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08.06.2011

17:26 Uhr

Ausstellung „Breaking News“

Fukushima, der GAU und die Visionen der Kunst

Die Katastrophe von Fukushima war absehbar - das will die Schweizerin Leiko Ikemura zeigen. Die Ausstellung „Breaking News“ ist eine Collage aus Kunstgegenständen, die rund um den GAU Bedeutung gewonnen haben.

Ein im Erdbebengebiet gefundenes Foto. Quelle: dpa

Ein im Erdbebengebiet gefundenes Foto.

BerlinDie geköpften Thunfische gleichen Fliegerbomben, das Caféhaus liegt da, wie in Eile verlassen, eine Obdachlose blickt in der Dämmerung auf den Asphaltboden - es könnten Schnappschüsse von überall sein, doch diese Bilder haben ihre Unschuld verloren: Nicht einmal hundert Tage nach der Tsunami-Katastrophe in Japan blickt eine Ausstellung in Berlin mit Gemälden, Fotos und Skulpturen auf die Tragödie rund um das Atomkraftwerk Fukushima.

„Breaking News“ - unter diesem Titel hat die schweizerisch-japanische Künstlerin Leiko Ikemura in wenigen Wochen die Leihgaben in zwei Räumen in Berlin-Mitte zusammengestellt. Die Werke sind zum größten Teil vor dem Tsunami entstanden. Sie deuten aber im Lichte der späteren Ereignisse eine Vorahnung des Unheils an. Künstler wie Wim und Donata Wenders, Rosemarie Trockel und Katharina Grosse sowie der Fotograf Daido Moriyama sind Ikemuras Werben gefolgt und haben Arbeiten zur Verfügung gestellt, die vor dem Erdbeben vom 11. März und der Atomkatastrophe entstanden sind.

Die Professorin der Berliner Universität der Künste (UdK) hat die Einzelstücke zu einem düsteren Panorama zusammengefügt. Sie zeigt, dass Kunst etwas zu den laufenden Ereignissen mitteilen kann, wenn auch über den Umweg der Vergangenheit.

Die japanisch-schweizerische Künstlerin Leiko Ikemura. Quelle: dpa

Die japanisch-schweizerische Künstlerin Leiko Ikemura.

Rosemarie Trockel hat eine silbrige Keramikskulptur beigesteuert, einen Klumpen, der in einem halbdunklen Raum strahlt als Verheißung und Bedrohung zugleich. Auch das große Buddha-Foto des Japan-Reisenden Wim Wenders leuchtet von innen. Rundum hängt ein nach dem Tsunami entstandenes Werk: Die Serie der Fotografin Lieko Shiga, die die Verwüstungen und die Auslöschung ganzer Landstriche dokumentiert. Besonders berührend sind zwei Familienfotos, die von den Rettern in den Ruinen gefunden wurden und wie Abertausende anderer Aufnahmen von den Überlebenden nun in den Sammelstellen abgeholt werden können.

Sie halte nichts von politischer Kunst, die wie im Reflex auf die Umwälzungen der Gegenwart reagiere, sagt die 1951 geborene Ausstellungsmacherin. Mit ihrem Kniff, Werke aus den Jahren vor der Kernschmelze zu zeigen, will Ikemura sagen: Wir hätten es wissen können, hätten wir genau hingeschaut. Sie entkommt damit auch dem Voyeurismus-Vorwurf, das Leiden der Menschen nur für eine Kunstaktion nutzen zu wollen.

Auf einem Bild von Yutaka Takanashi in Schwarz-Weiß ist ein Kraftwerk am Strand zu sehen, davor eine Welle - ein Foto aus dem vergangenen Jahr. Und mit Shomei Tomatsus Armbanduhr, die am 9. August 1945 um 11.02 Uhr stehen blieb, als die Atombombe auf Hiroshima fiel, zeigt die Ausstellung eine Ikone des Leidens. In winziger Schrift steuert auch Yoko Ono ihren Beitrag bei. „Stelle dir vor, es ist Frieden“, schreibt die Lennon-Witwe auf der kleinen Karte auf Deutsch.

Von

dpa

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