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03.06.2016

07:43 Uhr

Zwischenbilanz der Unwetter

Sechs Tote, mehrere Vermisste und Millionenschäden

Nach den schweren Regenfällen offenbaren sich die Folgen der Flutkatastrophe. Während es in Bayern ans Aufräumen geht, droht am Niederrhein ein Deich zu brechen. Meteorologen zufolge ist die Gefahr noch nicht gebannt.

Unwetter in Niederbayern

Sechstes Todesopfer im Flutgebiet gefunden

Unwetter in Niederbayern: Sechstes Todesopfer im Flutgebiet gefunden

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Simbach/HamminkelnWährend es nach der Flutkatastrophe mit sechs Toten in Niederbayern ans Aufräumen geht, blicken die Helfer am Niederrhein wie gebannt auf die bedrohten Deiche. Zwar stehen die Zeichen in den Hochwassergebieten auf Entspannung, von Normalität sind die Menschen aber nach wie vor weit entfernt

Mindestens sechs Tote, mehrere Vermisste und Millionenschäden in Bayern: Zwei Tage nach der Flutwelle vom Mittwoch wird das ganze Ausmaß der Katastrophe klar. Orte wie Simbach am Inn und Triftern sind in weiten Teilen verwüstet, viele Häuser stehen immer noch unter Wasser. Allein im Landkreis Rottal-Inn geht der Schaden in den dreistelligen Millionenbereich. „Das Wichtigste ist heute, eine flächendeckende Trinkwasserversorgung und das Straßennetz wiederherzustellen“, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes Rottal-Inn am frühen Freitagmorgen. Zugleich dauern im Landkreis die Such- und Rettungseinsätze an: Am Freitagmorgen wurden noch immer Personen vermisst. Am Vorabend war das sechste Todesopfer geborgen worden.

Unter ihnen sind auch drei Frauen im Alter von 28, 56 und 78 Jahren. Es handele sich um Tochter, Mutter und Großmutter, berichtete die Polizei. Die vierte Tote ist eine 80-Jährige. Ihr Haus in Untertürken wurde von der Gewalt der Wassermassen zum Einsturz gebracht.

Die Leiche der Frau wurde einige Kilometer weiter in Julbach in einem Bachbett entdeckt. Am Donnerstag fanden Taucher die Leiche eines 75-Jährigen in seinem Haus in Simbach, am Abend wurde in dem Ort auch die Leiche eines 65-Jährigen geborgen.

Im Hochwassergebiet am Niederrhein halten die Deiche auch nach den erneuten schweren Regenfällen. Die Stadt Hamminkeln und das benachbarte, schon zum Münsterland zählende Isselburg blieben von den Fluten verschont. Der starke Regen hatte den Wasserstand des kleinen Flüsschens Issel von sonst einem halben Meter auf zwei Meter steigen lassen.

Die Lage habe sich in der Nacht zum Freitag entspannt, teilte der Krisenstab in Hamminkeln mit. Der Wasserstand der Issel am Pegel Dämmerwald sei auf einen Meter gesunken. 600 Helfer waren dort im Einsatz. 68 000 Sandsäcke wurden verbaut, weitere 35 000 lagen als Reserve bereit. Auch der Bürgermeister von Isselburg war in der Nacht zum Freitag „vorsichtig optimistisch“, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur aus dem Hochwassergebiet berichtete.

Krise, Katastrophe, Katastrophenalarm – wann gilt was?

Begriffserklärung

Die Begriffe Krisen und Katastrophen nach verheerenden Unwettern oder anderen Notsituationen werden in der öffentlichen Wahrnehmung oft gleichgesetzt. Eine Begriffserklärung.

Krise

Im Bevölkerungsschutz und der Katastrophenhilfe wird mit dem Begriff Krise eine Lage bezeichnet, bei der Sachschäden drohen oder bereits entstanden sind, und Hilfsorganisationen wie die Feuerwehr diese Lage nicht mehr allein bewältigen können. Eine Krisenlage kann durch Naturereignisse (Stürme, Starkniederschläge, Hochwasser, Waldbrände, Epidemien) ausgelöst werden oder zivilisatorische Ursachen haben – diese reichen von technischem Versagen oder Fahrlässigkeit bei Unfällen und Havarien bis zu Terroranschlägen.

Katastrophe

Sind Gesundheit oder Leben vieler Menschen, deren natürliche Lebensgrundlagen und bedeutende Sachwerte in ungewöhnlichem Ausmaß bedroht, sprechen die Behörden von einer Katastrophe. Für die Bewältigung dieses „Großschadensereignisses“ reichen die normalen technischen und finanziellen Mittel oder rechtlichen Befugnisse der betroffenen Gemeinden oder Kreise nicht aus. Zudem erfordert die Abwehr und Bekämpfung die einheitliche Leitung durch die zuständige (Katastrophenschutz-)Behörde.

Katastrophenalarm

Ein Katastrophenalarm (Katal) wird ausgelöst, wenn ein Notfall die besondere Koordination der Hilfskräfte verlangt beziehungsweise für dessen Bewältigung die technischen und finanziellen Mittel oder rechtlichen Befugnisse der normalerweise zuständigen Gemeinden nicht ausreichen. Die Bewältigung von Katastrophen und das Krisenmanagement liegen in Deutschland grundsätzlich in der Verantwortung der 16 Bundesländer. Der Katastrophenfall wird demzufolge entsprechend dem Katastrophenschutzgesetz des jeweiligen Landes festgestellt. Dies war auch im niederrheinischen Hamminkeln der Fall, wo ein Dammbruch am Fluss Issel befürchtet wurde.

Bei einem Gewitter in Krefeld ebenfalls in Nordrhein-Westfalen wurden zwei Männer vom Blitz getroffen und schwer verletzt. Sie kamen am Donnerstagabend ins Krankenhaus, wie die Feuerwehr mitteilte. Regen und Sturm hielten die Rettungskräfte mehrere Stunden in Atem. Sie pumpten vollgelaufene Keller leer, beseitigten umgeknickte Bäume und befestigten lose Teile an einer Baustelle.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte am Freitagmorgen vor zu viel Optimismus. „Es kommen neue Niederschläge nach Deutschland, die auch wieder Unwetterpotenzial haben“, sagte ein Sprecher. Wo die Unwetter genau zu erwarten sind, konnte der Meteorologe zunächst nicht sagen.

Von

dpa

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