden. Es geht ihm jedoch "recht gut", berichtet eine Nachrichtenagentur.

HB VATIKAN-STADT. Der Papst sei zur Unterstützung seiner Lungenfunktion an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden, Herz und Lunge des 84-Jährigen arbeiteten aber „innerhalb der normalen Werte“, sagte sein Sprecher Joaquin Navarro-Valls, der selbst auch Arzt ist. Wegen der Grippe hatte der Papst bereits am Sonntag seine Termine abgesagt. Dienstagabend verschlimmerten sich den Angaben zufolge seine Atembeschwerden, so dass er eingeliefert werden musste. Er soll an einem akuten Laryngospasmus, einem Krampf der Stimmritze, leiden, durch den die Luft auf dem Weg in die Lunge blockiert wird. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche habe jedoch zu keinem Zeitpunkt das Bewusstsein verloren, sagte sein Sprecher. Obwohl er noch leichtes Fieber gehabt habe, habe er am Mittwochmorgen vom Krankenbett aus eine Messe verfolgt.

„Sein Zustand verbessert sich, die Ärzte sind optimistisch“, sagte Italiens Gesundheitsminister Girolamo Sirchia am Abend nach einem Besuch des Papstes in der Gemelli-Klinik am Stadtrand von Rom. In der ganzen Welt haben Katholiken in extra Gottesdiensten für die Gesundheit des Papstes gebetet. Zahlreiche Gläubige kamen zu einer Messe in den Petersdom, die der Papst ursprünglich selbst halten wollte. „Der Heilige Vater bedankt sich für Eure Gebete und Eure Anteilnahme“, sagte der Erzbischof, der die Messe anstelle des Papstes hielt.

Der Papst kann kaum noch gehen

Das Kirchenoberhaupt hat eine lange Krankengeschichte. Er leidet an Parkinson (Schüttellähmung), einer Störung des zentralen Nervensystems, er kann kaum noch gehen und hat oft Probleme beim Sprechen. 1992 im Alter von 72 Jahren wurde ihm ein Darmtumor entfernt, der angefangen hatte, bösartig zu werden. 1995 wurde er nach langen Beschwerden am Blinddarm operiert. Er selbst hat sich selten geschont und trotz seiner gesundheitlichen Probleme zahllose Reisen zu Katholiken in aller Welt unternommen. Seine nächste Reise ist im August zum Weltjugendtag in Köln geplant.

Seine Gebrechlichkeit hat immer wieder Spekulationen über die Nachfolge des Papstes aufkommen lassen. Einen Rücktritt hat er indes immer ausgeschlossen. Zugleich hat Johannes Paul II. aber auch dafür gesorgt, dass seine Nachfolge im Sinne der von ihm vertretenen Positionen geregelt wird. Fast alle Kardinäle des Gremiums, das einen neuen Papst wählt, wurden von ihm ernannt.

Der aus Polen stammende Karol Wojtyla ist als Johannes Paul II. der erste Nicht-Italiener an der Spitze des Vatikans seit 455 Jahren. Seine Herkunft und sein Engagement für die Opposition in Polen Anfang der achtziger Jahre haben die Demokratiebewegung in den Ländern Osteuropas gestärkt und zum Zusammenbruch des kommunistischen Systems beigetragen. In den vergangenen Jahren setzte er sich besonders für den Dialog zwischen den Weltreligionen ein. Seine Kritiker bemängeln vor allem das Festhalten des Papstes am Verbot von Verhütungsmitteln, seine Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Ehen und Frauen im Priesteramt.

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