Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.12.2015

09:44 Uhr

Zwei Schwarze erschossen

Neuer Wirbel um Polizei in Chicago nach tödlichem „Versehen“

Nach anhaltenden Demonstrationen wegen Gewalt gegen Schwarze ist die Polizei in Chicago erneut wegen tödlicher Schüsse in die Schlagzeilen geraten. Eines der Opfer wurde nach Polizeiangaben unbeabsichtigt getroffen.

Wieder in den Schlagzeilen

Polizei von Chicago tötet zwei Schwarze

Wieder in den Schlagzeilen: Polizei von Chicago tötet zwei Schwarze

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

ChicagoEin Polizist hat nach einem Notruf in Chicago am Zweiten Weihnachtstag zwei Menschen erschossen. Eines der beiden Opfer sei unbeabsichtigt erschossen worden, teilte die Chicagoer Polizeibehörde am Samstag mit. Dabei handelte es sich um eine 55 Jahre alte Nachbarin eines 19-jährigen College-Studenten, der am frühen Morgen nach einem Notruf wegen eines häuslichen Streits in der West Side der US-Metropole ebenfalls erschossen wurde.

Der Vater des jungen Mannes hatte die Beamten alarmiert. Als diese in dem Wohngebäude angekommen seien, seien sie mit einer aggressiven Person konfrontiert gewesen, hieß es in einer Erklärung der Polizei. Einer der Polizisten habe dann geschossen. In mehreren Medienberichten hieß es, der junge Mann habe einen Baseballschläger in der Hand gehabt. Der Gerichtsmedizin zufolge starben die beiden kurze Zeit später in zwei unterschiedlichen Krankenhäusern. Beide waren demnach schwarz.

Angehörige der 55-Jährigen berichteten, sie habe ein Stockwerk unter dem 19-Jährigen gewohnt. Sie war demnach die Mutter von vier Töchtern und einem Sohn im Alter zwischen 19 und 38 Jahren.

Die Polizei entschuldigte sich: „Das 55 Jahre alte weibliche Opfer wurde versehentlich getroffen und tragischer Weise getötet“, hieß es in der Erklärung. Man wolle der Familie und den Freunden der Frau das tiefste Beileid ausdrücken.

Polizeigewalt in den USA: Die Karte der Toten

Polizeigewalt in den USA

Die Karte der Toten

1091 Tote: So viele Menschen sind in den USA seit dem Tod von Michael Brown durch Polizeigewalt gestorben. Eine NGO sammelt Daten zu den Fällen. Sie belegen: Deren Zahl ist hoch, die Dunkelziffer noch viel höher.

Seit Wochen hat es immer wieder Demonstrationen gegen die Polizei in Chicago gegeben. Auslöser ist die Veröffentlichung eines Videos, dass tödliche Schüsse eines weißen Polizisten auf einen 17-jährigen Schwarzen im Jahr 2014 zeigt. Gegen den Beamten wurde Anklage wegen Mordes und Pflichtverletzung im Dienst erhoben. as Justizministerium ermittelt wegen des Verdachts notorischer Menschenrechtsverstöße gegen die Polizeiabteilung der Stadt. Die Veröffentlichung des Videos hatte Proteste ausgelöst.

Zu den erneuten Schüssen kam es am Samstagmorgen gegen 4.25 Uhr (Ortszeit). Der Vater des 19-Jährigen, Antonio LeGrier, sagte der „Chicago Sun-Times“, er habe seinen Sohn zu einem Familientreffen eingeladen, er habe jedoch nicht mitkommen wollen. Als er dann am frühen Samstagmorgen in seine Wohnung im zweiten Stock zurückgekehrt sei, sei sein Sohn „ein bisschen aufgewühlt“ gewesen. Er habe versucht, die abgeschlossene Schlafzimmertür gewaltsam zu öffnen, und habe geschrien, sein Vater könne ihm keine Angst einjagen. Daraufhin habe er die Polizei gerufen und die 55-Jährige im ersten Stockwerk gewarnt, dass sein Sohn „etwas zornig“ sei, berichtete der Vater.

Die Tochter der Frau, Latisha Jones, sagte der „Sun-Times“, sie sei von Schüssen geweckt worden. Als sie zur Wohnungstür gegangen sei, habe sie ihre Mutter blutend am Boden liegen gesehen.

Aus der Erklärung der Polizei geht nicht hervor, ob der junge Mann oder seine Nachbarin bewaffnet gewesen sind. Es ist auch unklar, ob es Videoaufzeichnungen des Vorfalls gibt.

Der Vater des 19-Jährigen berichtete, die Polizei habe ihm gesagt, dass sein Sohn mit sieben Schüssen niedergestreckt worden sei. Der „Sun-Times“ sagte er auch, dass sein Sohn seit seiner Unterbringung in einem Pflegeheim als Kind emotionale Probleme gehabt habe. Ähnlich äußerte sich die Mutter, Janet Cooksey. Ihr Sohn habe außerdem einen Baseballschläger besessen, sagte sie der Zeitung „Chicago Tribune“. Die Polizei dürfe jedoch nicht so reagieren, wie sie es getan habe. „Wir denken, die Polizei dient uns, bringt ihn zum Krankenhaus. Sie haben sein Leben genommen“, sagte sie.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×